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Ostkreis Fraktionsvorsitzender informiert sich über Altenpflege
Landkreis Ostkreis Fraktionsvorsitzender informiert sich über Altenpflege
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16:00 13.09.2021
Bürgermeister Christian Somogyi (von links), Dr. Rolf Mützenich, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol besuchten das Altenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt Am Lohpfad in Stadtallendorf.
Bürgermeister Christian Somogyi (von links), Dr. Rolf Mützenich, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol besuchten das Altenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt Am Lohpfad in Stadtallendorf. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Als Rolf Mützenich das Altenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Stadtallendorf betritt, ist er noch beeindruckt von der nur wenige hundert Meter entfernt beheimateten Division Schnelle Kräfte (DSK). Jene Bundeswehreinheit, die bei der Evakuierung in Kabul vor wenigen Wochen beteiligt gewesen war. Bürgermeister Christian Somogyi gab dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion bei seiner Ankunft am Freitagvormittag einen kurzen Überblick über die zweitgrößte Stadt des Landkreises. Es wurde über den bekannten Süßwarenhersteller gesprochen, der für die ganze Welt produziert. Das Stadtallendorfer Trinkwasser, das auch in Frankfurt aus dem Hahn läuft – und eben die Helden der DSK, die Menschen aus Afghanistan retten.

In einem lichtdurchfluteten Gemeinschaftsraum mit Blick auf einen angrenzenden Spielplatz trifft Mützenich dann die wahren Helden von Stadtallendorf: Sabrina Luther, Nadine Schneider, Joachim Wagner und weitere Kollegen um Pflegedienstleiterin Elke Fröhlich berichten Mützenich, Somogy und dem heimischen Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD) von ihrem Alltag.

Der Wahl-O-Mat

Wen soll ich zur Bundestag wählen? Eine Hilfestellung für Wählerinnen und Wähler bietet der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier kann er gestartet werden.

Sie berichten vom 28. November des vergangenen Jahres, einem Datum, dass alle Altenwohnheim-Mitarbeiter in dem Raum noch im Kopf haben. „Es ging so schnell und hörte nicht mehr auf. Es hat uns überrannt“, sagt Einrichtungsleiter Alexander Graef über einen Corona-Ausbruch, der erst im Januar wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte. Wochenlang gab es keine Besucher im Heim. Angehörige konnten sich nicht verabschieden. Bewohner starben alleine. „Das waren die schlimmsten Wochen meines Lebens und eine sehr belastende Situation für alle hier“, sagt Fröhlich. Sie hob die Einsatzbereitschaft ihrer Kollegen während dieser schwierigen Zeit hervor. Auch das Gesundheitsamt habe die Einrichtung vorbildlich unterstützt.

Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Mützenich will bei seinem Besuch im Stadtallendorfer Altenwohnheim wissen, wie die Situation in der Pflege ist, wo das Hauptaugenmerk liegt und an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, um die Situation zu verbessern.

Vor allem in der jetzigen Pandemie werde der Personalmangel in der Altenpflege deutlich. „Der Fachkräftemangel ist das Hauptproblem. Die Pandemie verstärkt das noch“, sagt Helen-Christin Rinke, stellvertretende Abteilungsleiterin der AWO Nordhessen.

„Wir hetzten von einem Zimmer ins andere. Geben unser Bestes für jeden. Manchmal wollen wir noch etwas mehr geben, manchmal wird auch etwas mehr verlangt. Aber im Nachbarzimmer wartet schon der Nächste“, sagt Altenpfleger Joachim Wagner.

Zwischenmenschliches bleibt auf der Strecke

Es fehle oft die Zeit, sich auf die Bewohner einzulassen, was auch Altenpflegerin Sabrina Luther sehr bedauert: „Ich will mich so um die Menschen kümmern, wie ich auch später gepflegt werden möchte.“ Fröhlich erläutert, dass das Personal nur noch für das medizinische und pflegerische verantwortlich sei: „Das Zwischenmenschliche bleibt auf der Strecke. Das ist nicht richtig!“ Zeit zum Spazierengehen, ein Spiel spielen oder sich einfach nur dazu setzen und ein Fotoalbum zeigen lassen, sei bei dem Personalschlüssel nicht drin. „Die Bewohner fordern mehr Zeit. Aber wir haben die Zeit leider nicht und das tut uns selbst leid“, ergänzt Luther.

Mützenich dankt den Mitarbeitern für ihren Einsatz und den schonungslosen Einblick in die Pflege: „Es ist unhaltbar, was sie hier geschildert haben. Aber man kann leider nicht einfach den Schalter umlegen, und morgen ist alles anders.“ Corona habe bei der Politik lange Zeit im Mittelpunkt gestanden. „Dabei wurden viele wichtige Dinge vernachlässigt“, sagt er und verspricht: „In der nächsten Legislatur werden wir uns darum kümmern.“

Von Tobias Hirsch

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