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Ostkreis Saat für Blühweide eingebracht
Landkreis Ostkreis Saat für Blühweide eingebracht
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08:59 24.05.2020
Freuen sich auf die Aussaat der Blühweide: Rosi Elisa Müller sowie Toni, Christian und Theo Gombert. Quelle: Katja Peters
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Grossseelheim

Es roch nach Fenchel, als Christian Gombert den Deckel vom Anhänger geöffnet hatte. Mit seiner Hand fuhr er noch einmal durch die Saat. „Die Menge ist genau berechnet. Das ist Vorschrift“, erklärt der Nebenerwerbslandwirt aus Großseelheim.

Zusammen mit Rosi Elisa Müller hat er endlich die Idee umgesetzt, die er schon seit zwei Jahren mit sich herum trägt. „Aber ich habe immer den Aufwand gescheut“, gab er zu. Mit der Heilpraktikerin hat er nun eine perfekte Projekt-Partnerin gefunden. Sie macht die Administration, er den praktischen Teil.

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Denn das Projekt „Wildblumenfeld“ an der Landesstraße zwischen Marburg und Großseelheim ist mehr als nur säen. Das Duo hatte im Vorfeld Unterstützer gesucht – Paten, die Teile des Ackers pachten und so das ehrenamtliche Projekt unterstützen, „und eben etwas für die Umwelt tun“, betont Rosi Elisa Müller.

Denn mit der Blühweide sorgen die beiden Großseelheimer für Nahrung für Insekten, Wildbienen und Vögel sowie für Unterschlupf für Hase, Rebhuhn und andere Bodenbrüter. Der Erlös aus der Pacht fließt zu einhundert Prozent in das Projekt.

Ein Euro pro Quadratmeter

Und der Plan ging auf. 212 Pächter aus ganz Deutschland pachteten für einen Euro den Quadratmeter die gesamte Projekt-Fläche. Insgesamt gut einen Hektar, aufgeteilt in zwei Flächen – einmal die etwa 8.000 Quadratmeter an der Landesstraße und dann noch einmal knapp anderthalb tausend Quadratmeter an der Hollerecke im Ort selbst.

Auf einer Website haben sie alle Informationen zusammen gestellt, in den sozialen Medien für die Aktion geworben, ein großes Schild an den Straßenrand gestellt. „Der Aufruf in der OP hat uns dann noch einmal einen richtigen Schwung Unterstützer beschert“, sagt Rosi Elisa Müller. „Dass wir so viele Menschen für unsere Idee begeistern konnten, damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, ergänzt Christian Gombert noch, ehe er sich auf seinen Traktor setzt und mit der Aussaat beginnt.

Corona behindert das Projekt

„Fenchel, Klatschmohn, Wiesenknopf, Schafgarbe, Nachtkerze“, zählt die Heilpraktikerin auf, was in ein paar Wochen in voller Blüte auf dem Acker stehen wird und fügt noch hinzu: „50 verschiedene Sorten haben wir ausgesucht, in der Hoffnung, damit eine breite Tierwelt anzulocken.“ Dabei betont Rosi Elisa Müller noch einmal: „Das ist kein Pflückfeld. Die Pflanzen sollen nicht in den heimischen Vasen landen.“

Alle Paten haben die Möglichkeit, später an Wildblumen-Führungen teilzunehmen, die Teil des Projektes sind. Wie diese in Zeiten von Corona stattfinden können und werden, das konnten die Organisatoren am Tag X noch nicht sagen. Auf jeden Fall werden alle Paten immer über die unterschiedlichsten Kanäle auf dem Laufenden gehalten.

„Wir halten jeden Schritt mit Foto und Video fest, damit sie sehen können, was mit ihrem Geld passiert“, erklärt Rosi Elisa Müller, die hofft, dass die Tiere das Wildblumenfeld annehmen und sich für das kommende Jahr wieder so viele Paten melden. Denn das Projekt soll keine Eintagsfliege sein.

Von Katja Peters

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