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Ostkreis Bundeswehr mahnt zur Vorsicht
Landkreis Ostkreis Bundeswehr mahnt zur Vorsicht
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13:31 25.10.2020
Auch auf Bundeswehrgelände ist in den vergangenen Wochen, meist abgeschirmt, gerodet worden. Nur einige Bäume mit Nestern stehen dort noch einige Wochen länger. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Aus Sicht der Polizei verlief der gestrige Arbeitstag auf der A-49-Trasse deutlich ruhiger als der vorangegangene Donnerstag. Etwa 20 Personen seien im Sicherheitsbereich für die Baumfällarbeiten angetroffen und von dort entfernt worden, so ein Sprecher des Presseteams für den A-49-Einsatz. Größere Zwischenfälle habe es bis zum Spätnachmittag nicht gegeben. In Homberg demonstrierten etwa 160 Anwohner friedlich gegen den Weiterbau der A 49. „Es war eine wirklich ruhige Lage“, so das vorläufige Fazit der Polizei für den Freitag.

Das Thema Baumfällarbeiten und Protestaktionen berührt natürlich auch die Bundeswehr am heimischen Standort. Ein Teil der A-49-Trasse durch den Herrenwald verläuft auch über Bundeswehrgelände. Dort haben die Forstunternehmen in den vergangenen Wochen immer wieder gearbeitet, meist weitgehend unbehelligt von Weiterbau-Gegnern. Auf den Freiflächen sind einzelne Bäume stehen geblieben, unter anderem wegen Fledermaushöhlen. Diese Bäume fallen zu einem späteren Zeitpunkt, frühestens am 1. November.

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Baufällige alte Bunker

Was der Bundeswehr immer mehr Sorgen bereitet und Arbeit verursacht, sind Spaziergänger und Radfahrer auf den Rodungsflächen und den einzelnen Wegen. Das sei im Moment sehr gefährlich, wie Oberstleutnant Stephan May betont. May ist Kasernenkommandant. Als solcher ist er auch im Tagesgeschäft für die Bundeswehrflächen rund um die beiden Kasernen verantwortlich. „Viele Bäume am Rande der Rodungsflächen sind labil, Äste können jederzeit herausfallen“, sagt May. Das Problem: Immer mehr Spaziergänger sind offenbar neugierig auf das, was auf dem Gelände passiert. Dabei sind die Bundeswehrflächen von jeher militärischer Sicherheitsbereich. Schilder weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Betreten verboten ist. Die Missachtung des Betretungsverbots ist seit Jahren ein Thema für die Bundeswehr, in diesen Wochen läuft das Problem aber aus dem Ruder.

Nicht mehr standsichere Bäume und lose Äste sind nicht die einzige Gefahr, die seit dem Beginn der Baumfällarbeiten auf den Bundeswehrflächen besteht. Nach den bisherigen Fällarbeiten sind auch etliche Hinterlassenschaften aus Zeiten der Sprengstoff- und Munitionsherstellung nicht mehr von Bäumen verdeckt und sichtbar geworden. Gemeint sind alte Gebäude wie Lagerhäuser, Wachen oder auch Sprengstoffbunker. Etliche davon sind baufällig und damit gefährlich. „Wir können nicht alle diese Gebäude sichern und verschließen“, sagt May. Vor allem Jüngere zeigten eine große Begeisterung für die alten Wasag-Gebäude. Etwa 100 gibt es noch auf den Flächen der Bundeswehr.

Auch die Truppe lässt Bäume fällen

Da nicht ausreichend Feldjäger, also Militärpolizisten, am Standort sind, hat die Bundeswehr die Landespolizei gebeten, Kontrollen vorzunehmen. Zumal die Polizei einen Teil der Hessen-Kaserne derzeit wegen des A-49-Einsatzes als Sammel-, Versorgungs- und Lagerstelle nutzt und deshalb ein eigenes Interesse hat, das Gelände zu überwachen. Wenn die Polizei Leute erwische, die sich unbefugt im Gelände aufhielten, sei das mindestens eine Ordnungswidrigkeit, so der Kasernenkommandant. Es bleibe dann nicht bei einer Aufforderung, das Gelände zu verlassen. Derzeit ist es übrigens auch untersagt, die Panzerstraße zwischen Stadtallendorf und Neustadt an Wochenenden als „Radweg“ zu nutzen.

Das frühere Fahrschulgelände der Bundeswehr abseits der A-49-Trasse ist auch weder für Spaziergänge noch Radtouren geeignet. Dorthin hat die Bundeswehr einen wichtigen Teil ihrer regelmäßigen Übungen verlagert, seit der Standortübungsplatz nicht nutzbar ist. Zumindest Übungsmunition ist dort im Einsatz.

Unterdessen hat die Bundeswehr auch selbst Bäume fällen lassen. Auf einer Strecke zwischen dem Offizierscasino in der Artilleriestraße und der Hessen-Kaserne sind rund 400 Quadratmeter Bäume gefallen. Das war notwendig, um an alte Versorgungsleitungen im Boden heranzukommen. Sie führen zur Hessen-Kaserne und müssen ausgetauscht werden.

Von Michael Rinde