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Ostkreis Samstags ist das Parken in Kirchhain frei
Landkreis Ostkreis Samstags ist das Parken in Kirchhain frei
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17:57 03.09.2020
Das Archivfoto zeigt die Fußgängerzone in Kirchhain. Um den Einzelhandel zu stärken, kann man künftig samstags umsonst in der Innenstadt parken. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Seit Jahren kämpft der stationäre Einzelhandel mit Internet-Giganten. Es ist ein Kampf zwischen David und Goliath, der immer häufiger von weltweit oder deutschlandweit agierenden Konzernen wie Amazon oder Zalando entschieden wird.

Dies belegen Bilder von leerstehenden Geschäften, von verwaisten Einkaufsstraßen in deutschen Innenstädten. Verschärft wurde die ohnehin oft prekäre Situation jetzt noch durch die Corona-Pandemie.

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Kirchhain ist bislang weitgehend gut durch die Krise gekommen. Leerstand in der Fußgängerzone gibt es (noch) nicht. „Der Einzelhandel in Kirchhain hat noch eine ziemlich gute Struktur. Kirchhain soll Einkaufs- und Wohnstadt bleiben“, sagte Reiner Nau von den Grünen.

Damit dies so bleibt, hat die Stadtverordnetenversammlung am Montagabend mit den Stimmen der SPD und der Linken beschlossen, vorerst bis zum Jahresende an Samstagen keine Parkgebühren zu erheben. Die Mehrheit folgte damit einem Änderungsantrag des Bürgermeisters Olaf Hausmann.

„Die Innenstadt ist geschwächt“

Die CDU hatte in einem eigenen Antrag sogar gefordert, die Parkgebühren in Kirchhain „zur Stärkung des Einzelhandels“ bis Jahresende komplett auszusetzen und den ruhenden Verkehr mit Parkscheiben zu regeln, um Dauerparker zu verhindern. Der von CDU, Grünen und FDP unterstützte Antrag fand keine Mehrheit.

Die Corona-Pandemie habe den Einzelhandel in der Kernstadt „erheblich negativ beeinflusst“, heißt es in dem CDU-Antrag. Der Fraktionsvorsitzende der Kirchhainer Christdemokraten, Uwe Pöppler, sagte: „Die Innenstadt ist geschwächt.“ Das Kulturprogramm des Magistrats zur Stärkung der Innenstadt halte er für einen guten Weg, der aber nicht ausreiche. „Wir müssen die Geschäftsleute unterstützen“, so Pöppler.

Bürgermeister und Kämmerer Olaf Hausmann hat die Folgen dieses Antrags für die Stadtkasse ausrechnen lassen: Rund 60.000 Euro Parkeinnahmen würden der Stadt Kirchhain in den Monaten Oktober bis Dezember entgehen, rechnete er vor. „Das hätte deutliche Auswirkungen für unseren Haushalt. Wir werden die Corona-Pandemie auf der Einnahmeseite deutlich zu spüren bekommen, etwa bei der Einkommenssteuer“, sagte Hausmann.

Stationäres Geschäft brach ein

Nach Gesprächen mit dem Verkehrsverein regte er an, die Streichung der Parkgebühren auf Samstage zu begrenzen, dies sei der Haupteinkaufstag. „Unter der Woche kommen viele Besucher nach Kirchhain, die zu Ärzten gehen. Diese Magnetwirkung haben wir samstags nicht.“

Die Spreizung zwischen Online- und stationärem Handel machte am Mittwoch noch einmal das statistische Bundesamt deutlich. Demnach hat der Handel in Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres trotz Corona-Pandemie um 3,8 Prozent zugelegt.

Allerdings ist das Gefälle riesig: Das stationäre Geschäft mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren brach um 27,7 Prozent ein, während der Internet- und Versandhandel auf ein Wachstum von 20,6 Prozent kam. Entsprechend pessimistisch blickt der Handelsverband Deutschland (HDE) in die Zukunft. Er warnt vor einer Pleitewelle.

Von Uwe Badouin