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Ostkreis Richtung heiße Phase
Landkreis Ostkreis Richtung heiße Phase
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13:58 15.04.2021
Nach derzeitigem Stand wollen sich 92 Haushalte an ein Nahwärmenetz für Stausebach anschließen lassen.
Nach derzeitigem Stand wollen sich 92 Haushalte an ein Nahwärmenetz für Stausebach anschließen lassen. Quelle: Thorsten Richter
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Stausebach

Der Preis für die Kilowattstunde wird zwar wahrscheinlich etwas teurer, als ursprünglich geplant, doch langsam biegen die Stausebacher auf ihrem Weg Richtung Nahwärmeversorgung auf die Zielgerade ein, wie Winfried Jennemann berichtet – der vor rund einem Jahr die Nachfolge als Aufsichtsratsvorsitzender von Ortsvorsteher Günter Meixner antrat. Noch sei zwar nicht alles in trockenen Tüchern, doch nach sechseinhalb Jahren ausgiebiger Planung (und regelmäßiger Überarbeitung des Vorhabens) stünden die Zeichen sehr gut.

Derzeit werde ein ganz zentraler Aspekt vorbereitet, an dem sich ablesen lässt, dass das Projekt immer konkreter wird: die Umwandlung der „Genossenschaft in Gründung“ in eine „echte“ Genossenschaft. Größtes Problem dabei ist, dass eine Generalversammlung notwendig wäre, wie Jennemann erklärt und betont, dass beispielsweise neben dieser Abstimmung auch noch Wahlen angezeigt wären.

Unterschiedliche Ansätze

Doch Corona macht eben eine solche Versammlung (die letzte fand im Jahr 2018 statt) schwierig. Die Genossen haben schon verschiedenste Ansätze durchgekaut, vom Treffen im Freien mit viel Abstand über ein Treffen im Kirchhainer Bürgerhaus bis hin zu einer Online-Sitzung.

Letztere ist zwar an vielen Stellen seit Beginn der Pandemie eine beliebte Lösungsoption – doch in Stausebach verhindere die Internetverbindung bisher ein virtuelles Treffen, so Jennemann: „Das Stausebacher Netz ist an manchen Stellen nicht so gut.“ Und ausschließen wolle man schließlich auch niemanden.

92 Haushalte wollen teilnehmen

Immerhin: Es gibt 92 anschlusswillige Haushalte in dem Kirchhainer Stadtteil. Ein Wert, der beim Aufsichtsratsvorsitzenden neben Zuversicht auch Freude auslöst. Einst war zwar die Rede davon, dass ein wirtschaftliches Betreiben eines Nahwärmenetzes erst ab 100 Anschlüssen möglich sei: „Aber das ist nur ein Wert aus der ersten Studie. Jahrelang gingen wir sogar nur von 82 Anschlüssen aus.“

Es hat sich aber noch einiges geändert an den Plänen der Genossenschaft Energie Stausebach iG. Einst war vorgesehen, dass ein Nahwärmenetz entsteht, das die Stausebacher Bevölkerung aber auch das Kirchhainer Hallenbad mit Nahwärme versorgt. Das Hallenbad gehört nicht mehr zu den Plänen, so Jennemann.

Umweltrechtliche Bestimmungen zu beachten

Die Versorgung ist weiter über einen mit Gehölz- und Heckenschnitt betriebenen Biomasse-Kessel von der EAM-Anlage vor den Toren des Dorfes geplant. Im Zuge der sechseinhalbjährigen Entwicklung des Projektes waren verschiedene Hürden aufgetaucht: Es sei zwar sehr schön, an einem FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) und umringt von Trinkwasserschutzgebieten zu leben – das erleichtere jedoch den Bau einer Wärmeleitung vom Biomassezentrum nach Stausebach nicht gerade, berichtet der Vorsitzende.

Entsprechend gelte es, diverse umweltrechtliche Bestimmungen zu beachten, deren Grundlage teilweise bis ins Europarecht hineinragten. Und so seien diverse Gutachten notwendig geworden, was den Prozess deutlich verlängerte.

Rückschlag im vergangenen Jahr

Die Stausebacher holten inzwischen Christian Seeger ins Boot, „einen echten Fachmann in Sachen Nahwärme“, wie sie betonen. Dieser habe die Vorarbeiten überprüft und unter anderem den Trassenplan optimiert. Derweil bemühte sich der Vorstand in Wiesbaden, Berlin und bei Förderbanken um finanzielle Unterstützung. „Es ist auch für die Initiativgruppe in Stausebach unverständlich, dass es für solch wegweisende Projekte keine umfassenderen Förderungen gibt“, bedauert Jennemann und schließt sich der Kritik aus Kleinseelheim (die OP berichtete) an.

Nach mehr als 200 Sitzungen und unzähligen ehrenamtlichen Stunden erlebte die Genossenschaft im Dezember 2020 bei der Ausschreibung einen herben Rückschlag. Angesichts der Ergebnisse wurde deutlich, dass die angestrebte Obergrenze für den Energiepreis nicht einhaltbar ist. Die Verantwortlichen wollten daher schon die Notbremse ziehen, so Jennemann.

Preis von 12,49 Cent pro Kilowattstunde

Im Dorf seien dann aber zahlreiche Stimmen laut geworden mit der Botschaft, dass die Anschlusswilligen auch bereit seien, einen etwas höheren Preis zu zahlen, da Nahwärme für sie die Energie der Zukunft sei. Dann gebe es noch die Hoffnung, dass die Ergebnisse einer ersten Ausschreibung, die nach Ansicht der Stausebacher viel zu teuer ausfielen, die berechneten Kosten doch noch sinken könnten – zum Beispiel hoffen sie, dass beim Tiefbau die Preise noch sinken. Und so gehen die Nahwärmegenossen nun von einem Preis von 12,49 Cent pro Kilowattstunde aus – dabei waren einst 10,9 Cent vorgesehen. Sie streben an, noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen zu können.

Wer noch Interesse an einem Anschluss an das Stausebacher Nahwärmenetz hat, sollte eine entsprechende Entscheidung möglichst schnell treffen und sich mit den Genossen in Verbindung setzen. Wenn das Netz einmal im Bau sei, ließen sich höchstens noch einzelne Gebäude mit geringem Verbrauch anschließen, betont Jennemann: „Derzeit planen wir unsere Anlagen nur für die, die einen Anschluss wollen.“ Entsprechend sei beispielsweise auch die Kapazität der Rohre auf die Planungen ausgerichtet – die Erweiterungsmöglichkeiten nach Baubeginn seien also stark beschränkt.

Von Florian Lerchbacher