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Ostkreis Die Qual vor der Wahl
Landkreis Ostkreis Die Qual vor der Wahl
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18:59 23.05.2022
Drei Stufen, kein Geländer: Am Eingang des Wahllokals in der Nordschule wartet ein Hindernis, das für Menschen wie Dieter Mundschau, der auf seinen Rollator angewiesen ist, nahezu unüberwindbar ist.
Drei Stufen, kein Geländer: Am Eingang des Wahllokals in der Nordschule wartet ein Hindernis, das für Menschen wie Dieter Mundschau, der auf seinen Rollator angewiesen ist, nahezu unüberwindbar ist. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Die einen sind des Wählens müde, die anderen stoßen bei der Stimmabgabe auf ganz andere Probleme – oder, um genauer zu sein, vor der Stimmabgabe. „Ich wäre beinahe wieder umgedreht. Hätte ich keine Hilfe bekommen, wäre ich wieder nach Hause gegangen“, sagt Dieter Mundschau, der bei Wahlen inzwischen in der Nordschule an die Urne tritt. Früher sei das Wahllokal in der Kinderkrippe im Kirchhainer Weg gewesen – das ebenerdig und somit für alle leicht zu betreten sei. Sein Problem in der Nordschule: Am Eingang zum Wahllokal befinden sich einige Stufen, die für Menschen im Rollstuhl oder mit dem Rollator zum unüberwindbaren Hindernis werden.

Ohne Rollator die Stufen hoch

Der Stadtallendorfer ist im Alter von über 80 Jahren inzwischen auch auf eine Gehhilfe angewiesen. Er ging am Tag der Landratswahl das Risiko ein, ließ seinen Rollator stehen und erklomm die Stufen – an denen es nicht einmal ein Geländer gibt. „Das war eine sehr wackelige Angelegenheit“, sagt er mit einer Portion Galgenhumor. Doch er habe eben seine Bürgerpflicht als Wähler wahrnehmen wollen. Und der 80-Jährige half sogar noch einer Frau hinauf, die an zwei Stöcken unterwegs war. „Wie? Na ja, ich habe mich an der Wand abgestützt“, berichtet das ehemalige Mitglied des Kreisschwerbehindertenbeirates.

„Aber ich habe auch andere gesehen, die alleine waren, keine Hilfe bekamen – und dann eben wieder unverrichteter Dinge nach Hause gegangen sind.“ Diese Problematik sei ihm schon während der Bundestagswahl aufgefallen, sagt Mundschau. Er habe dies auch der Stadt Stadtallendorf mitgeteilt. Doch geändert habe sich bedauernswerterweise nichts.

Nicht alle Wahllokale sind barrierefrei

„Leider sind nicht alle unsere Wahllokale barrierefrei“, bedauert Wahlleiter Patrick Fischer. Die Stadt habe eben nicht in jedem Quartier Zugriff zu einem Gebäude, in dem keine Hindernisse zu überwinden sind. Vornehmlich nutze sie eigene Gebäude, aber oft auch solche, die in kirchlicher Trägerschaft oder der des Landkreises sind. „Es ist aber auch auf der Wahlbenachrichtigung angegeben, wenn das Wahllokal nicht barrierefrei ist. Wir weisen extra darauf hin“, sagt er.

Möglichkeit der Briefwahl nutzen

Bürgerinnen und Bürger hätten dann die Möglichkeit, ein anderes Wahllokal aufzusuchen – oder die Möglichkeit der Briefwahl zu nutzen. Informationen, wo das nächste barrierefreie Wahllokal zu finden sei, ließen sich bei der Stadt (Telefon 0 64 28 / 70 70) beziehungsweise beim Wahlteam erfragen: „Wir erteilen dann gerne Auskunft.“

Doch Mundschau hat noch einen Hinweis: Hinter dem eigentlichen Wahllokal gibt es noch ein sogenanntes Fertigbau-Modul, das die Schule für die Eulenklasse nutzt. Dieses ist ebenerdig. „Das wäre doch vielleicht eine Alternative“, schlägt der 80-Jährige vor.

„Wir sind immer darauf angewiesen, was für Gebäude uns der Landkreis nutzen lässt“, kommentiert Wahlleiter Fischer: „Aber ich nehme die Anregung gerne auf und werde einfach mal nachhaken.“

Von Florian Lerchbacher

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