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Ostkreis „Strich auf dem C – alles ist ok“
Landkreis Ostkreis „Strich auf dem C – alles ist ok“
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19:00 25.04.2021
Artin (8) zeigt seinen negativen Selbsttest.
Artin (8) zeigt seinen negativen Selbsttest. Quelle: Nadine Weigel
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Amöneburg

Dilara weiß, wie’s funktioniert. Die Müdigkeit um kurz nach 8 Uhr am Donnerstagmorgen ist plötzlich wie verflogen. Die Siebenjährige ist Feuer und Flamme, als sie Schritt für Schritt erklärt, was auf sie und ihre Klassenkameradinnen und Kameraden gleich zukommen wird: Der Corona-Selbsttest. Der ist für die Kinder an der Grundschule Amöneburg Voraussetzung, um die Notbetreuung der Schule in Anspruch zu nehmen. Seitdem die Inzidenz im Landkreis Marburg-Biedenkopf mehrere Tage über 200 lag, gilt wieder die Regelung des Distanzunterrichts. Und so sind es an diesem Morgen lediglich fünf Kinder, die weit verteilt im Klassenraum sitzen.

Das offene Fenster lässt frische Luft und erste Sonnenstrahlen herein. Nach der fröhlichen Begrüßung, einer kleinen Aufwärmübung, um die Konzentration zu fördern und einer Runde Händewaschen verteilt Lehrerin und Schulleiterin Christine Ehrlich die Antigen-Schnelltests. Für Sophie ist es der erste Test, sie schaut ein bisschen unsicher unter ihrer Maske hervor. Aber Freundin Dilara beruhigt. „Das ist nicht schlimm, ich hab das schon öfter gemacht, meine Mama hat ja einen Pflegedienst“, erklärt die Siebenjährige stolz und holt das Stäbchen aus der Verpackung. Die anderen machen es ihr nach. Unter der ruhigen Anleitung von Frau Ehrlich stecken sich dann alle die Stäbchen in die Nasenlöcher und drehen dieses fünf Mal in jedem Nasenloch. Anders als bei Antigen-Tests, die zum Beispiel in DRK-Testzentren von Profis gemacht werden, müssen bei dem Selbsttest die Stäbchen nur circa zwei Zentimeter tief ins Nasenloch gesteckt werden. Ist also ein bisschen so wie Popeln, nur mit Stäbchen statt mit Finger, um es mal kindgerecht auszudrücken.

„Wuah, das kitzelt“, sagt Oliver (6 Jahre) und erntet Zustimmung von Artin (8 Jahre): „Ja, das kitzelt und ist ein echt komisches Gefühl, aber schlimm ist es nicht“, meint Artin. Sophie muss lachen, ihre Augen tränen ein bisschen, so sehr kitzelt es sie. Hochkonzentriert wie kleine, eifrige Forscher absolvieren die Kinder auch das weitere Prozedere: Sie stecken die benutzten Stäbchen in ein Röhrchen mit Flüssigkeit und rühren eifrig. Nach einer Minute drücken sie den Tupfer aus und träufeln dann die Flüssigkeit vorsichtig auf den Teststreifen. „Eins, zwei, drei, vier Tropfen“, zählt Oliver mit. Dann heißt es 15 Minuten warten. Frau Ehrlich zieht die Eieruhr an der Tafel auf und lobt ihre Schüler. „Es klappt wirklich prima mit den Kindern, die Tests lassen sich gut auch mit den Kleinen durchführen“, resümiert sie nach dem zweiten Selbsttest an ihrer Schule. Auch in den Klassen ihrer Kolleginnen habe alles gut geklappt. „Die Tests geben uns doch etwas mehr Sicherheit im Alltag“, sagt die 63-Jährige.

Sie hofft, dass durch die Tests in den kommenden Wochen und Monaten die Schule wieder mehr geöffnet werden kann. „Wenn die Inzidenz runter geht, ist es mir wichtig, dass wir bald wieder alle Kinder in der Schule haben können“, betont sie. Denn Schule sei gerade in diesen Zeiten immens wichtig für die Kinder. „Ich sehe, wie sehr sie sich freuen hier zu sein, ihre Freunde zu treffen und zu lernen. Schule gibt ihnen ein Stück Normalität zurück“, weiß die Pädagogin. Auch wenn zur neuen Schul-Normalität Tests und Masken gehörten. Letztere finden die Kinder ziemlich blöd. „Es nervt, dass wir die jetzt auch draußen anhaben müssen und dass wir immer Abstand voneinander halten müssen“, findet Artin. Der Achtjährige und seine Freunde wissen aber, was der Grund für die neuen Verhaltensregeln ist, die auf Plakaten und bunten Bildern im Klassenzimmer verteilt hängen. „Da ist das Coronavirus dran schuld. Das ist am allerblödesten.“

Mittlerweile sind die 15 Minuten um. Die Eieruhr an der Tafel klingelt und erinnert daran, die Corona-Tests auf ihre Ergebnisse zu überprüfen. „Ich habe einen Strich auf dem C und das bedeutet, dass ich negativ bin“, erklärt Dilara. Und die anderen zeigen im Chor, wie man das auch ausdrücken könnte: „Strich auf dem C – und alles ist ok.“

Von Nadine Weigel

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