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Ostkreis Hilfe am Anfang des Weges
Landkreis Ostkreis Hilfe am Anfang des Weges
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14:00 01.08.2022
Esther Brejora hilft Robert beim Bemalen seiner Einkaufstasche.
Esther Brejora hilft Robert beim Bemalen seiner Einkaufstasche. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Geduldig, gelassen und fröhlich erklärt Esther Brejora dem zehn Jahre alten Robert, wie seine Einkaufstasche so richtig schön und einzigartig ausfällt. Robert malt gemeinsam mit 20 weiteren Kindern Taschen im Familienzentrum „Conact“ in Stadtallendorf, im Jahr 2015 geründet und betrieben vom Verein „Jumpers“.

Seit wenigen Wochen ist Brejora die neue Leiterin von „Conact“. Im Familienzentrum in der früheren Herrenwaldkirche arbeitet sie seit vergangenem Dezember. Brejora folgt auf Marielene Höflich, die in den Mutterschutz geht. Schon im Studium entstanden Kontakte zu „Jumpers“. Brejora studierte Gemeindepädagogik, Diakonie und soziale Arbeit. Vorher sammelte sie Berufserfahrung bei der Schulsozialarbeit.

Früh war für die 27-Jährige klar, dass sie mit Jugendlichen und Kindern arbeiten, sie fördern, ihnen helfen möchte auf dem Lebensweg. Im Zentrum stehen dabei Kinder und Jugendliche, denen der Start in den eigenen Lebensweg nicht so leichtfällt wie anderen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ganz besonders liegen Brejora Mädchen und Teenager am Herzen. „Gerade hier in diesem Wohnquartier werden Mädchen schon sehr früh in den Haushalt eingebunden und übernehmen Aufgaben“, sagt Brejora. „Conact“ liegt im Eichenhain, viele Kinder und Jugendliche haben einen Migrationshintergrund und brauchen ganz praktische Hilfen – oder auch einfach nur Zuspruch und Abwechslung. Dort setzt die Hilfe des Familienzentrums an.

Mehr Bewegung ist ein Ziel

Die junge Leiterin von „Conact“ will zuerst „das erhalten, was entstanden ist“. Das Zentrum erhole sich gerade von den Einschränkungen und deren Folgen aus der Zeit der Corona-Krise. Am Tag besuchten zwischen 40 und 50 Kinder aus dem Bezirk das Zentrum. Es gibt Kurse und den großen Indoorspielplatz zum Beispiel. Hinzufügen möchte Brejora in den nächsten Monaten weitere Bewegungsangebote, manches davon ist gerade im Aufbau.

Viele Kinder haben türkische, italienische, polnische und zunehmend auch ukrainische Wurzeln. Morgens gibt es für die ukrainischen Kinder seit einigen Wochen Sprachangebote, die sehr gut genutzt werden. „Es ist sehr spannend zu sehen, wie sich unter den Kindern dabei neue Gemeinschaften bilden“, bemerkt die Leiterin. Natürlich gebe es zwangsläufig Herausforderungen, etwa beim Essen oder beim Werteverständnis. Für viele Kinder und Jugendliche gehe es intensiv um die Frage der Identitätsfindung. Dabei versuche „Conact“ ihnen zu helfen. „Sie sollen sich bei uns sicherfühlen können“, betont Brejora.

Sorge vor dem Herbst

Eine weitere Säule der Conact-Arbeit ist das Elterncafé. Wobei das mit den Eltern nicht eng gesehen wird. „Dorthin kommt auch die Oma oder der Onkel“, sagt die 27-Jährige. Es kommen viele Menschen aus dem Quartier zu den beiden wöchentlichen Terminen, laut Brejora zwischen 60 und 80, was etwa dem „Vor-Corona-Niveau“ entspricht. Möglich ist das alles nur dank dem großen Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher, über die Esther Brejora froh und glücklich ist. Während des Gespräches mit der OP schaut eine junge Frau bei der neuen Leiterin vorbei. „Ich bin hier aufgewachsen, jetzt helfe ich gerne anderen“, sagt sie spontan.

Ja, es gebe sehr viele Spenden und Unterstützung für den Verein. „Das ist sehr, sehr schön“, freut sie sich und das helfe so sehr bei der täglichen Arbeit. Natürlich könne „Conact“ weitere Unterstützung brauchen, auch weitere Ehrenamtliche seien immer willkommen. Aber es gibt auch etwas, das sie sorgt. Was wird, wenn es ab Herbst möglicherweise zur Gaskrise kommt? „Natürlich fragen wir uns, ob wir das alles erhalten können. Aber wir behalten die Zuversicht“, versichert sie.

Kontakt: Das Familienzentrum „Conact“ ist montags bis freitags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet, Telefon 06428/9298196, E-Mail conact@jumpers.de

Von Michael Rinde

31.07.2022
30.07.2022