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Ostkreis Kunstwerke suchen neues Zuhause
Landkreis Ostkreis Kunstwerke suchen neues Zuhause
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10:00 12.11.2021
„Mädchen im Sommer“ (Acryl-Farbe auf Leinwand) von Horst von der Wege stammt aus dem 2013 und ist eins von 36 Bildern, die für den guten Zweck verkauft werden.
„Mädchen im Sommer“ (Acryl-Farbe auf Leinwand) von Horst von der Wege stammt aus dem 2013 und ist eins von 36 Bildern, die für den guten Zweck verkauft werden. Quelle: Privatfoto
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Stadtallendorf

Wenn der Kulturkreis und die Stadt Stadtallendorf am Wochenende in der Stadthalle den Kunstmarkt ausrichten, dann findet sich unter den 35 Ausstellern ein Verein, den man bei der Veranstaltung nicht unbedingt erwarten würde: der Rotary Club um den derzeitigen Präsidenten Marek Sieronski. Und doch sind die Rotarier dort genau richtig, denn sie sind derzeit im Besitz von 36 Kunstwerken, die sie für den guten Zweck verkaufen beziehungsweise später versteigern wollen.

Die Bilder hatte der vor rund anderthalb Jahren verstorbene Künstler Horst von der Wege gemalt, dessen Witwe Irene die Werke den Stadtallendorfern vermachte. Sie habe nach dem Tod ihres Mannes das Haus in Bürgeln verkauft und sei in eine Wohnung in der Nähe von Darmstadt gezogen, berichtet sie. Zahlreiche Bilder habe sie behalten oder Verwandten geschenkt, doch für eine Vielzahl eben auch ein neues Zuhause gesucht: „Ich möchte, dass sie andere Menschen erfreuen – und wenn ich dann noch eine soziale Einrichtung damit unterstützen und Gutes damit tun kann, dann geht es doch gar nicht besser.“

Horst von der Wege im Jahr 2010 Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch

Im Vorfeld des Kunstmarktes stattete Irene von der Wege dem Stadtallendorfer Rotary-Club – auf den sie über Gründungsmitglied Friedhelm Lierse aufmerksam wurde – dann auch einen Besuch ab und berichtete über das Leben von Horst von der Wege. Schon als Kind habe er (geboren 1941) seine Liebe zur Malerei entdeckt – die er aber zunächst unterdrückte: Er hatte für den Kunstunterricht ein Pferd so detailgetreu gemalt, dass seine Lehrerin ihm unterstellte, es abgepaust zu haben. Der kleine Horst habe sich fortan geweigert, Bilder zu malen und dafür auch eine 5 auf dem Zeugnis und eine Tracht Prügel in Kauf genommen, so von der Wege.

Zunächst widmete er sich daher dann einer anderen Kunstform, der er sein Leben lang treu blieb: der Musik. Von der Wege brachte sich das Gitarrespielen bei, liebte den Jazz – und begann eines Tages auch wieder zu malen. Sein Vorbild sei Leonardo da Vinci gewesen, insbesondere dessen Fresken hätten tiefen Eindruck hinterlassen, betont Irene von der Wege und streift den ebenfalls abwechslungsreichen beruflichen Werdegang ihres Mannes, der letztendlich Lehrer wurde – aber eben auch viel Zeit in seine Hobbys steckte, die weitaus mehr waren als eine Freizeitbeschäftigung.

Gemeinsam gründete das Paar im Jahr 1992 die „Eulenhof Galerie“ in Niederasphe. „Nebenher“ absolvierte er eine künstlerische Ausbildung am Institut für Malerei und Grafik der Philipps-Universität Marburg. 1998 verschlug es die von der Weges nach Gouarec in die Bretagne, wo er nicht nur malte, sondern auch Kurzgeschichten und Balladen schrieb. Später kehrten sie dann in den Landkreis Marburg-Biedenkopf zurück, um in Bürgeln das „Kleine Salonorchester“ zu gründen, Konzerte zu geben, Ausstellungen zu gestalten und sich noch anderweitig ehrenamtlich zu betätigen: Sie gab beispielsweise Qui-Gong-Kurse an der Opera Sociale von Ferrero in Stadtallendorf, er leitete Kurse für Kunst und Malerei an der Volkshochschule – und war wahrscheinlich der Einzige in Hessen, der Fresko-Malerei unterrichtete. Die Begeisterung für Kunstformen aller Art habe nie nachgelassen: Sogar im Hospiz habe ihr Mann auch noch eigene Geschichten vorgetragen, erinnert sich Irene von der Wege.

So sieht das ganze Bild „Mädchen im Sommer“ (Acryl-Farbe auf Leinwand) von Horst von der Wege aus. Quelle: Privatfotos

Die Bilder, die der Rotary-Club nun verkaufen darf, zeigen vornehmlich Impressionen aus Frankreich sowie Tiere, freut sich Präsident Sieronski über das breite Spektrum der Werke – von denen in der kleinen Ausstellung auf dem Kunstmarkt zunächst nur eine Auswahl zu sehen sein wird. Unterstützung bei der Erstellung eines dazugehörigen Kataloges gab es von der Sparkasse, von Sponsoren aus den eigenen Reihen sowie von der Oberhessischen Presse. In rund vier Wochen wollen die Rotarier dann eine Auktion mit feierlichem Rahmen gestalten, bei der die Bilder unter den Hammer kommen, die an diesem Wochenende noch keinen neuen Eigentümer finden. Das genaue Datum und der Ort der Veranstaltung stehen zwar noch nicht fest, doch eins ist sicher: Der gesamte Erlös aller Verkäufe und der späteren Versteigerung wird für den guten Zweck gespendet.

Termin

Der Kunstmarkt Stadtallendorf findet am Samstag (13. November) von 13 bis 18 Uhr sowie am Sonntag (14. November) von 10 bis 18 Uhr statt. Es gilt die 2G-Regelung, das heißt, nur Geimpfte und Genesene bekommen Zutritt zur Stadthalle.

Von Florian Lerchbacher