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Ostkreis Stern des Friedens
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17:54 05.04.2022
Juliana (von links), Noor und Helena beziehen eins der Betten, in dem Geflüchtete schlafen werden.
Juliana (von links), Noor und Helena beziehen eins der Betten, in dem Geflüchtete schlafen werden. Quelle: Florian Lerchbacher
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Roßdorf

Seitdem die Tagespflege aus dem Goldenen Stern in Roßdorf ausgezogen ist, stehen die Räume im Herzens Roßdorfs leer. Doch am Mittwoch (6. April) ändert sich das, denn die Stadt Amöneburg gibt acht Menschen aus der Ukraine in dem historischen Gebäude eine neue Heimat.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sich Ehrenamtler um Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius darum gekümmert, den Goldenen Stern bezugsfertig zu machen. Um die Feinheiten kümmerten sich am Dienstag noch Viertklässler aus der Grundschule Mardorf, die zum einen Betten bezogen und selbstgebastelte Osterhasen mit einem süßen Gruß aufstellten und zum anderen Bilder aufhingen, die sie im Kunstunterricht bei Lehrerin und Ideengeberin Annette van Moll gemalt hatten.

„Herzlich willkommen“, lautet die Botschaft der Kinder – die sie mithilfe des Google-Translators sogar auf Ukrainisch in ihre Bilder geschrieben hatten. Viele der Schülerinnen und Schüler malten noch die ukrainische Flagge dazu und fügten Friedenstauben und andere Motive ein. So hatten Emilia und Helena beispielsweise unter anderem ein Herz, eine Feder, Eis, Sonne und Meer gemalt. Damit möchten sie den Geflüchteten Liebe, ein federleichtes Leben, Freude und Sonne im Herzen aber auch im Leben wünschen, erklären sie.

Die Viertklässler haben Bilder gemalt, mit denen sie die Geflüchteten willkommen heißen und den Goldenen Stern noch etwas gemütlicher gestalten wollen. Quelle: Florian Lerchbacher

Doch es hängen nun nicht nur Bilder im Gebäude, sondern es liegen auch noch kleine Lernkarten bereit mit ukrainischen Sätzen und der deutschen Übersetzung, zum Beispiel „Ich habe Hunger/Durst“, „Ich brauche Hilfe“, „Du bist nicht alleine“, „Ich bin überfordert“, „Willst Du mit mir spielen?“ oder „Das darf ich nicht essen“. Die letzte Karte sei sogar schon genutzt worden, berichtet van Moll: Die Grundschule sei derzeit dabei, eine Schülerin aus der Ukraine zu integrieren und auf die Intensivklasse vorzubereiten. Sie sei allergisch gegen Erdbeeren, dürfe diese also nicht essen – und habe sich sehr gefreut, dass auf dem kleinen Kärtchen passenderweise genau diese Frucht abgebildet war.

„Das sah ja schon nicht schlecht aus hier, aber ihr habt es nochmal richtig gemütlich gemacht“, sagte Bürgermeister Michael Plettenberg zu den Kindern – um kurz danach im Gespräch mit dieser Zeitung Rhiel-Luzius und ihren Helferinnen und Helfern ebenfalls ein großes Lob für ihr Engagement auszusprechen: „Das ist nicht hoch genug zu loben.“ Zahlreiche Menschen hätten sich in die Vorbereitung eingebracht und viele nützliche und notwendige Dinge gespendet.

Doch auch der Stadt Amöneburg sei an dieser Stelle ein Lob für das Bereitstellen der Räumlichkeiten ausgesprochen – deren Sanierung und Nachnutzung noch immer ein vieldiskutiertes Thema ist. „Wir alle haben die Bilder von Turnhallen gesehen, in denen geflüchtete Menschen untergebracht wurden“, sagte er gegenüber den Kindern und ergänzte: „Das kann man ihnen aber eigentlich nur für eine oder zwei Nächte zumuten.“

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Mehr zur aktuellen Situation in der Ukraine erfahren Sie in unserem Themenspecial unter www.op-marburg.de/ukraine

Daher sei die Stadt gerne bereit, den Flüchtlingen den Goldenen Stern zur Verfügung zu stellen. „Die Idee ist, dass die Menschen, die hier unterkommen, sich mit Menschen aus dem Amöneburger Stadtgebiet anfreunden und eines Tages vielleicht bei ihnen unterkommen“, ergänzte er und berichtete, dass schon jetzt 37 Ukrainerinnen und Ukrainer bei Privatleuten Unterschlupf gefunden haben. „Unser Ziel ist, dass sie sich hier wohlfühlen“, betonte der Rathauschef. Zwar müssten sich die Menschen im Goldenen Stern ein Bad teilen, doch jedes Zimmer habe zumindest eine eigene Toilette und ein kleines Waschbecken.

Kontakt

Wer sich in Amöneburg in die Hilfe für Geflüchtete einbringen möchte, kann sich mit Ordnungsamtsleiter Marco Puchowski, Telefon 0 64 22 / 92 95 18, oder Roßdorfs Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius, Telefon 0 64 24 / 7 02 26, in Verbindung setzen.

Von Florian Lerchbacher

05.04.2022
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