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Ostkreis Ein Gegengewicht zu den lauten Tönen
Landkreis Ostkreis Ein Gegengewicht zu den lauten Tönen
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21:03 17.11.2020
Dominik Runge wirbt für die Autobahn und zeigt ein Banner der befreundeten Initiative „JA49“. Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Dominik Runge weiß, dass die Befürworter der Autobahn 49 in einem gewissen Nachteil sind. Sie sind nicht wahrnehmbar, produzieren keine spektakulär scheinenden Bilder wie etwa die Waldbesetzer. Deshalb will die kleine Bürgerinitiative (BI) „Natürlich A 49“ auch weitermachen. Runge ist der Sprecher einer kleinen Gruppe, die aber schon viele Unterstützer um sich herum versammelt hat, zumindest virtuell im sozialen Netzwerk Facebook. „Dort haben wir inzwischen mehr als 1 400 Abonnenten“, sagt Runge im Gespräch mit der OP. Zu finden ist die BI unter dem Eintrag „Natürlich A 49 – Bürgerinitiative für HR, MR und VB“.

Die Bürgerinitiative „Natürlich A 49“ will vor allem eines: Der aus ihrer Sicht klaren, deutlichen Mehrheit der Befürworter der Autobahn eine Stimme geben. Im September hatte die BI ihre erste eigene Kundgebung im Stadtallendorfer Gewerbegebiet Nordost organisiert. Gerne hätte das Team um Runge, Olga Schmitt, Tobias Kindermann, Thomas Seinsoth und nun auch Ramon Fleckna eine weitere Demonstration auf die Beine gestellt, allein schon, um ein öffentliches Gegengewicht zu den deutlich hör- und sichtbaren Autobahngegnern zu schaffen. Doch das hat die Bürgerinitiave am Ende gelassen angesichts der dramatischen Entwicklung der zweiten Welle der Corona-Pandemie. „Wir haben es auch gelassen, weil wir die Polizei jetzt nicht zusätzlich mit einer Veranstaltung wie dieser belasten wollen“, betont Runge auch bei diesem Punkt. Der Polizei ist die BI insgesamt dankbar für ihren Einsatz bei den Baumfällarbeiten. Runge formuliert ein klares Bekenntnis gegen jede Form der Gewalt bei der Auseinandersetzung um die Autobahn, den Herrenwald oder den Dannenröder Forst, das verbliebene Zentrum der Waldbesetzer. „Wer sich nicht von Gewalt laut und deutlich distanziert, der macht sich mitschuldig“, spricht er in Richtung von Autobahngegnern und Sympathisanten der Waldbesetzer in Dannenrod.

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Viele Argumente für die Autobahn

Das schließe aber keinesfalls aus, dass es nicht in der Zukunft weitere Kundgebungen in und um Stadtallendorf und dann für die Autobahn 49 geben werde, hebt er auch hervor.

Runge ist überzeugt davon, dass die Region diese Autobahn wirklich dringend benötigt, über die seit 40 Jahren diskutiert wurde und für die es durchgängig Baurecht gibt. Er zählt Argumente pro A 49 auf: Es gehe darum, dass diese Region, eben nicht nur Stadtallendorf allein, endlich einen Anschluss an das deutsche Autobahnnetz erhalte, um sich weiterentwickeln zu können. Die Autobahn werde Pendlern nachhaltig helfen ebenso wie den Anwohnern von stark verkehrsbelasteten Bundesstraßen wie der B 3. Eine Alternative, von der Autobahngegner sprechen, sieht Runge nicht. Der Sprecher der BI

Runge und seine Mitstreiter wissen auch, dass viele Bürger in der Region ein Ende der Polizeieinsätze herbeisehnen. „Viele wollen wieder ihre Ruhe haben, das ist einfach so“, sagt er. Dennoch wirbt er dafür, weiter für den Weiterbau der A 49 zu werben und nicht all den Gegnern die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu überlassen. Er wirbt dafür, Gespräche zu führen, sich Diskussionen zu stellen. Er selbst hat damit gute Erfahrungen gemacht. Und er rät Menschen dazu, sich über die Planungen für die A 49 auch selbst zu informieren und sich wirklich eine eigene Meinung zu bilden. Die BI werde sichtbar bleiben, auch ohne eigene Kundgebungen zu machen. „Wir sind für alle ansprechbar, nicht nur für die Presse“, sagt Runge.

von Michael Rinde

17.11.2020