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Ostkreis Schneise im Herrenwald ist geschlagen
Landkreis Ostkreis Schneise im Herrenwald ist geschlagen
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19:58 30.10.2020
Die Baumfällarbeiten im Herrenwald stehen vor dem Ende. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Die Fällarbeiten auf der A49-Trasse neigen sich dem Ende entgegen, zumindest im Herrenwald und im Großraum Stadtallendorf. Das wurde am Freitag aus einer Zwischenbilanz deutlich, die das Bund-Länder-Unternehmen Deges zog. Deges ist als Projektgesellschaft für die Bauvorbereitung und damit auch für die Baumfällarbeiten verantwortlich.

Einige Zahlen dazu, die Deges veröffentlicht hat: Im Herrenwald sind bisher rund 47 Hektar Bäume gefällt worden. Rund 43,5 Hektar davon haben die Harvester und Forstarbeiter seit Beginn der Arbeiten am 1. Oktober gefällt. Weitere etwa 3,5 Hektar Bäume waren bereits vorher entnommen worden, weil sie vom Borkenkäfer befallen waren oder Schäden aufgrund der Trockenheit genommen haben. Damit verbleiben noch etwa 2 weitere Hektar Wald an verschiedenen Punkten im Herrenwald. In Summe geht es um etwa 49 Hektar Bäume, die der A49-Trasse im Herrenwald im Weg waren.

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Im Maulbacher Wald sind rund 3,5 Hektar Bäume gefallen. Dort erfolgten in dieser Woche noch kleine Restarbeiten.

Jenseits des Herrenwaldes gab es außerdem noch Fällarbeiten in einem Umfang von rund 6 Hektar Bäumen, verteilt auf mehrere kleine Flächen, wie Deges mitteilt. So wurden auch bei Wiera noch Bäume gefällt.

Deges spricht für die nächsten Tage noch von weiteren kleineren Restarbeiten, die notwendig werden. Dann fehlt nur noch eine größere Fläche, um bis 28. Februar alle Baumfällarbeiten auf der Trasse zu beenden: die 27 Hektar im Dannenröder Wald. Die Trasse durchschneidet dort den Wald, der Dannenröder Forst wird dabei allerdings nicht etwa komplett gerodet. Die Fläche entspricht etwa 3 Prozent des dortigen Baumbestandes.

Jedem ist bewusst, dass die Arbeiten im Dannenröder Wald die mit Abstand größte Herausforderung darstellen werden. In früheren Schätzungen der Polizei war allein von 40 Baumhäusern und ähnlichen Strukturen die Rede, die allesamt auf der geplanten Trasse liegen. Möglicherweise liegt die Zahl dieser Bauwerke jetzt, einige Wochen nach diesen Angaben, noch deutlich höher.

Am Freitag äußerten sich auch die Waldbesetzer in einer Art Monatsbilanz. Sie bereiteten sich auf noch entschlosseneren Widerstand vor, so die Ankündigung in einer Pressemitteilung. Die letzten Wochen hätten aber auch gezeigt, dass der „kapitalistische Staatsapparat Profitinteressen von Wenigen über Klimaschutz“ stelle, erklärt die Aktivistin Leni in der Mitteilung. Und ein weiterer Waldbesetzer, in der Presseerklärung Mike genannt, verkündet: „Die Besetzung im ,Danni’ (gemeint ist der Dannenröder Wald) ist sehr gut ausgebaut und beschützt – der Widerstand wird hier größer und bestimmter sein, als in den Wäldern zuvor, in denen die Besetzungen meistens erst ein paar Wochen alt waren.“

Unterdessen hat sich auch die Polizei zu der Frage geäußert, ob der am Montag beginnende teilweise Lockdown Folgen für den Einsatz an der geplanten A49-Trasse haben wird. Die Antwort entspricht der von Deges. „Die verschärften Corona-Maßnahmen wirken sich derzeit noch nicht auf den Einsatz vor Ort aus“, erklärt Polizeisprecher Martin Ahlich für das Presseteam für den A-49-Einsatz. Auch die Hotelschließungen wirken sich für die Polizei bisher offenbar nicht aus. Zahlreiche am A-49-Einsatz beteiligte Beamte sind in Hotels und Pensionen untergebracht. „Sie müssten nur dann umziehen, wenn Hotels tatsächlich komplett schlössen“, so Martin Ahlich. Da die Beamten aber dienstlich unterwegs seien und nicht touristisch, könnten sie weiterhin die Hotels nutzen.

In diesen Tagen werden in Hessen sechs Castorbehälter aus dem britischen Sellafield erwartet, um in das nukleare Zwischenlager Biblis gebracht zu werden. Kann die Polizei beide Einsätze gleichzeitig stemmen, den Schutz der Castoren vor möglicherweise gewaltbereiten Protestlern und die Begleitung der Baumfällarbeiten? Die Polizei müsse und werde sich darauf einstellen, so der Tenor der Antwort auf eine Nachfrage der OP.

Von Michael Rinde