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Ostkreis Vom hässlichen Entlein zum Aushängeschild
Landkreis Ostkreis Vom hässlichen Entlein zum Aushängeschild
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16:00 27.09.2021
Stolz präsentieren Peter Heider, Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius, ihr Vorgänger Winfried Bieker und Michael Plettenberg den neugestalteten „Zeedebonn“.
Stolz präsentieren Peter Heider, Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius, ihr Vorgänger Winfried Bieker und Michael Plettenberg den neugestalteten „Zeedebonn“. Quelle: Florian Lerchbacher
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Roßdorf

„Das ist wirklich schön geworden. Ein toller Platz zum Ausruhen – prima, super!“, freut sich Winfried Bieker über den neugestalteten „Zeedebonn“ am Backhaus beziehungsweise dem Feuerwehrgerätehaus. Heutzutage lässt es der ehemalige Ortsvorsteher von Roßdorf dort eher ruhig angehen, früher sei er in dem heutigen Feuerlöschteich noch schwimmen gegangen, erinnert er sich – manchmal auch zusammen mit Pferden: „Und dann ging’s flupp flupp und neben uns tauchten die Pferdeäbbel auf.“

Das ist heutzutage strengstens verboten – und dank eines größtenteils neuen Zauns (der Rest wird ebenfalls noch ersetzt, wie Bürgermeister Michael Plettenberg verspricht) auch nicht mehr möglich. Aber: Die Anlage erstrahlt in neuem Glanz, wurde gleich auch mit einem von rund 400 Menschen besuchten Fest (das mit dem Tag des offenen Backhauses einherging) eingeweiht – und ist Beweis dafür, dass Wünsche noch in Erfüllung gehen. Auch wenn man manchmal etwas warten muss. Im Jahr 2013 hätten die Roßdorfer das Projekt erstmals zur Aufnahme in den Haushalt 2014 angemeldet, erinnerte sich Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius und betonte, dass ihrem in der Zwischenzeit verstorbenen Vor-Vorgänger Stephan Maus und seinem Stellvertreter Winfried Bieker der „Zeedebonn“ besonders am Herzen gelegen habe. Es galt, einige Hindernisse zu überwinden, umso überraschter sei der Ortsbeirat gewesen, als im April die Bauarbeiten losgingen: „Beinahe unfassbar. Die unendliche Geschichte sollte ein Ende haben!“

Das Gremium habe sich noch ein paar Mal eingemischt, gibt sie zu: Barrierefreiheit sei wichtig gewesen – und auch die Idee mit dem Wasserlauf um den Platz herum sei während einer Baubesprechung entstanden. Auch im Dorf habe es zunächst Kritik gegeben, doch nun gebe es jede Menge positiver Rückmeldungen, freute sich die Ortsvorsteherin und lobte das Planungsteam Heinz Koch, Karl-Ludwig Jansen, Roland Kraus, Stefan Gropp und Harald Lauer. Zudem stellte sie heraus, dass Elvira Distler-Schuchardt den Platz bepflanzt habe und weiterhin pflegen wird.

Bürgermeister Plettenberg stellte im Gespräch mit dieser Zeitung heraus, dass der Platz historische Bedeutung habe und die Wasserfläche bereits 1805 als Tränke erwähnt worden sei. Er betonte, dass der Brunnentrog zwar undicht sei, der Denkmalschutz aber festgelegt habe, dass dieser bleiben müsse – insgesamt stehe der Brunnen unter Denkmalschutz und sei ein ortsgeschichtliches Zeugnis der offenen Wasserversorgung früherer Zeiten: „So kam uns die Idee für die Rinne, die für Kinder natürlich besonders schön zum Spielen ist.“ So lasse sich zwar nicht verhindern, dass weiterhin Wasser aus dem Trog ausläuft – es könne aber wenigstens geführt werden.

Ein Baum musste gefällt werden, da sein Wurzelwerk das Backhaus beschädigte. Er wurde durch zwei neue, kleinere Bäume ersetzt. Zudem befinden sich an der Wasserrinne kleine Pflanzstellen. Jetzt fehlt nur noch die Möblierung, so der Rathauschef

Insgesamt kostete das Projekt 57 000 Euro. „Es könnte noch einen Tick teurer werden“, erklärte Plettenberg, verwies aber auch darauf, dass die Region Marburger Land über Leader-Mittel 22 000 Euro beisteuerte, die VR-Bank Hessenland 2 000 Euro trug und zwei Privatleute jeweils 500 Euro spendeten. „Entstanden ist ein schöner Platz der Begegnung, der auch weitgehend barrierefrei zu erreichen und zu nutzen ist“, freute er sich.

Das Fest richtete der Heimat-, Trachten- und Museumsverein Roßdorf aus. „Da es leider kein frisches Brot zum Verkauf gab, haben wir uns entschieden, dass es noch einmal einen reinen Backtag dafür geben wird – voraussichtlich im Herbst“, kündigte Rhiel-Luzius an und betonte, dass der Erlös der Veranstaltung in die Dorfverschönerung fließt.

Von Florian Lerchbacher