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Ostkreis Bauplatz wird Mountainbike-Strecke
Landkreis Ostkreis Bauplatz wird Mountainbike-Strecke
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09:00 19.07.2021
Stunts zeigte Christian Somogyi auf dem (geborgten) Mountainbike lieber keine. Dafür überreichte er in Beisein von Sebastian Habura (hinten) den Pachtvertrag an Marvin, Thorben, Bastian, Noah und Sabine Nitz.
Stunts zeigte Christian Somogyi auf dem (geborgten) Mountainbike lieber keine. Dafür überreichte er in Beisein von Sebastian Habura (hinten) den Pachtvertrag an Marvin, Thorben, Bastian, Noah und Sabine Nitz. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

„Lasst eurer Kreativität freien Lauf“, sagt Bürgermeister Christian Somogyi, der mit der Stadt Stadtallendorf einer Gruppe Mountainbike-begeisterter Jungs eine freie Fläche zur Verfügung stellt, auf der sie ihrem Hobby nachgehen können.

Die Teenager hatten sich Anfang des Jahres im Wald, nahe dem Eulenweg, einen kleinen „Trail“ mit Rampen aufgebaut – mussten diesen dann im April aber wieder abbauen. Das Ordnungsamt hatte einen Hinweis bekommen, musste darauf reagieren – und letztlich teilte dann das Forstamt mit, dass die Hindernisse aufgrund von Haftungsfragen und Verkehrssicherung entfernt werden müssten.

Behörden bedauern schlechte Nachricht für Kids

Die Mitarbeiter der Behörden hatten damals schon bedauert, den Kindern die schlechte Nachricht überbringen zu müssen. Somogyi unterstrich dies noch einmal und erinnerte sich in diesem Zusammenhang an seine Kindheit.

„Wir fragten auch nicht immer nach, ob wir etwas dürfen. Und wenn sich Ärger anbahnte, dann musste man eben schnell sein.“ Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, das Ordnungsamt zu informieren: „Das war irgendwie eine andere Zeit.“ Jedenfalls sei es ihm wichtig gewesen, den neun Jungs eine Alternative aufzuzeigen und ihnen zu helfen.

Streetworker Sebastian Habura pflichtete ihm bei: „Eure Kreativität hat uns sehr imponiert, deswegen war sofort klar, dass wir euch unterstützen wollen.“ Schon im April hatte er betont, wie toll es sei, dass Kinder in dieser schwierigen Zeit Eigeninitiative zeigten und sich in der Natur ihre eigene Anlage bauten.

Es sei der Traum jedes Pädagogen, wenn Kinder wüssten, was sie wollten. Und eigentlich hätten sie gerne noch schneller reagiert – aber es habe eben erst einige versicherungstechnische Fragen zu klären gegeben, was bei einer Randsportart nicht so einfach sei.

Die Lösung: Sabine Nitz, Mutter von zwei der jungen Mountainbike-Artisten, pachtet für einen geringen Betrag (der laut Habura in ein Grillfest fließen soll) die freie Fläche in der Haartstraße (Ecke Siemensweg). Diese können die Teenager nach Herzenslust gestalten. Die Wahl sei extra auf ein Grundstück gefallen, erklärte Somogyi lachend und gab sofort zu, dass dies nur alternative Fakten seien. Was jedoch der Wahrheit entspreche: Es handelt sich um einen Bauplatz. Sollte also ein Interessent kommen, der sich dort niederlassen will, müsse für den Trail ein neuer Standort gefunden werden.

Stadtjugendpflege will Biker unterstützen

Habura sagte bereits zu, dass die Stadtjugendpflege die Biker bei der Gestaltung der Fläche unterstützen könne, wenn das gewünscht sei. Etwas Erde lasse sich in jedem Fall problemlos ankarren.

Die Fläche sei gut, erklärten Noah, Bastian, Thorben und Marvin im Namen ihrer stuntbegeisterten Gruppe. Einen Anlaufturm hätten sie bereits konstruiert, sie müssten ihn nur noch in die Haartstraße transportieren. Und dann wollten sie in jedem Fall noch ein paar Rampen aufbauen. Die aus dem Wald seien nicht mehr nutzbar: Sie waren zu tief im Boden verankert und nach dem Abbau nicht mehr wiederverwendbar.

Der Streetworker berichtete noch, dass in Niederklein eine ähnliche Gruppe zu Gange sei, die sich auf einer dankenswerterweise von einem Arzt zur Verfügung gestellten Fläche eine Strecke aufgebaut hätten und sich dort austoben könnten. Vielleicht ließen sich da Anknüpfungspunkte finden und Synergien schaffen. Somogyi appellierte noch an die Jungs, auch andere Kids auf ihre Strecke zu lassen.

Von Florian Lerchbacher