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Ostkreis Spielplätze sollen behindertengerecht werden
Landkreis Ostkreis Spielplätze sollen behindertengerecht werden
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21:11 21.12.2020
Das Piratennest in Stadtallendorf ist einer der beliebtesten Spielplätze im Landkreis. Quelle: Foto: Katharina Kaufmann
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Stadtallendorf

Die Spielplätze Stadtallendorfs sollen behindertengerecht beziehungsweise barrierefrei werden. Dies beschlossen die Stadtverordneten, die einem gemeinsamen Antrag von SPD und FDP einstimmig absegneten. Darin heißt es: „Bei Neu-, Um- oder Ausbau von vorhandenen Spielplätzen sind entsprechende Spielgeräte oder Zugänge möglichst barrierefrei und behindertengerecht zu gestalten.“ Die Stadt solle „örtliche Organisationen, Vereine oder Vertreter der Behindertenfürsorge“ in die Erarbeitung entsprechender Vorschläge einbinden und die Investitionskosten ermitteln – und sich um Fördermittel kümmern.

Die beiden Fraktionen betonen, dass Stadtallendorf über zahlreiche Spielplätze verfüge – und insbesondere das Piratennest im Heinz-Lang-Park eine besondere Attraktion für Besucher aus der ganzen Region sei. Dominik Runge (FDP-Fraktion) begründete den Antrag und erklärte dabei, dass Inklusion ein Begriff sei, der sich im Gegensatz zu Integration so verhalte, dass nicht der Einzelne sich der Gesellschaft anpassen müsse, sondern die Gesellschaft viel eher genug Flexibilität zeigen müsse, um sich dem Einzelnen anzupassen und ihn nicht auszuschließen.

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Insbesondere bei Kindern sei es wichtig, dass sie mit anderen spielen, mit ihnen und voneinander lernen, sich dementsprechend sozialisieren und Sozialkompetenzen aufbauen. Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen hätten das Recht, sich wie andere Kinder fühlen zu dürfen und sich als Teil der Gesellschaft zu definieren: „Wir haben hierfür Sorge zu tragen, dass das ohne Hindernisse möglich ist“, so Runge.

Integrierte Kitas oder Schulen seien oft die einzigen Orten, an denen gesunde Kinder und jene mit Behinderung zusammen kommen könnten – dabei seien barrierefreie Spielplätze so wichtig: „An diesen Orten findet Inklusion statt. Das sind Orte der Begegnung“, betonte er und erinnerte daran, wie wichtig es sei, schon in jungen Jahren Stereotypen zu entgehen und Kinder mit Behinderung als gleich zu sehen, „besser noch zu erleben“. Noch dazu seien Spielplätze Orte der Bewegung, des Lernens, der Geschicklichkeit und des freien Spielens beziehungsweise der Kreativität.

Das gemeinsame Spiel fördere Sprache, Integration, Sozialisation und Akzeptanz – und beuge Vorurteilen vor. Entsprechend gelte es, die Infrastruktur anzubieten, um dies zu fördern. Momentan würden die Spielplätze nicht ausreichend Möglichkeiten für Kinder mit Behinderung bieten.

„Behindertengerecht ist menschengerecht“, endete Runge seine Rede mit einem Zitat von Richard von Weizsäcker – und fand mit dem Antrag die volle Zustimmung der Stadtallendorfer Stadtverordneten.

Von Florian Lerchbacher