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Ostkreis In „Halle Süd“ schlummert manche Überraschung
Landkreis Ostkreis In „Halle Süd“ schlummert manche Überraschung
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18:58 08.08.2020
Ahmad Alnabbad verlegt Elektroleitungen vor einem neuen Klassenraum der Alfred-Wegener-Schule.
Ahmad Alnabbad verlegt Elektroleitungen vor einem neuen Klassenraum der Alfred-Wegener-Schule. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Während Schüler und Lehrer die Schulferien zum Erholen nutzen, „beginnt beim Schul- und Gebäudemanagement in der Kreisverwaltung dann die Party richtig“.

So formulierte es Kreis-Schuldezernent Marian Zachow (CDU) beim Ortstermin an der Alfred-Wegener-Schule (AWS). Denn die sechs Wochen Ferien dienen dem Kreis als Schulträger dazu, Reparaturen und größere Bauvorhaben vorzunehmen. Rund 40 Projekte packt der Kreis an: von der aufwendigen Dachreparatur an der Waldschule Neustadt bis hin zur Renovierung eines Flures an der Grundschule in Lohra.

Für etwas Entspannung sorgt in diesem Jahr die Tatsache, dass der Kreis einen Teil der Zeit der Schulschließungen schon für Arbeiten nutzen konnte. „Da waren viele Handwerker sehr flexibel“, so Zachow.

In Kirchhain stellte der Kreis stellvertretend für seine laufenden Bauprojekten an Schulen allerdings ein Vorhaben in den Mittelpunkt, das weit über die klassischen Schulsanierungen hinausgeht: die Sanierungsarbeiten an der „Halle Süd“ der AWS. Und die laufen bereits seit den Osterferien und werden auch noch bis zum Ende der Herbstferien im Oktober weiterlaufen, wenn alles planmäßig geschafft werden kann.

Hallenakustik wird verbessert

Was passiert dort? Statt der Fassade aus Glasbausteinen bekommt die Halle Fensterfronten. Der Kanalanschluss wurde komplett erneuert. Es gibt neue, energiesparende LED-Lichttechnik und die Umkleiden und Toilettenräume müssen komplett erneuert werden. Auch der Brandschutz spielt eine zentrale Rolle.

Die Fluchttüren sind jetzt zeitgemäß und etwa doppelt so groß wie früher. Das Eingangsfoyer ist komplett erneuert und erweitert worden. „Ein großer Wunsch der Schule war die Hallenakustik, die große Probleme gemacht hat. Auch sie wird sich erheblich verbessern“, sagt Bauingenieur und Bauleiter Jörg Weber beim Rundgang vor Ort.

Allerdings gab es gleich mehrere keineswegs erfreuliche Überraschungen während der Bauarbeiten. Die jüngste ereilte Planer und Baufirmen erst vor wenigen Tagen: Beim Abnehmen von Deckenteilen fand sich eine größere Leiste, die aus krebserregendem Asbest besteht. Das Asbest muss jetzt komplett entfernt werden, was aufwendig ist.

Seminarraum für Sportunterricht

Eine weitere Unerfreulichkeit: Bei den erwähnten Kanalarbeiten fand sich ein großer, alter Öltank, Fassungsvolumen 25.000 Liter. Der sei zwar sicher und leer gewesen, habe aber trotzdem aus dem Boden herausgemusst, so Weber. Auch bei der Fassade waren Metallelemente nach ihrer Freilegung nicht mehr zu gebrauchen, die Statik musste von einem Tag auf den anderen neu berechnet, die Konstruktion erneuert werden. Das ist inzwischen geschafft.

Auf noch etwas haben Kreis und Planer reagiert: auf die Überflutung der Halle Süd beim Unwetter in Kirchhain, als Wassermassen hinunter in die Sportstätte schossen. Es gibt zusätzliche, massive Ableitungen, die greifen, wenn die normale Entwässerung überlastet wird. „Das Wasser wird abgefangen“, sagt Bauingenieur Weber.

Sehr erfreulich aus Sicht der Schule, insbesondere der Sportlehrer, ist die Schaffung eines kleinen Seminarraumes. „Das spart uns bei Theorieunterricht sehr viel Zeit. Jetzt müssen wir nicht mehr quer über das Schulgelände laufen“, freut sich Sportlehrer Martin Simon. Und er hebt im Gespräch mit der OP hervor, wie eng und positiv die Zusammenarbeit mit Bauleiter und Landkreis verläuft. „Wir sind wirklich gefragt und einbezogen worden“, so Simon.

Viele Kabel für Digitaltechnik

Einige Meter Luftlinie von der „Halle Süd“ entfernt legen Handwerker ebenfalls Hand an. Dort sind zwei neue Klassenräume am Gebäude 14 anstelle eines überdachten Unterstandes entstanden. Über diese Räume freut sich Schulleiter Matthias Bosse besonders. Die Schule brauche sie dringend, insbesondere wenn im nächsten Jahr das Oberstufengebäude erneuert wird. „Das spart uns Container, und auch danach haben wir Bedarf“, so Bosse.

Am Beispiel dieser beiden Klassenräume wird Schuldezernent Zachow grundsätzlich. Es habe sich gezeigt, dass es im Bestand der Schulgebäude im Kreis noch viele, einst zu groß geplante Frei- oder Verkehrsflächen gebe, die nun umgenutzt werden könnten. Und noch etwas ist eine Herausforderung: Um flächendeckend schnelles Internet für moderne Digitaltechnik zu haben, müssen in vielen Schulgebäuden viele Kabel gezogen werden.

„Manches ist erschreckend schwierig, gerade auch bei älteren Grundschulgebäuden“, sagt Zachow. Eine Zusatzherausforderung auf dem Weg zur Schuldigitalisierung, der sich der Landkreis aber stellen muss und will. Der Einsatz einfacher Funknetz-Verstärker (Repeater genannt) reicht eben nicht aus, weder in alten Grundschulgebäuden noch auf einem derart verzweigten Schulgelände wie dem der AWS Kirchhain.

Investitionen in Schulgebäude

Der Kreis unterhält als Schulträger 64 Schulen mit 73 Schulstandorten: 42 Grundschulen, 15 weiterführende Schulen, 5 Förderschulen und 2 Berufliche Schulen. Beispiele für das aktuelle Ferien-Sanierungsprogramm an Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf:

  • Zwei neue Klassenräume für die Alfred-Wegener-Schule (134.000 Euro);
  • Sanierung des Turnhallendaches in Angelburg-Lixfeld zum Einsparung von Heizkosten (160.000 Euro);
  • Sanierung der Toiletten und Fenster an der Grundschule Niederwald (80.000 Euro zusammen);
  • Dachsanierung und Fensteraustausch an der Waldschule in Neustadt (30.000 Euro);
  • Sanierung des Foyers an der Europaschule Gladenbach (10.000 Euro);
  • Malerarbeiten an der Grundschule Dreihausen, teilweise schon während der Schulschließung abgearbeitet (10.000 Euro);
  • Neue Behindertentoiletten an der Gesamtschule Ebsdorfergrund und ein neuer Lehrraum (25.000 Euro zusammen);

Laufende Großprojekte über die Ferien hinaus: die Sanierung der „Halle Süd“ in Kirchhain, der Neubau an der Grundschule in Wetter, der Neubau für die Betreuung an der Grundschule Bad Endbach, der Umbau an der Gesamtschule in Wetter. Zusammengerechnet betragen die Investitionen rund 14 Millionen Euro, teilweise gehen die geplanten Arbeiten bis ins Jahr 2021 hinein.

Von Michael Rinde

07.08.2020