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Ostkreis Einsteigen in Rüdigheim leicht gemacht
Landkreis Ostkreis Einsteigen in Rüdigheim leicht gemacht
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12:58 18.09.2021
Marian Zachow (links) erklärt mit Michael Plettenberg, wie die Rampe eines Busses funktioniert. 
Marian Zachow (links) erklärt mit Michael Plettenberg, wie die Rampe eines Busses funktioniert.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Rüdigheim

„Wir sind in Amöneburg auf gutem Weg“, lobte Seniorenbeiratsmitglied Fritz Kessler, als Bürgermeister Michael Plettenberg und der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow die umgestaltete und bereits den Anforderungen der Barrierefreiheit entsprechende Bushaltestelle in Rüdigheim als Musterbeispiel für ein Programm des Landkreises präsentierten. Das Land habe bereits eine „großzügige Förderkulisse“ für Projekte dieser Art aufgelegt, betonte Zachow.

Da der Kreis aber ebenfalls einen Beitrag leisten wolle, trage er für 100 Bushaltestellen die Planungskosten für solche Umgestaltungen, berichtete er und verwies auf das Personenbeförderungsgesetz, das vorsieht, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bis zum 1. Januar 2022 vollständig barrierefrei sein muss – das gelte für den Einstieg in Busse und Bahnen, aber auch für Zugangswege, den Blick auf die Fahrpläne und die Wartegelegenheiten.

Suche nach dem optimalen Format

Kleinigkeiten gebe es in diesem Zusammenhang auch in Rüdigheim noch zu erledigen, stellte auch Plettenberg hinaus. Eigentlich seien zwar die Vorschriften erfüllt – aber „Nullabsenkungen“ beim Übergang von Fußgängerweg zur Straße an beiden Seiten sollten noch kommen, und auch der oberste von drei Fahrplänen sei noch nicht für alle Menschen gut lesbar. „Da suchen wir noch das optimale Format“, gab Zachow zu und versprach, eine Lösung zu finden, wie Fahrpläne ausgehängt werden. Vorgesehen sei in jedem Fall, Signalfarben und eine größere Schrift zu nutzen.

Zwischen 500.000 und 600.000 Euro investiert die Stadt Amöneburg in die Bushaltestellen „Lindenstraße“ und „Am See“ in Roßdorf, „Auf dem Ganzacker“ und „Flurscheide“ in Mardorf, im Steinweg in Kirchhain und eben in Rüdigheim an der Kirche. 85 Prozent dieser Kosten trägt das Land, der Kreis steuerte 23.000 Euro für die Planungsarbeiten bei.

Weiter Kommunen steigen ein

Außerdem sorgte der Verschönerungsverein Rüdigheim für die Umgestaltung des mit Fachwerk verzierten Wartehäuschens, warf Ortsvorsteher Bernhard Becker ein, als Zachow die angestrebte Verbesserung der Aufenthaltsqualität an Bushaltestellen ansprach: „Wir stellen uns außerdem den Fragen, ob die Busse dort anhalten, wo die Menschen hinwollen und ob das Angebot dem Bedarf der Bürger entspricht.“

100 Haltestellen im ganzen Landkreis sollten zunächst im Fokus stehen, stellte Zachow heraus. 31 Zuschüsse in Höhe von bis zu 4.000 Euro zu den Planungskosten seien bereits bewilligt. 116.000 Euro wurden bisher fällig. Bürgermeister beziehungsweise Kommunen „ziehen großartig mit“. Es gebe 20 weitere „konkrete Absprachen“, und im kommenden Jahr würden weitere Kommunen ins Programm einsteigen, zum Beispiel Stadtallendorf. „Unser Anspruch ist, dass es zukünftig in jedem Ort mindestens eine barrierefreie Haltestelle gibt – allerdings ist das manchmal gar nicht so einfach. 100 Prozent Barrierefreiheit sind nicht immer möglich, weil es manchmal schon am benötigten Platz fehlt.“

"Ziemlich einzigartiges" Programm

Das 100-Haltestellen-Programm bezeichnete Zachow als hessen- wenn nicht gar bundesweit „ziemlich einzigartig“. Es sei ein wichtiger Schritt zu dem im Nahverkehrsplan formulierten Ziel, die Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs für alle Generationen so leicht und attraktiv wie möglich zu machen, fügte er hinzu und verwies darauf, dass Barrierefreiheit nicht nur für Menschen mit Einschränkungen gut sei, sondern beispielsweise auch für Eltern mit Kinderwagen, Pendler mit Fahrrädern oder schlicht Bürger, die nach Einkäufen schwere Taschen zu schleppen haben. Sowohl er als auch Plettenberg erinnerten außerdem daran, dass eine Verkehrswende in aller Munde sei – und die lasse sich nur umsetzen, wenn der ÖPNV eine echte Alternative ist.

Und auch in Corona-Zeiten sei die Nutzung von Bussen mit Klimaanlagen „sehr sicher“, sagte Zachow, verwies auf eine Studie der Charité und ergänzte, dass durch die Anlagen innerhalb einer Minute ein Luftaustausch von nahezu 100 Prozent erfolge. Das sei vor allem in Richtung Eltern noch einmal betont, die sich wegen der Auslastung der Busse zu Schulzeiten sorgten.

Tröpfchen-Infektion reduzieren

Nahezu alle eingesetzten Busse verfügten über eine moderne Klimaanlage, nicht zu vergessen sei, dass Fahrer angehalten seien, an Haltestellen alle Türen zu öffnen, um zusätzlich zu lüften. „Hinzu kommt, dass durch die nach unseren Erfahrungen vergleichsweise diszipliniert eingehaltene Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung auch die Gefahr einer Tröpfchen-Infektion reduziert werden kann. Zudem hat der Landkreis punktuell auch versucht hat, Engpässe durch vereinzelte Zusatzbusse und insbesondere Anpassungen von Fahrzeiten zu entspannen“, so Zachow.

Die erwähnte Studie habe gezeigt, dass die Infektionsgefahr im ÖPNV nicht höher liege als bei Menschen, die mit dem Auto ihre Wege zurücklegen. Ein ganz praktisches Indiz dafür, dass diese Studien auch belastbar sind, sei auch, „dass es beim Fahr- und Begleitpersonal in Bussen und Zügen nach unserer Kenntnis keine auffällig erhöhten Corona-Infektionszahlen gegeben hat.“

Von Florian Lerchbacher

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