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Ostkreis Bürgerhelfer trotzen den Umständen
Landkreis Ostkreis Bürgerhelfer trotzen den Umständen
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13:57 20.09.2021
Vorsitzender Cristian Caldarola (hinten, von links), Stellvertreterin Ilona Pohl und Emilia Mann (vorne, rechts) verabschiedeten die Teilnehmenden der dritten Bürgerhelfer-Schulung.
Vorsitzender Cristian Caldarola (hinten, von links), Stellvertreterin Ilona Pohl und Emilia Mann (vorne, rechts) verabschiedeten die Teilnehmenden der dritten Bürgerhelfer-Schulung. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Eigentlich dauert die Schulung von Bürgerhelfern in Stadtallendorf zwei bis drei Monate. Nicht so bei der dritten Gruppe: Bei ihr dauerte die Schulung ein ganzes Jahr. Schuld war – wie so oft in diesen Zeiten – die Corona-Pandemie. Unterrichtseinheiten mussten in die virtuelle Welt verlegt werden, und dafür war es natürlich erst einmal nötig, die Voraussetzungen zu schaffen.

Sowohl aufseiten des Bürgerhilfevereins, als auch aufseiten der Kursteilnehmer, die beispielsweise nicht alle über einen Internetzugang verfügen. Doch Koordinationskraft Emilia Mann habe zu helfen gewusst, berichtete Claudia Hentschel: Sie habe dafür gesorgt, dass sie den Unterrichtseinheiten gemeinsam mit einem anderen Kursteilnehmer beiwohnen konnte. „Sie hat Tandems gebildet und so ermöglicht, dass wir alle weitermachen konnten“, lobte sie während der feierlichen Übergabe der Zertifikate, die „endlich“ – wenn auch in abgespeckter Form – wieder in direktem Kontakt möglich war.

Hilfestellung unter Auflagen

Auch Bürgerhilfe-Vorsitzender Cristian Caldarola war voll des Lobes für Mann, aber auch die Teilnehmer des Kurses. „Sie haben durchgehalten. Und das in diesen Zeiten. Das ist toll“, freute er sich und ergänzte, dass die Pandemie die Umstände gerade für eine soziale Initiative deutlich erschwere. Sowohl Hilfenehmer als auch Helfende müssten erhebliche Einschränkungen im Kontakt hinnehmen – und manche Angebote seien in Zeiten des Lockdowns einfach nicht umsetzbar gewesen. „Fahrten zum Arzt haben wir natürlich weiter angeboten, mussten aber natürlich die zahlreichen Auflagen beachten.

Die Einkaufshilfe haben wir beispielsweise auf eine kontaktlose Form umgestellt“, berichtete er im Gespräch mit dieser Zeitung und stellte heraus, dass die meisten Hilfenehmer ältere Menschen seien, wodurch die Helfer natürlich besondere Vorsicht hätten walten lassen müssen. Es sei nicht einfach gewesen, habe aber immerhin geklappt, freute er sich und zog ein ähnliches Fazit über die dritte Schulung – wobei er bedauerte, dass derzeit weder ein Sommer- noch ein Dankesfest vernünftig umsetzbar gewesen sei. „Aber das holen wir nach“, versprach er den Teilnehmern.

Die Bürgerhilfe hat 129 Mitglieder und hatte zum Zeitpunkt der Zertifikatsübergabe 57 registrierte Helfer, von denen 37 aktiv tätig sind. Durch die Schulung kamen ein Dutzend neuer Helfer hinzu. Gekümmert wird sich um 82 Hilfenehmer in Stadtallendorf und den Ortsteilen.

„Wir möchten Senioren helfen – das ist uns wichtig“, erklärte Muammer Topsakal, der gemeinsam mit Ehefrau Nuray und Tochter Elif an der dritten Schulung teilnahm. Die drei stammen aus der Türkei, wo sie sich ebenfalls schon darum kümmerten, ältere Menschen im Alltag zu unterstützen. „Unsere Verwandten leben noch dort. Wir hoffen, dass es auch dort weiterhin Freiwillige gibt, die ihnen helfen“, erklärte Topsakal und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und irgendwann sind wir ja auch alt und brauchen vielleicht Unterstützung.“

„Die Menschen sind so dankbar“

Vor allem sei aber der direkte Kontakt mit Menschen auch gut, um die eigenen Deutschkenntnisse weiter zu verbessern.„Ich will etwas für ältere Leute tun. Meine eigenen Eltern sind ja leider nicht mehr da“, berichtete Gundrun Stelzig.

Sie habe bereits als Einkaufshelferin fungiert und dabei festgestellt, dass es ein tolles Gefühl sei, andere zu unterstützen. „Die Menschen sind so dankbar. Es ist einfach schön, etwas für die Gesellschaft zu leisten – das gibt einem selbst auch sehr viel“, freute sie sich. Claudia Hentschel hatte in der Vergangenheit eine Nachbarin ihrer Mutter unterstützt, die nun aber im Pflegeheim lebt. „Ich wollte weiter helfen und wurde so auf die Bürgerhilfe aufmerksam. Ich finde es toll, dass es so etwas gibt und ich das unterstützen kann“, sagte sie und betonte, dass es auch wichtig sei, Angehörige etwas zu entlasten.

Die vierte Schulung läuft bereits, die fünfte ist in Planung. Bürgerhilfen setzen bei sogenannten niedrigschwelligen Angeboten an, denn oft sind es die kleinen Dinge, die Senioren oder Kranken das Leben in den eigenen vier Wänden auf die Dauer unmöglich machen.

Ein bisschen Hilfe beim Aufstehen, bei Einkäufen, beim Kochen oder bei Behördengängen – und schon ist der Umzug ins Heim nicht mehr vonnöten, oder lässt sich zumindest hinauszögern. Ziel ist es, dass Menschen möglichst lange in ihrer Heimat und dem gewohnten Umfeld bleiben können. Genau dabei sollen Bürgerhelfer die notwendige Unterstützung geben.

Die Bürgerhilfe Stadtallendorf ist erreichbar unter Telefon 0 64 28 / 44 88 86 oder per E-Mail an Buergerhilfe@stadtallendorf.de

Von Florian Lerchbacher