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Ostkreis Senioren protestieren im Sicherheitsbereich
Landkreis Ostkreis Senioren protestieren im Sicherheitsbereich
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21:10 30.11.2020
Auch am bisher kältesten Tag bei morgens minus 8 Grad wurde im Dannenröder Forst protestiert, geräumt und gerodet. Diese Gruppe Ü60-Ausbaugegner zeigte sich solidarisch mit den Baumbesetzern.
Auch am bisher kältesten Tag bei morgens minus 8 Grad wurde im Dannenröder Forst protestiert, geräumt und gerodet. Diese Gruppe Ü60-Ausbaugegner zeigte sich solidarisch mit den Baumbesetzern. Quelle: Nadine Weigel
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Dannenrod

Auch Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt schreckten die „Ü 60“-Autobahngegner am Montag (30. November) in den Morgenstunden nicht ab. Sie trafen sich in weißen Overalls im Dannenröder Wald zu einer Menschenkette am Waldrand. „Wir wollen die jungen Leute nicht alleine lassen bei ihrem Widerstand, wir alle müssen diesen Wald schützen“, sagte einer der betagteren Aktivisten gegenüber der OP. Am Ende wurden einige von den Polizeibeamten weggetragen, da sie sich – so die Polizei auf Nachfrage – im Sicherheitsbereich der Rodung aufhielten; nach Zeugenberichten kam es zu Rangeleien.

Im Nachhinein sprachen einige der Frauen und Männer allerdings von „unverhältnismäßiger Gewalt der Polizei“. Der 70 Jahre alte Helmut Weick kritisierte einen „sehr groben Umgang“. Als er sich geweigert habe, den Rodungsbereich zu verlassen, habe man ihn „sehr unsanft“ weggetragen. „Ich behalte sicher einen blauen Fleck von dieser Behandlung“, so der Mann.

Zu dem Protest der Senioren kam später noch eine Demonstration von „Parents for Future“ mit, so schätzt die Polizei, etwa 30 Teilnehmern. Die Kundgebung blieb friedlich.

Bekennerschreiben nach Bagger-Brand

Ansonsten ging es am Montag, am nunmehr 21. Einsatztag der Polizei im Dannenröder Wald, um das Tagesgeschäft. Im Zentrum stand wieder ein Baumhaus-Camp, dieses Mal noch einmal das mit dem Namen „Morgen“ im eher südlichen Teil des Forstes.

Es ging um Baumhaus-Räumungen per Hebebühne und mit Höhenrettern von Spezialeinsatzkommandos der Polizei. Ein Autobahngegner bespuckte dabei Polizeibeamte. „Solch ein Verhalten ist auch ohne ein Pandemiegeschehen mehr als unangenehm“, kommentierte die Polizei auf Twitter. Der Person wurden, nachdem sie von dem Baum geholt wurde, Handfesseln angelegt und sie wurde aus dem Wald getragen.

Von einem Baumhaus herunter wurde Flüssigkeit auf einen heraufkletternden SEK-Beamten geschüttet. Später berichtete die Polizei, es habe sich dabei wohl um Urin gehandelt. Auch andere Gegenstände wurden in Richtung der Polizei geworfen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Auch im nördlichen Teil hatte die Polizei wieder einiges zu tun.

Ausbaugegner hatten in enormer Höhe einen sogenannten „Skypod“ gebaut – einen Mast, der an einem Baum angebracht war. Nur mit Hilfe zweier übermäßig hoher Kranwagen gelang es dem Höheninterventionsteam, mehrere Baumbesetzer aus ihrem schwindelerregenden Ausguck zu holen.

Unterdessen laufen die Baumfällarbeiten immer dort, wo sie möglich und von der Polizei freigegeben sind, weiter, stets auf kleineren Flächen, die sich dann zu einem größeren Areal zusammenfügen. Unter dem Strich geht es um 27 Hektar Wald unterschiedlichen Alters, etwa 3 Prozent des Baumbestandes im Dannenröder Forst, so frühere Angaben. Verantwortlich ist die Projektgesellschaft Deges, die die Bauvorbereitungen verantwortet. Einen offiziell bekanntgewordenen Zeitplan für den Abschluss der Baumfällarbeiten gibt es bisher nicht. Der theoretisch letztmögliche Schlusstermin ist der 28. Februar, dann endet die Rodungssaison bundesweit. „Wir haben inzwischen zwei Drittel der Gesamtfläche geschafft“, erklärte Deges-Sprecher Michael Zarth auf Nachfrage der OP.

In der Nacht zu Sonntag brannte im Steinbruch Nieder-Ofleiden ein Bagger. Die Schadenshöhe ist unklar. Es besteht nach wie vor der Verdacht der Brandstiftung, wie ein Sprecher der Polizei gegenüber der OP erläuterte. Zu diesem Brand existiert eine Art Bekennerschreiben auf der als linksextrem eingestuften Internetseite de.indymedia.org. Die Polizei will einen Zusammenhang zwischen der Tat und dieser Veröffentlichung im Netz nicht ausschließen. Dort schreiben Unbekannte von einem „Besuch zum ersten Advent“ und bringen den Steinbruch mit dem Weiterbau der Autobahn in Verbindung, weil von dort Kies für die Schotterung nach Dannenrod gebracht werde. Die Verfasser kündigten weitere Straftaten an. Unbekannte hatten in der vergangenen Woche schon die Asphaltiermaschine eines Straßenbauunternehmens in Bad Hersfeld in Brand gesteckt.

von Nadine Weigel und Michael Rinde