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Ostkreis Eine Schornsteinfeger-Ära endet
Landkreis Ostkreis Eine Schornsteinfeger-Ära endet
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19:50 03.12.2020
Karl-Heinz Metke (Mitte) war seit 1993 bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger im Bezirk MR 26, zu dem Teile von Cölbe und Kirchhain gehören. Sein Nachfolger ist Jens Stenner (rechts). Schornsteinfeger-Meister Henrik Balzer (links) wird weiterhin im Bezirk mitarbeiten. 
Karl-Heinz Metke (Mitte) war seit 1993 bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger im Bezirk MR 26, zu dem Teile von Cölbe und Kirchhain gehören. Sein Nachfolger ist Jens Stenner (rechts). Schornsteinfeger-Meister Henrik Balzer (links) wird weiterhin im Bezirk mitarbeiten.  Quelle: Stefan Dietrich
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Kirchhain

Im Kehrbezirk MR 26 kennt ihn wohl jeder, der eine Heizung oder einen Kamin hat: Karl-Heinz Metke ist seit 1993 bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für Teile der Stadt Kirchhain, der Gemeinde Cölbe und der Stadt Rauschenberg. „Wir genießen schon ein großes Vertrauen, es gibt etliche Häuser, wo wir den Schlüssel bekommen“, berichtet er. Nun endet in seinem Kehrbezirk eine Ära: Nach 27 Jahren als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger und fast 50 Jahren im Beruf geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Neuer Bezirksschornsteinfeger ist seit 1. Dezember Jens Stenner. Schornsteinfeger-Meister Henrik Balzer, der bisher Mitarbeiter von Metke war, bleibt im Kehrbezirk als Angestellter von Stenner. „Ich bin froh, dass ich ihn übernehmen kann“, sagt Stenner.

Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger erledigen in ihrem Bezirk hoheitliche Aufgaben. Wer zum Beispiel eine neue Heizung einbaut, muss diese vom Bezirksschornsteinfeger abnehmen lassen. Hinzu kommt die so genannte Feuerstättenschau: Öfen und Heizungen müssen regelmäßig überprüft werden. Für andere Tätigkeiten wie das Kehren des Schornsteins und das Messen der Heizungs-Abgase kann man seit 2013 auch andere Schornsteinfeger beauftragen. Aber: „98 Prozent sind bei uns geblieben“, sagt Metke. „Denn wir gehen von Haus zu Haus. Jemand anderes müsste von Marburg nach sonstwo fahren, um einen Schornstein zu kehren.“

Im Beruf hat sich vieles verändert

Metke war elf Jahre lang Obmann der Kreisgruppe der Schornsteinfeger und hat während seiner Tätigkeit als Bezirksschornsteinfeger zwei Lehrlinge ausgebildet. Seit er 1971 seine Lehre begann, hat sich vieles in seinem Beruf verändert. „Es ist so, als wenn man ein Auto von vor 40 Jahren mit einem heutigen Auto vergleicht“, sagt er. „Damals haben wir noch jeden Schornstein fünfmal im Jahr gekehrt.“ 1974 kam die Immissionsmessung hinzu, ab 1988 gab es elektronische Messgeräte, heute übertragen moderne Messgeräte die Daten direkt ins Internet. Zudem sind viele Schornsteinfeger heute als Energie-Berater tätig – und sie überprüfen auch Rauchmelder. „Der schwarze Anzug und die goldenen Knöpfe sind geblieben, sonst nicht viel“, sagt Metke über seinen Beruf.

1978 legte Metke die Meisterprüfung ab, seine erste Stelle als Bezirksschornsteinfeger trat er 1992 in Kassel an. Denn damals kamen Bewerber auf eine Warteliste, und wer ganz oben auf der Liste stand, bekam den nächsten freien Kehrbezirk irgendwo in Nordhessen. Von dort konnte man dann eine Versetzung beantragen. Metke, der aus Langendorf kommt, im Dorf gut vernetzt ist und im Gesangverein singt, durfte schon nach etwas mehr als einem Jahr in seine Heimat wechseln. „Wir haben nur glückliche Schornsteinfeger, wenn sie die eigenen Kirchturmglocken läuten hören“, habe der damalige Obermeister gesagt. Damals galt nämlich auch noch eine Residenzpflicht, der Bezirksschornsteinfeger musste also in unmittelbarer Nähe seines Bezirks wohnen.

„Aufs Dach zu gehen macht mir noch nichts aus“

Für seinen Nachfolger Stenner gilt die Residenzpflicht zwar nicht, der 40-Jährige lebt aber auch in der Umgebung, nämlich in Gemünden. Nach heutigem Recht musste er sich um den ausgeschriebenen Bezirk bewerben, für den er nun zunächst sieben Jahre zuständig ist. Aus Gemünden, wo er angestellter Schornsteinfeger war, geht Stenner „mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn wenn man lange in einem Kehrbezirk ist, hat man ein gutes Verhältnis zu den Menschen dort.“

Metke kann im Dezember noch Mess- und Kehrtätigkeiten erledigen, die hoheitlichen Aufgaben sind aber auf Stenner übergegangen. Wenn Metke noch sieben Monate länger gearbeitet hätte, wären 50 Jahre Berufstätigkeit voll gewesen. Doch auf das Jubiläum verzichtet er. „Aufs Dach zu gehen macht mir noch nichts aus“, sagt er. „Aber die Anforderungen werden stetig höher.“

Von Stefan Dietrich

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