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Ostkreis Ja, ja und nochmals ja
Landkreis Ostkreis Ja, ja und nochmals ja
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17:18 23.09.2021
Damit Radeln im Grünen zum Vergnügen wird, ist ein gutes Wegenetz erforderlich.
Damit Radeln im Grünen zum Vergnügen wird, ist ein gutes Wegenetz erforderlich. Quelle: Sebastian Kahnert
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Hatzbach

Eigentlich wollen alle Fraktionen des Stadtallendorfer Parlamentes ein Anliegen der Ortsbeiräte Hatzbach, Wolferode und Ernsthausen (Rauschenberg) unterstützen – nichtsdestotrotz diskutierten die Stadtverordneten ausgiebig über den möglichen Bau des Hatzbachtal-Radweges beziehungsweise des Lückenschlusses zwischen den Fernradwegen R2 und R6. Schließlich hatten sie diesen auch schon vor sechs Jahren beschlossen, wie SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Hesse immer wieder betonte.

Die Ortsbeiräte hatten sich Anfang Juli bereits an Hessen Mobil gewandt und darauf verwiesen, dass Radfahrer zwischen Hatzbach und Wolferode (3,5 Kilometer) und dann bis Ernsthausen (weitere 2,5 Kilometer) nur über die Landstraße 3071 fahren können – eine Strecke, die insbesondere für Kinder viel zu gefährlich sei. Sie schlagen in dem Schreiben vor, einen Radweg auf zum Teil schon vorhandenen, aber noch auszubauenden Feld- und Wirtschaftswegen zu schaffen. „Vorabsondierungen“ mit Eigentümern seien „tendenziell positiv“ verlaufen.

SPD: Das Ziel ist bereits beschlossene Sache

Die CDU griff die Thematik auf und verfasste unter dem Titel „Unterstützung der Ortsbeiräte“ einen Antrag, dem sich FDP, Grüne und Bürgerunion anschlossen. Dieser beinhaltete nicht nur die Forderung des Radwegebaus, sondern unter anderem auch das Beantragen von Fördermitteln und das Einstellen von Finanzierungsmitteln in den Haushalt.

CDU-Fraktionsmitglied Manfred Dönges, seines Zeichens Ortsvorsteher von Wolferode, nahm die Stadtverordneten in der Begründung zunächst mit auf gedachte Radtour von Schweinsberg über Niederklein nach Stadtallendorf und von dort nach Erksdorf sowie Hatzbach – wo dann jedoch der Radweg am Friedhof ende. Er ergänzte, dass Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir gesagt habe, dass kein Radweg am Geld scheitern werde und betonte, dass Bürger Lösungen sehen wollten.

Die SPD hatte derweil einen Änderungsantrag eingebracht, in dem sie daran erinnerte, dass die Stadtverordnetenversammlung schon 2015 erklärt hatte, erwähnter Lückenschluss sei erstrebenswert. Damals hatte es den Auftrag an den Magistrat gegeben, verschiedene Varianten zu prüfen und mit den Baulastträgern über eine Realisierung zu verhandeln. Das Ziel sei also schon beschlossen – es müsse nur noch einmal bekräftigt werden.

Hesse: „Wir ziehen uns den Schuh nicht an“

Darüber brach eine ausgiebige Diskussion aus, die Winand Koch (FDP) sehr bedauerte. „Es müsste doch möglich sein, hier ohne Änderungsantrag zu arbeiten.“ Es gelte einfach nur, den Wunsch der Ortsbeiräte zu würdigen und zu unterstützen. Michael Goetz monierte, der Änderungsantrag sei seinen Grünen nie vorgelegt worden, und fragte, warum das Projekt ruhe.

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) zeigte sich verärgert über den Vorwurf, dass sechs Jahre lang nichts passiert sei. Er verwies darauf, dass alle Bürgermeister des Landkreises zusammengearbeitet hätten, um ein Gesamtkonzept für Marburg-Biedenkopf zu erstellen, das nun Stück für Stück anhand einer Prioritätenliste abgearbeitet werde. So ließen sich am besten Fördermittel akquirieren, sagte er und erklärte, auch der Hatzbachtal-Radweg sei in diesem Konzept enthalten – genieße aber leider nicht die höchste Priorität und sei deshalb im Gegensatz zu anderen Strecken noch nicht umgesetzt worden.

„Wir ziehen uns den Schuh nicht an, dass wir Ortsbeiräten kein Gehör schenken würden“, ärgerte sich Hesse und betonte, der Lückenschluss solle dank der Aufnahme ins Gesamtkonzept über Landesmittel finanziert werden. Ein neuerlicher Beschluss bringe die Thematik nicht voran. Es sei viel eher gegenüber den Bürgern unredlich, so zu tun, als würde ein weiterer Beschluss etwas bringen.

Letztendlich stimmten nur die Sozialdemokraten für ihren Änderungsantrag, den der Rest der Stadtverordneten ablehnte. Das Kuriose: Die Sozialdemokraten schlossen sich beim eigentlichen Antrag letztendlich dem Rest der Parlamentarier an und stimmten auch für den Ursprungsantrag, der somit einstimmig beschlossen wurde.

Von Florian Lerchbacher

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