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Ostkreis Schnelles Internet macht Schule
Landkreis Ostkreis Schnelles Internet macht Schule
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15:58 23.01.2020
Schüler der iPad-Klasse des Jahrgangs R7 zeigen, wie sich iPads sinnvoll im Unterricht einsetzen lassen.Foto: Florian Lerchbacher
Schüler der iPad-Klasse des Jahrgangs R7 zeigen, wie sich iPads sinnvoll im Unterricht einsetzen lassen. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Ihre Finger fliegen über den Bildschirm eines iPads, im Nu haben Schüler aus der Jahrgangsstufe R7 mehrere Fragen zur deutschen Grammatik beantwortet, die Lehrerin Kirsten Drenkelfuß ihnen stellte. Und Spaß macht‘s auch noch, denn die Fragen kommen über die App Kahoo als Quiz getarnt daher. Diese Art der Leistungsabfrage motiviere die Schüler, erklärt die Deutschlehrerin.

Sie würden aufpassen und genau zuhören, schließlich hätten sie das Ziel, zu gewinnen. Und den Lehrern gebe die Auswertung des Quiz‘ einen guten Überblick über den Wissensstand der einzelnen Schüler der sogenannten iPad-Klasse und zeige, wo noch Handlungsbedarf sei.

Dies ist nur eine Form, in der moderne Technik den Unterricht bereichert. Und selbige ist dank einer Neuerung nun auch effektiver einsetzbar – zumindest an bisher 18 Schulen: Der Landkreis will seine 75 Schulen mit schnellem Internet über einen Glasfaseranschluss versorgen – und außerdem noch 500 Gewerbestandorte, die Medienzentren in Biedenkopf und Kirchhain, vier Großsporthallen sowie 6 000 Haushalte, die „noch unterversorgt sind“, wie Landrätin Kirsten Fründt erklärt.

Aus diesem Grund verlegt der Landkreis in Zusammenarbeit mit der Breitband GmbH und der Deutschen Telekom rund 150 Kilometer Glasfaser und errichtet 75 Netzverteiler. In den Gebäuden stehen dann noch einige Umbauten an, schließlich sei vorgesehen, in jedem Klassenraum in Marburg-Biedenkopf WLAN anzubieten, erläutert Schuldezernent Marian Zachow und ergänzt: „So einfach ist das bei Altbauten nicht, da sind noch einige Arbeiten notwendig.“

Neue Technik macht 
den Unterricht variabler

Schnelles Internet an Schulen sei aus einigen Gründen sinnvoll, betonen Amanda Chisnell (Leiterin) und Björn Wagner (pädagogischer Leiter) von der Georg-Büchner-Schule. Tablets und iPads würden es sowohl Schülern als auch Lehrern ersparen, diverse Materialien durch die Gegend zu schleppen: von Büchern über Arbeitsblätter bis hin zu CD-Spielern oder Overhead-Projektoren.

„Die Schüler werden weiterhin mit Büchern umgehen. Das ist ein Kulturgut, das wir nicht rausschmeißen“, betont Chisnell, während Wagner herausstellt, dass Schüler auch weiterhin mit der Hand schreiben würden – elektronische Geräte lediglich Hilfsmittel seien, die den Austausch von Daten erleichtern.

Die Schüler müssten zum Beispiel Arbeitsblätter beackern, diese dann abfotografieren und ihrem Lehrer zusenden, der direkt am Gerät die Korrekturen einpflegen und dem Schüler – und auch den Eltern – direkt Feedback geben kann.

Als weiteres Beispiel zieht er ein E-Lernbook hervor – das sich wie ein normales Buch lesen lässt, aber eben auch den Vorteil hat, dass sich darin Filme abspielen lassen. Dies sei hervorragend, wenn es beispielsweise um ein Land gehe, aus dem man auch Impressionen vermitteln wolle, erläutert er und spielt einen Text ab, der vor einem „native Speaker“ vorgelesen wird und somit auch einen Eindruck vom originalen Klang der Sprache gibt.

Filme ließen sich auch über die bisherige Internetverbindung der Schule abspielen, allerdings nicht immer ruckelfrei und auch nur dann, wenn nicht allzu viele User gleichzeitig aufs Internet zugriffen. „Ein Breitbandanschluss bedeutet, dass man als Lehrkraft bei der Planung nicht mehr bangen muss, ob denn alles tatsächlich funktionieren wird“, so Chisnell, die sich freut, dass das schnellere Internet Schülern und Lehrern die Möglichkeit biete, den Unterricht noch individueller zu gestalten. Alleine das Aufrufen eines Quiz‘ habe früher um die zehn Minuten gedauert, so Drenkelfuß. Das könne sehr frustrierend sein: „Aber jetzt können wir als Lehrkräfte ohne Frust unterrichten.“

Projekt kostet 
9,1 Millionen Euro

Der Ausbau erfolgt in sieben Schritten. Los ging es in Stadtallendorf, Amöneburg und Neustadt. Die Ausbaugebiete zwei bis fünf seien parallel in Arbeit, berichtet Fründt. Ziel des Landkreises sei es, das Projekt bis Herbst abzuschließen. „Das ist ein kleiner Schritt für die Telekom aber ein großer Schritt für den Landkreis und die Schüler“, dichtet Zachow ein Zitat aus dem Munde Neil Armstrongs nach der Mondlandung um, während Fründt von einem Meilenstein sprach.

Ein GBit/s soll zukünftig die Up- und Downloadrate betragen. Auf eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 30 Mbit/s sollen zukünftig alle Privathaushalte kommen, die derzeit noch als unterversorgt gelten. Die Kosten belaufen sich auf 10,9 Millionen Euro. Davon entfallen allein auf den Anschluss der Schulen etwa 1,8 Millionen Euro, wovon Kreis und Bund je die Hälfte tragen.

Von den verbleibenden 9,1 Millionen Euro tragen das Land Hessen drei Millionen Euro und der Bund rund 4,5 Millionen Euro. Die noch offenen 1,6 Millionen Euro teilen sich Kommunen und Landkreis je zur Hälfte.

von Florian Lerchbacher