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Ostkreis 18-Jähriger bringt gleich seine Freunde mit
Landkreis Ostkreis 18-Jähriger bringt gleich seine Freunde mit
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07:58 26.08.2021
Jana Haus verabreicht Eren Kocygit seine Schutzimpfung.
Jana Haus verabreicht Eren Kocygit seine Schutzimpfung. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Er wolle sich und andere mit der Impfung schützen, sagt der 18-jährige Eren Kocygit. Wenige Minuten vorher hatte ihm Jana Haus die Erstimpfung mit Biontech verabreicht. „Ich möchte in Zukunft mit einem guten Gefühl zu Festivals fahren oder auch mal in eine Bar gehen können“, berichtet Kocygit weiter. Viele seiner Freunde seien auch in das Südstadtkiosk gekommen, um die Impfung zu bekommen. Das freue ihn sehr.

Der 18-Jährige ist einer von vielen, die die zweite Sonderimpfaktion in Stadtallendorf gestern bis zum Abend nutzten. Wie viele es am Ende waren, will der Kreis heute in einer Bilanz mitteilen. Nach mehr als zwei Stunden zählte das mobile Impfzentrum bereits 90 Erstimpfungen. „Vor Beginn gab es bereits wieder eine Schlange bis hin zum Kindergarten“, berichtet Anja Kuhberger. Die Gesundheitswissenschaftlerin betreut ein Modellprojekt von Kreis und Stadt Stadtallendorf zur Corona-Prävention. Positiv weiterhin: Auch als die Schlange zu Beginn abgearbeitet war, riss das Interesse an einer Impfung im Südstadtkiosk nicht ab. Das erste Zwischenfazit bis zum frühen Nachmittag: Möglicherweise ist das Interesse dieses Mal noch höher als bei der ersten Aktion. Vorsichtshalber orderte das Impfteam sogar noch Impfstoff nach. Auch hinter dieser zweiten Sonderimpfaktion stehen Kreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt gemeinsam. Was der 18-jährige Eren Kocygit als Motiv für seine Impfung angab, entspricht genau den Zielen, die hinter dieser weiteren Impfaktion in Stadtallendorf stecken. Erstmals setzte die Stadtverwaltung auch Lautsprecherdurchsagen in den Straßen Stadtallendorfs ein. „Das haben wir sehr lange nicht so gemacht, aber es kam offenbar an, wie die Nachfragen im Rathaus und im Südstadtkiosk zeigen“, sagt Reiner Bremer, Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung.

Gestern waren in wechselnder Besetzung bis zu 20 Leute im Südstadtkiosk im Einsatz, darunter 4 Impfärzte. Eine Anwohnerin nutzte die Gelegenheit, um Dr. Fikret Yüzgülen noch vor der Tür zu fragen, ob sie denn auch geimpft werden könne und werden solle. Sie hatte im Frühjahr eine Corona-Infektion. Yüzgülen erklärt ihr, dass das möglich ist und sie gleich kommen könne.

Zwei Impfstoffe waren gestern im Einsatz, der MRNA-Impfstoff von Biontech und der Vektorimpfstoff von Johnson&Johnson. Bei Letzterem, der nur einmal verimpft werden muss, gibt es die Empfehlung der Impfkommission, ihn erst ab dem 60. Lebensjahr einzusetzen. Nach ärztlicher Beratung kann er auch in jüngeren Jahren zum Einsatz kommen. Auch Oliver Lotz, stellvertretender organisatorischer Leiter des Impfzentrums Marburg, ist zufrieden mit dem Anlaufen dieser Sonderaktion. „Es ist sehr wichtig, solche niederschwelligen Angebote zu den Menschen zu bringen, jede Impfung zählt“, sagt er.

Dr. Yüzgülen hat eine Kinderarztpraxis in Stadtallendorf und einen Standort in Kirchhain. Bevor er zur Impfaktion fuhr, hatte er schon 40 Patienten geimpft an diesem Tag. In den vergangenen 8 Wochen waren es bei ihm allein in Stadtallendorf 546 Impfungen.

Von Michael Rinde