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Ostkreis Ein Ort fordert eine Ampel
Landkreis Ostkreis Ein Ort fordert eine Ampel
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14:54 28.09.2021
Rund die Hälfte aller Schweinsberger unterzeichnete in den Sommerferien die Forderung nach einer Fußgängerampel für die Landesstraße. Die Listen haben Thomas Fleischhauer (von links), Reinhard Estor und Thomas Ziegler inzwischen dem Magistrat übergeben.
Rund die Hälfte aller Schweinsberger unterzeichnete in den Sommerferien die Forderung nach einer Fußgängerampel für die Landesstraße. Die Listen haben Thomas Fleischhauer (von links), Reinhard Estor und Thomas Ziegler inzwischen dem Magistrat übergeben. Quelle: Florian Lerchbacher
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Schweinsberg

„Bevor noch ein Unglück passiert, muss etwas passieren“, sagt Ortsvorsteher Reinhard Estor und spricht mindestens 500 Schweinsbergern aus dem Herzen. Schon seit vielen Jahren bemüht sich der Ortsbeirat darum, dass auf der Landesstraße 3073 eine Querungshilfe in Form einer „schlafenden Ampel“ eingerichtet wird – also ganz so wie im weiteren Verlauf der Straße in Nieder- und Ober-Ofleiden sowie in Homberg. „Aber es passiert nichts“, ärgert sich der Ortsvorsteher und übt harte Kritik an Hessen Mobil: Die für Straßen- und Verkehrsmanagement zuständige Verwaltungsbehörde des Landes Hessen behaupte, der Verkehr gebe eine solche Anlage nicht her – das hätten entsprechende Zählungen bewiesen:

Aber wenn an Brückentagen oder in den Ferien solche Verkehrserhebungen gemacht würden, dann sei das einfach nicht repräsentativ. Im Schnitt würden pro Stunde 600 Fahrzeuge die Landesstraße nutzen, berichtet Estor und verweist auf eigene Zählungen, die durch eine vom Verein „Unser Schweinsberg“ mit Unterstützung der Stadt gekaufte und am Ortseingang aufgehängte Geschwindigkeitsmesstafel möglich geworden seien (ein Verkehrsteilnehmer heizte übrigens mit 160 Stundenkilometern an der Anlage vorbei).

Und da sei der zusätzliche Schwerlastverkehr, der durch den Bau der A 49 in der Region entstanden ist, noch nicht einmal enthalten. „Wir brauchen unbedingt eine schlafende Ampel“, betont der Ortsvorsteher und verweist darauf, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung Schweinsbergs östlich der Landesstraße lebe, das dortige Neubaugebiet stetig wachse und zahlreiche Kinder dort wohnten. Und diese müssen, um zur Schule zu gelangen, eben jene Hauptverkehrsstraße überqueren. Hinzu kommt, dass es inzwischen an der Einmündung des Tulpenweges auch noch eine Pizzeria und eine Eisdiele gibt, die für zusätzlichen Fußgängerverkehr sorgt, der sich über die Straße quälen muss.

„Kreisverkehr keine sichere Alternative“

Am Kreisverkehr die Straße zu überqueren, sei auch keine sichere Alternative, wirft Thomas Ziegler ein: Zwar müssten Autos, die aus dem Kreisel herausfahren, Fußgänger die Straße passieren lassen, „aber die wenigsten kennen diese Regel – und außerdem ist man ja dann erst auf halber Strecke, denn beim Einfahren gilt diese Regel ja nicht“, so das Ortsbeiratsmitglied.

„Das Thema beschäftigt uns seit Jahren“, moniert Estor, der nun auch noch ein Dokument ausgegraben hat, das für ein ganz besonderes Geschmäckle sorgt: „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens des Neubaugebietes hat das Hessische Straßenbauamt – dessen Rechtsnachfolger Hessen Mobil ist – der Stadt Stadtallendorf die Auflage gemacht, eine Querungshilfe auf der Landesstraße einzurichten.“ Eine Vorgabe, die nie erfüllt wurde und bei einer Landesstraße ohnehin im Aufgabenbereich des Landes liege. Hessen Mobil weigere sich also quasi, die eigene Auflage zu erfüllen.

Im Juli und August haben sich die Mitglieder des Schweinsberger Ortsbeirates nun daran gemacht, Unterschriften im Ort zu sammeln in der Hoffnung, dass die „schlafende Ampel“ nun doch endlich genehmigt und eingerichtet wird. Diese von 489 Menschen unterzeichneten Listen hat das Gremium an die Stadt übergeben, damit der Magistrat den Stadtverordneten das Thema vorstellt, die es unterstützen sollen.

Und dann hat der Ortsbeirat noch Mittel für den Haushalt 2022 angemeldet, damit guter Wille gezeigt und finanzielle Unterstützung des Projektes angeboten werden können, so Estor. „An keiner Haustür wurden wir abgewiesen. Überall, wo wir jemanden antrafen, bekamen wir Unterschriften für unsere Liste“, fügt sein Stellvertreter Thomas Fleischhauer hinzu und betont, dass auch der Elternbeirat der Grundschule den Ortsbeirat und den Wunsch nach einer Ampel auf der Landesstraße auf Höhe des Tulpenweges unterstützt. „Sie ist zwingend notwendig zur Abwehr von Gefahren“, resümiert Estor.

Von Florian Lerchbacher