Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Sieben Tunnel für Kröten
Landkreis Ostkreis Sieben Tunnel für Kröten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 30.08.2020
Monika Fett (von links), Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit, Projektleiterin Hiltrud Runde, Dirk Wind (Firma Rohde), Marcus Schwarz (Hessen Mobil, zuständig für bauliche Fragen), Eugen Reichwein (Hessen Mobil, Regionalbevollmächtigter Westhessen) und Harald Homberger stellten das Projekt gemeinsam vor. 
Monika Fett (von links), Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit, Projektleiterin Hiltrud Runde, Dirk Wind (Firma Rohde), Marcus Schwarz (Hessen Mobil, zuständig für bauliche Fragen), Eugen Reichwein (Hessen Mobil, Regionalbevollmächtigter Westhessen) und Harald Homberger stellten das Projekt gemeinsam vor.  Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Wohratal

Die Zeit des Kröten-Schleppens ist für die Familie Homberger vorbei – und die Leidenszeit von einigen Autofahrern auch, denn eine Straßensperrung wird aufgehoben. Hessen Mobil hat in den vergangenen vier Wochen nämlich nicht nur die Fahrbahndecke der Landesstraße 3073 zwischen Wohra und Gemünden auf einer Strecke von rund 300 Metern erneuert und die Bankette befestigt, sondern auch noch etwas für den Schutz von Amphibien getan: Unter der Straße führen nun sieben Tunnel von der Aue zu den Heimbachteichen. Und damit die Kröten und Frösche diese Tunnel auch finden und nicht wieder auf die Straße hüpfen wie früher, gibt es auch noch eine Art Leitsystem, das sie zu diesen Durchlässen führt.

26 Jahre lang hatte sich Harald Homberger, der Vorsitzende des BUND Wohratal, um die Sicherheit der Amphibien gekümmert. Im Frühjahr stellte er – zunächst gemeinsam mit Vereinsmitstreitern, am Ende nur noch mit Unterstützung seiner Familie – einen Schutzzaun an der Strecke auf und vergrub zahlreiche Eimer. Jeden Morgen hieß es dann, die Eimer, in die mal mehr mal weniger Frösche oder Kröten geplumpst waren, auf die andere Straßenseite zu bringen und den Amphibien so das Laichen in den Heimbachteichen zu ermöglichen: pro Saison rettete er so zwischen 400 und 1 000 Leben, über die Jahre hinweg grob geschätzt rund 20 000.

Doch nun brauchen ihn die Amphibien nicht mehr, was ihn zum einen glücklich macht, aber auch etwas melancholisch stimmt. Schließlich habe er beispielsweise seine vier Kinder involviert und so eben auch erfolgreich umweltpädagogische Aspekte in die Erziehung einfließen lassen können. Und irgendwie sei es auch schön gewesen, dass die meisten Menschen sein Engagement wertgeschätzt und ab und zu auch spontan geholfen hätten: „Das bestätigt einen in der Arbeit“, sagte er und bekam von Monika Fett von der Unteren Naturschutzbehörde ein dickes Lob: „Man kann seinen Einsatz nicht hoch genug loben. Ohne Menschen wie Harald Homberger ist Naturschutz vor Ort fast unmöglich.“

Wer sich engagiert, ist natürlich auch sichtbar. Und so sei er während der Arbeiten mehrfach gefragt worden, wann „seine“ Baustelle denn nun endlich fertig sei, berichtet Homberger. Dabei handelte es sich natürlich um ein Projekt von Hessen Mobil, das 215 000 Euro aus Landesmitteln investierte – Geld, das aus dem Amphibienschutzprogramm stammt, das wiederum Teil des Koalitionsvertrages in Hessen ist. Aber irgendwie ist es doch auch Hombergers Baustelle, denn er hatte immerhin zwei Anträge auf Umsetzung des Projektes gestellt – und in Fett eine Unterstützerin gefunden, die Hessen Mobil noch einmal auf das Anliegen aufmerksam gemacht hatte.

Homberger muss künftig also keine Kröten und Frösche mehr über die Straße tragen. Die Amphibien werde er aber dennoch nicht aus den Augen verlieren. So wie er sich regelmäßig ein Bild vom Fortgang der Bauarbeiten gemacht habe, werde er natürlich auch beobachten, wie die Amphibien das Leitsystem und die mit natürlichen Substraten ausgelegten Tunnel annehmen werden. Für die Kröten und Frösche heißt es nun: Selber hüpfen, statt sich tragen lassen.

Von Florian Lerchbacher

29.08.2020
28.08.2020