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Ostkreis „Siedlung“ soll wachsen
Landkreis Ostkreis „Siedlung“ soll wachsen
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12:58 28.03.2021
Es bleibt dabei: Bracht-Siedlung soll das Neubaugebiet bekommen.
Es bleibt dabei: Bracht-Siedlung soll das Neubaugebiet bekommen. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Bracht

Emotionale 80 Minuten verlebten die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft und Bauwesen, Bürgermeister Michael Emmerich und rund 25 Zuschauer der Sitzung, die sich um lediglich eine Frage drehte: Wo kommt das neue Baugebiet hin – nach Bracht oder nach Bracht-Siedlung?

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte sich der Ortsbeirat mit dem Thema auseinandergesetzt – und laut Mitgliedern des Gremiums dem Rathauschef die Bitte mit auf den Weg gegeben, drei mögliche Flächen zu prüfen. Der Bürgermeister hatte jedoch (ebenso wie der aus Bracht stammende Ausschussvorsitzende Hermann Koch) während der Sitzung den Eindruck gewonnen, dass die Ortsbeiratsmitglieder eine Fläche in Bracht-Siedlung bevorzugen würden. Als er dann von Behördenseite grünes Licht bekam, freute er sich, überraschend schnell eine Lösung vorlegen zu können und schrieb eine entsprechende Magistratsvorlage. Beim Ortsbeirat sorgte dies jedoch für Verdruss.

Die Gremiumsmitglieder teilten mit, sie hätten auf Prüfung aller Flächen gehofft, um dann nach einem Dialog über Vor- und Nachteile sich für eine Fläche zu entscheiden. Das angedachte Gebiet „Am Bahndamm“ in Bracht-Siedlung sei mit 18 000 Quadratmetern „sehr groß im Verhältnis zur Fläche und Einwohnerzahl von Bracht-Siedlung“ – was dazu führe, dass ansonsten in Bracht auf Jahre hinweg kein Baugebiet ausgewiesen werde. Perspektivisch wäre „die Fläche oberhalb des Feuerwehrhauses durch die Nähe zur Kindertagesstätte und der Grundschule ein sehr familienfreundliches Angebot“.

Eine Priorisierung habe es nicht gegeben, sagte nun der FBL-Stadtverordnete Andreas Weichsel, der zudem stellvertretender Ortsvorsteher von Bracht ist, und ergänzte, es sei enttäuschend, dass nur eine Fläche geprüft wurde. Es dauerte allerdings einige Zeit, bis die Diskussion im Ausschuss wirklich sachlich wurde. Zwischenzeitlich gab es unter anderem den Vorwurf in Richtung des Ortsbeirates, dass Bracht und Bracht-Siedlung nicht als eine Einheit gesehen würden und alte Gräben wieder ausgehoben würden. Es werde so dargestellt, als gäbe es eine Wand zwischen den beiden Gebieten, ärgerte sich eine Zuschauerin – was eine andere Besucherin zum Ausruf verleitete, dass es diese tatsächlich gebe.

„Offener Brief“ ist Reizthema

Ein weiteres Reizthema war ein sogenannter „offener Brief“, der zwar unter anderem an die Stadtverordneten adressiert war, aber lange nicht alle erreicht hatte. Ein Argument darin lautete, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto aus der Siedlung nach Bracht in Kita oder Schule fahren müssten.

Als es dann um die Fakten ging, erklärte Emmerich, warum ein Neubaugebiet in Bracht-Siedlung sinnvoller sei. Unter anderem, weil ein Großteil der Fläche schon seit mehr als 20 Jahren als potenzielles Baugebiet ausgewiesen sei und das weitere Verfahren sehr schnell gehen würde, bereits eine Straßenführung bestehe, es keinerlei Hanglagen gebe und die Ausrichtung nach Südwesten optimal für erneuerbare Energien sei. In der Schönstädter Straße indes sei die Zufahrt extrem schmal und der Kanal schon jetzt überlastet.

Und auch die Entsorgung von Oberflächenwasser würde einige Kosten verursachen. Entsprechend wäre dies die teurere und länger dauernde Variante. Sein Vorschlag: Bracht-Siedlung entwickeln – und die angedachte Fläche in Bracht selber für eine zukünftige Baugebiets-Ausweisung auf den Weg bringen. Dabei widmete er sich auch dem Thema Kita und Schule. Bei Kitas hätten Eltern ohnehin die freie Wahl – die Einrichtung in Bracht sei jedoch qualitativ so hochwertig, dass er es sich kaum vorstellen könne, dass Eltern auf einen Platz dort verzichten. Egal, ob sie nun in Bracht an sich oder in Bracht-Siedlung wohnen.

Und bei der Grundschule gebe es die Wahl zwischen der Einrichtung in Bracht (die vor Jahren kurz vor der Schließung stand) und jener in Rauschenberg. Letztere sei aber voll belegt, sodass Bracht nicht nur dringend benötigt werde, sondern alle froh sein könnten, dass es die Einrichtung noch gibt.

Weichsel monierte noch, dass er – entgegen dem Bürgermeister – nicht der Auffassung sei, dass die große Zahl an Bauplätzen in Bracht-Siedlung in wenigen Jahren vergriffen seien. Er erkundigte sich noch nach Altlasten. Davon gebe es keine, antwortete Emmerich und erklärte, dass die obligatorische Suche nach Munitionsresten unumgänglich sei. Die Kosten dafür seien aber überschaubar. Der Bürgermeister erwähnte noch, dass es in Bracht einige private Baugrundstücke gebe – es könnten also, so die Eigentümer verkaufsbereit sind, nicht nur in der Siedlung Neubürger gewonnen werden. Entsprechend regten Dagmar Althainz und Thorsten Thamke noch an, ein Kataster auf den Weg zu bringen, das mögliche Bauflächen aufzeigt.

Die Mitglieder des Ausschusses empfahlen der Stadtverordnetenversammlung letztendlich, das Baugebiet in Bracht-Siedlung abzusegnen: Vier Mitglieder sprachen sich dafür aus, zwei enthielten sich der Stimme, nur Weichsel war dagegen.

Von Florian Lerchbacher