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Ostkreis Wie viel Gewerbeflächen braucht Stadtallendorf?
Landkreis Ostkreis Wie viel Gewerbeflächen braucht Stadtallendorf?
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16:00 05.04.2022
Das Gewerbegebiet Nord-Ost darf wachsen. Doch unumstritten sind die Flächen nicht.
Das Gewerbegebiet Nord-Ost darf wachsen. Doch unumstritten sind die Flächen nicht. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Auch das Industriezentrum Stadtallendorf positioniert sich in Sachen künftiger Regionalplan Mittelhessen. Dazu gab die Stadt in Abstimmung mit den politischen Gremien zunächst eine vorläufige Stellungnahme ab. Am Donnerstagabend (31. März) gab es im Stadtparlament die endgültige Abstimmung einer noch einmal überarbeiteten Stellungnahme an das Regierungspräsidium (RP) in Gießen. Es sind im Kern vor allem Korrekturwünsche bei der Einteilung von Flächen und daran gebundene Vorgaben. In dem Statement für die Planungsbehörden steckt viel Vorarbeit. Neben der Verwaltung und der Stadtpolitik waren auch die Stadtallendorfer Ortsbeiräte eingebunden.

Radwege, Industrie und Gewerbegebiet

Beispiele zu den Änderungswünschen der Stadt Stadtallendorf: Es geht im Gebiet der Kernstadt auch um bedeutendere Korrekturen für die großen Industrieunternehmen Ferrero und Fritz Winter. So sind Teile von noch nicht genutztem Betriebsgelände bei beiden Unternehmen im aktuellen Entwurf als „Vorranggebiet Forstwirtschaft“ dargestellt, wären also später nur mit einer Planänderung für die Unternehmen nutzbar. Dort möchte Stadtallendorf vorsorgen und sie wieder als Vorranggebiet Industrie- und Gewerbe-Bestand ausgewiesen wissen. Aktuell liege das betreffende Gelände von Ferrero noch brach und sei „teils mit Bäumen bestanden“, heißt es im Statement der Stadt.

Auch etwas anderes will Stadtallendorf im Sinne der Industrie sichern, stillgelegte Bahngleise von Ferrero etwa. Dort soll – auch mit Blick auf die Verlagerung von Gütern auf die Schiene – eine planerische Trassensicherung erfolgen. Vergleichbar ist das mit dem Vorgehen in Sachen Ohmtalbahntrasse.

Am Ende gab es auch aufgrund von Anstößen der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen noch einmal weitere Ergänzungen. So macht sich Stadtallendorf jetzt gegenüber der Gießener Behörde dafür stark, dass die Radschnellverbindung über Stadtallendorf in Richtung Neustadt und Schwalmstadt fortgeführt wird.

58 Hektar neue Siedlungsflächen sind möglich

Stadtallendorf bekommt im Regionalplanentwurf bis zum Jahr 2035 die Möglichkeit, bis zu 58 Hektar neue Siedlungsflächen auszuweisen. Diese Zahl ergibt sich formal aus der errechneten voraussichtlichen Bevölkerungsentwicklung im gesamten Stadtgebiet. In Sachen Gewerbefläche darf das Industriezentrum noch einmal um bis zu 45 Hektar maximal wachsen – theoretisch zumindest. Wo das geschehen darf, das legt dann der Regionalplan abschließend fest. Ein Punkt, an dem Bündnis 90/Die Grünen ansetzte. Wie die OP berichtete, gibt es seitens der Stadt die Überlegung, an das bestehende Gewerbegebiet Nord-Ost anzuknüpfen, allerdings auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße 454. Bei der vorab vorgenommenen „strategischen Umweltprüfung“ hatte es behördlicherseits Bedenken dagegen gegeben, unter anderem wegen des Umstandes, dass diese Flächen eine „bodennahe Belüftungsfunktion“ für die Kernstadt haben. Trotzdem sah man in Gießen Möglichkeiten, der Stadt Stadtallendorf dort Industrie- und Gewerbeansiedlungen zu erlauben. Im Januar hatte die Behörde schon angekündigt, dass das nur mit Auflagen möglich sein werde.

In der Aussprache im Stadtparlament stellte Michael Goetz, Fraktionsvorsitzender von B 90/Die Grünen, eine einfache Frage in den Raum: „Wollen wir das alles können?“ Allerdings galt diese Frage auch für die Ausweisung neuer Baugebiete und Siedlungsflächen etwa im Anschluss an die Haartsiedlung oder in Erweiterung des schon geplanten Baugebietes „Hinter St. Michael“. Die Grünen haben eine eigene Stellungnahme dazu beim Regierungspräsidium abgegeben. Goetz wunderte sich seinerseits, dass die Stadtverwaltung insbesondere bei den Siedlungsflächen Haartsiedlung und bei St. Michael nicht Stellung bezogen habe. „Es wären fast alle landwirtschaftlichen Flächen rund um die Kernstadt berührt“, merkte Goetz an.

Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) übernahm die Erwiderung und betonte, dass es der Stadt darauf ankomme, Auswahlmöglichkeiten zu erhalten. „Das heißt ausdrücklich nicht, dass wir alles ausnutzen werden und wollen, was möglich ist“, sagte er. Die Entscheidung über die Stellungnahmen liegt in Gießen, wo sie abgewogen werden müssen.

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Von Michael Rinde