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Ostkreis Sirenen gibt es in Kirchhain noch genug
Landkreis Ostkreis Sirenen gibt es in Kirchhain noch genug
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10:00 29.09.2021
Land unter in Kirchhain im Sommer 2018.
Land unter in Kirchhain im Sommer 2018. Quelle: Nadine Weigel
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Kirchhain

In einem Punkt scheint Kirchhain auf Gefahrenlagen vergleichsweise gut vorbereitet: Im Stadtgebiet gibt es noch 16 funktionsfähige Sirenen, drei davon stehen in der Kernstadt bereit. Diese Zahlen nannte die Stadtverwaltung bei einem Sachstandsbericht über den Hochwasserschutz in einer Ausschusssitzung.

Kirchhain hat zumindest mit Starkregenereignissen und den Folgen leidvolle Erfahrungen gesammelt. Im Sommer 2018 traf ein lokales Unwetter die Stadt mit voller Wucht. Zuletzt wurde vor einigen Monaten Betziesdorf Opfer eines Unwetters (die OP berichtete). In der Ausschusssitzung gab Benjamin Beule von der Stadtverwaltung, selbst aktiver Feuerwehrmann, einen Überblick über die Vorkehrungen bei der Stadt. Er sieht die 13 Feuerwehren und das Bauhofteam dabei im Verbund angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit. Beule schilderte die guten Erfahrungen mit örtlichen Einsatzleitungen bei solchen „Großschadenslagen“. Im Jahr 2018 wich die Einsatzleitung in das Rathaus aus, weil das Wasser auch im Stützpunkt stand.

Aktuell liegen bei Feuerwehr und Bauhof bereits 600 gefüllte Sandsäcke parat, 500 können schnell nachgefüllt werden, tausende liegen beim Technischen Hilfswerk an zentraler Stelle für das gesamte Kreisgebiet einsatzbereit, wie Beule berichtete. Kirchhains Feuerwehr verfügt über eine Hochwasserkomponente, also ein besonders bestücktes Fahrzeug, das auch überörtlich zum Einsatz kommt, wenn Flut oder Starkregen droht. Die Feuerwehr habe nach den Erfahrungen von 2018 intensiv nachgearbeitet, so Beule. Zwischenzeitlich sind auch zusätzliche Geräte wie Pumpen und Wassersauger angeschafft worden, auch bei den Stadtteil-Feuerwehren. Am Rande spielte aber auch die Eigenverantwortung der Bürger wieder einmal eine Rolle. Die wenigsten Häuser verfügten über zeitgemäße und ausreichende Sicherungen vor Rückstau von Wasser aus den Kanälen.

Rückstauanlagen fest vorgeschrieben

Satzungsmäßig sind diese Rückstauanlagen allerdings auch in Kirchhain fest vorgeschrieben. Bürgermeister Olaf Hausmann sprach in der Sitzung von Einbaukosten von 3 000 bis 4 000 Euro für derartige Klappensysteme. Eine sogenannte Fließwasserkarte, wie sie das Land den Kommunen anbietet, hat Kirchhain nicht, Neustadt hatte sie seinerzeit als eine der ersten Städte erhalten. Die Karte gibt Auskunft über die Fließrichtungen von Wasser, beispielsweise wenn es Hänge hinabströmt. Bedarf dafür sieht die Kirchhainer Verwaltung nicht. „Wir kennen unsere Schwachstellen“, sagte Fachbereichsleiter Volker Dornseif in der Sitzung. Reiner Nau (Bündnis 90 / Die Grünen) fragte in jener Sitzung nach der Situation am Hochwasserschutzdamm bei Niederwald. Hausmann bestätigte eine seit 2012/2013 bekannte Schwachstelle, die sich aber erst bei einem Hochwasser bemerkbar mache, wie es statistisch alle 10 000 Jahre vorkomme. In einer Ortsbeiratssitzung in Niederwald hatte Hausmann von einem zehn bis 15 Meter langen Stück berichtet, das südlich von Niederwald liegt. Dort gebe es Schwachstellen am Dammfuß. Ausdrücklich betonte Hausmann, dass der Deich standsicher sei. Die Stadt suche mit dem Regierungspräsidium nach der besten Sanierungsmöglichkeit. Man habe der Behörde Varianten vorgestellt. Auf Antwort warte die Stadt seit zwei Jahren. „Wir sind aber sicher, dass wir das jetzt schnell abarbeiten können“, so Olaf Hausmann.

Von Michael Rinde