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Ostkreis Ranghöchster deutscher Soldat zu Gast
Landkreis Ostkreis Ranghöchster deutscher Soldat zu Gast
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00:17 30.01.2019
Generalinspekteur Eberhard Zorn trug sich in das goldene Buch der Stadt ein. Im Hintergrund (von links) Erster Stadtrat Ottmar Bonacker, Divisionskommandeur Andreas Marlow, Bürgermeister Christian Somogyi, der stellvertretende Divisionskommandeur Hans Hogstraten, Landrätin Kirsten Fründt und der stellvertretende Divisionskommandeur Heinz Gawellek.  Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Ein bewegtes Jahr liegt hinter der Division Schnelle Kräfte. Allein 2.500 Soldaten der verschiedenen Einheiten der Division nahmen an Auslandseinsätzen teil. Hinzu kamen Großübungen wie der „Schnelle Adler“ oder gemeinsam mit der niederländischen 11. Luchtmobielen Brigade.

Immer wieder trafen die Soldaten der Division dabei auch auf General Eberhard Zorn, den Generalinspekteur der Bundeswehr bei dessen Truppenbesuchen. Er befand sich dienstlich seit Mittwochabend in Stadtallendorf. Sein Redebeitrag beim Neujahrsempfang war ein kompakter sicherheitspolitischer Überblick wie auch ein Statusbericht zur Lage der Bundeswehr.

"Der IS als Terrormiliz ist nicht weg"

Zorn unterstrich die zunehmende Bedeutung der Landes- und Bündnisverteidigung. Wobei sein Fokus dabei eher auf Letzterem liegt. „Unsere Bedrohung liegt im Bündnisbereich. Panzerarmeen in der deutschen Tiefebene sehe ich dabei nicht“, sagte Zorn.

Er nannte den Einsatz der Bundeswehr im Baltikum als Beispiel. Auch bei der Skizzierung der internationalen Krisen zeichnete General Zorn klare Linien. Mit Blick auf Syrien und Irak betonte er: „Der IS als Terrormiliz ist nicht weg“. Nach wie vor gebe es versprengte Einheiten des Islamischen Staates.

Klare Worte auch zur Zukunft des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr im Zusammenspiel mit den Nato-Partnern, insbesondere den USA. Zwar ist für den Generalinspekteur nicht erkennbar, dass die USA ihre dortigen Truppenverbände tatsächlich abziehen. US-Präsident Donald Trump hatte mit dieser Option zum Jahreswechsel verbal herumgespielt.

Anzahl der Soldaten soll anwachsen

Aber für Zorn gilt der Grundsatz „Wir gehen gemeinsam hinein, wir gehen auch gemeinsam hinaus“ weiterhin. Zorn sieht positive Entwicklungen beim Personal und der Ausstattung der Bundeswehr. Die 2016 zusätzlich eingestellten Soldaten machen sich nunmehr bemerkbar, so Zorn.

Bis zum Jahr 2028 will die Bundeswehr auf eine Stärke von 201.000 Soldaten anwachsen. „Wobei ich die Prognose wage, dass das schwierig wird“, sagte Zorn und verwies auf die Folgen des demographischen Wandels bei gleichzeitiger Konkurrenz der Bundeswehr zur Wirtschaft als Arbeitgeber. Aktuell hat die Bundeswehr eine Stärke von 181.274 Soldaten. 

Kritisch sieht der Generalinspekteur insbesondere die Ersatzteilversorgung. „Es ist längst noch nicht so, dass ich da zufrieden bin“, so Zorns aktuelles Urteil. Bei der Division Schnelle Kräfte hat er eine gute Ausstattung festgestellt. Sie genieße auch international eine hohe Akzeptanz.

Bundesrepublik zieht sich aus EU-Mission zurück

Nachdrücklich lobte Zorn die Leistungen von Soldaten der DSK bei Auslandseinsätzen. Zorn hat teilweise mehrfach die Orte der 13 deutschen Auslandseinsätze besucht und ist dabei immer wieder auf die Soldaten der DSK getroffen.

Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass sich die Bundesrepublik aus der EU-Mission zum Kampf gegen Schleuser im Mittelmeer weitgehend zurückzieht. Die Fregatte „Augsburg“ wird bei der Mission „Sophia“ nicht ersetzt. Stattdessen übe der Einsatzversorger in der Nord- und Ostsee.

Es bringe nichts, wenn das deutsche Schiff über neun Monate an abgelegener Stelle hin- und herschwimme, so Zorn. Er machte aber auch klar, dass dies nicht das Aus der deutschen Beteiligung bedeute. „Wenn die Einsatzrichtlinien klar sind, sind wir in zehn Tagen wieder da“, so der Generalinspekteur.

Lob für starke Zeichen der Solidarität

Divisionskommandeur Generalmajor Andreas Marlow nahm einen kleinen Rückblick auf das Jahr 2018 vor. Dabei hob er neben den militärischen Herausforderungen einige Ereignisse am Standort heraus, wie etwa die Umbenennung der General-Nehring-Straße in „Hauptmann-Matthes-Straße“. Hauptmann Matthias Matthes war im Afghanistan-Einsatz gefallen.

Marlow betonte den Wert solcher Erinnerungen an gefallene Soldaten der Bundeswehr. Der Divisionskommandeur kündigte eine starke Beteiligung der Bundeswehr am Heimat- und Soldatenfest 2019 an – unter anderem seit Jahren wieder mit einem Tag der offenen Tür.

Dass in Stadtallendorf und Umgebung mittlerweile mehr als 50 Gelbe Schleifen als Zeichen der Solidarität mit der Bundeswehr hängen, ist für Marlow wie auch Generalinspekteur Zorn beispielhaft. „Das gibt es so nirgends“, machte Zorn klar. Und betonte das gute Verhältnis zwischen Zivilbevölkerung und Bundeswehr am Standort Stadtallendorf.

von Michael Rinde