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Ostkreis Kinder an die Macht
Landkreis Ostkreis Kinder an die Macht
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12:00 13.10.2021
So viel Spaß wie Anton Becker-Werner auf dem Spielplatz „Piratennest“ hat, sollen alle Kinder auf allen Spielplätzen der Stadt haben können. 
So viel Spaß wie Anton Becker-Werner auf dem Spielplatz „Piratennest“ hat, sollen alle Kinder auf allen Spielplätzen der Stadt haben können.  Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Gleich zwei Aufträge in Sachen Kinder und Jugendliche muss Stadtallendorfs Magistrat auf Wunsch der Stadtverordneten bearbeiten: Zum einen soll geprüft werden, wie Kinder und Jugendliche in politische Entscheidungen eingebunden werden können. Zum anderen soll das Gremium ein Konzept erstellen, wie Stadtallendorf zur Stadt mit den vielfältigsten Spielplätzen werden kann.

Der erste Antrag stammt von der FDP, dessen Vorsitzender Winand Koch darauf verweist, dass Kinder und Jugendliche nicht nur gemäß Hessischer Gemeindeordnung in die Politik eingebunden werden sollten, sondern ihr Input auch eine „jüngere Perspektive“ bedeuten würde.

Noch dazu könne „der seit Jahren anhaltenden Polarisierung und zuweilen auch immer extremer werdenden Randgruppierungen im rechten und linken Milieu durch frühzeitige Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Politik Einhalt geboten werden“.

„Politisches Engagement ist kein Privileg von Erwachsenen“, ergänzte Fraktionskollege Dominik Runge und verwies darauf, dass die Stadtverordneten „in der Mehrheit nicht mehr allzu nah am jungen Alter“ und die Interessen der Jugendlichen den Parlamentariern „nicht mehr unbedingt zugänglich“ seien. „Wir wollten nicht mehr über Kinder und Jugendliche hinweg entscheiden“, pflichtete ihm Manfred Thierau (Bürgerunion) bei.

Walter Mengel (SPD), der ehemalige Stadtjugendpfleger Stadtallendorfs, stellte heraus, dass die städtische Jugendpflege Kinder und Jugendliche bereits themenbezogen einbinde, zum Beispiel bei der Gestaltung der Skateranlage sei dies der Fall gewesen. Die Möglichkeit der Beteiligung müssten niedrigschwellig sein und dürften niemanden ausgrenzen. Es gelte, Enttäuschungen zu verhindern, daher sei es angezeigt, durch Lob und Anerkennung Wertschätzung zu zeigen, die Beiträge des Nachwuchses ernst zu nehmen und Projekte dann auch möglichst zeitnah umzusetzen. Nach einstimmigem Votum der Stadtverordneten ist nun der Magistrat an der Reihe, ein Konzept zu entwickeln, wie sich Kinder und Jugendliche in die politischen Entscheidungen einbinden lassen.

Spielplätze sollen besonders sein

Mengel übernahm es dann auch gleich, einen Antrag von SPD und CDU zur gezielten Entwicklung der Stadtallendorfer Spielplätze zu begründen. Er stellte heraus, wie beliebt der Piratenspielplatz im Heinz-Lang-Park ist – vor allem auch, weil er einfach „etwas anderes“ sei und sich von anderen Anlagen abhebe.

Werner Hesse, der SPD-Vorsitzende, hatte in seinem Antragsentwurf auch schon herausgestellt, dass besondere Spielplätze Anziehungspunkte seien und nach Möglichkeit „besondere Aspekte“ im Vordergrund stehen sollten.

Mengel führte mehrere Beispiele an: eine Anlage in Niederwalgern, auf der sich Kinder spielerisch mit naturwissenschaftlichen Phänomenen auseinandersetzen und dabei forschen und experimentieren – oder einen Platz in Ebsdorf, auf dem sie Zugang zur Musik bekommen. Vielleicht ließen sich auch Aspekte wie ein Barfußpfad und ein Mehrgenerationenspielplatz verknüpfen, so der Sozialdemokrat, der auch noch die motorische Förderung in den Vordergrund rückte.

„Möglichkeiten sind viele denkbar“, teilte Hesse mit – wohlwissend, dass der Weg angesichts der Größe der Stadt Stadtallendorf und der Vielzahl an Spielplätzen, die umgestaltet werden könnten, ein langer sei. Aus diesem Grund wollten die Antragsteller auch keinen zeitlichen Rahmen festlegen. Sie fordern aber – passend zum unmittelbar davor beschlossenen Antrag – Schulen, Kitas, Stadtjugendpflege und auch den Seniorenbeirat einzubinden.

Von Florian Lerchbacher