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Ostkreis Rauschenberg erlebt einen Boom
Landkreis Ostkreis Rauschenberg erlebt einen Boom
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12:00 02.11.2021
Wasser fließt aus dem neu geschaffenen Ablauf im Neubaugebiet bei Albshausen, das gerade erschlossen wird.
Wasser fließt aus dem neu geschaffenen Ablauf im Neubaugebiet bei Albshausen, das gerade erschlossen wird. Quelle: Michael Rinde
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Rauschenberg

Bagger verteilen Schotter auf der künftigen Zufahrtsstraße in Ernsthausens Neubaugebiet. Nicht mehr lange, dann sind die sechs neuen Bauplätze erschlossen, die Arbeiten sind aus Sicht der Stadt Rauschenberg problemlos verlaufen. Problemlos läuft es auch im Neubaugebiet in Albshausen. Allerdings sind dort erheblich aufwendigere Arbeiten nötig. Denn die neuen Bauplätze liegen unterhalb eines leichten Hügels.

Zum Schutz vor den Folgen von stärkeren Regenfällen hat die Stadt dort in die Entwässerung investieren. Das hilft nicht nur den künftigen Bauherrn im Neubaugebiet, sondern auch den Bewohnern der unterhalb gelegenen Häuser. Oberflächenwasser wird gepuffert, also zuerst gesammelt, dann langsamer abgeleitet. Die Ableitung erinnert schon jetzt eher an einen sich windenden Bachlauf. Ein Baubiologe hatte bei der Planung und Umsetzung an dieser Stelle unterstützt.

In Albshausen entstehen derzeit vier neue Bauplätze, drei davon sind bereits verkauft. Und der vierte wäre dies wahrscheinlich auch schon, verliefe über diese Fläche nicht eine Hochspannungsleitung des Energieversorgers EAM. „Die Leitung wird nächstes Jahr verlegt, vorher ist diese Fläche nicht bebaubar“, sagt Bürgermeister Michael Emmerich (CDU). Er weiß schon jetzt, dass er nicht lange auf diesem Bauplatz sitzenbleiben wird. Rauschenberg erlebt zurzeit einen Bauboom. Auch das Baugebiet „Auf dem Kalk II“ in der Kernstadt ist in rekordverdächtiger Zeit wohl ausverkauft. Dort läuft die Vermarktung über das Unternehmen Geissler Infra.

Wenn der letzte Bauplatz in Albshausen im nächsten Jahr dann vergeben wird, dann ist die Stadt Rauschenberg zunächst einmal wohl ausverkauft was Grundstücke für Bauherren angeht. Als nächstes will die Stadt das Baugebiet bei Bracht-Siedlung entwickeln, 20 Bauplätze sind dort maximal vorgesehen. Allerdings beginnt die Erschließung erst im Jahr 2023 – frühestens. Ganz wohl ist Michael Emmerich bei dem Gedanken nicht, keine Bauplätze mehr zur Verfügung zu haben. Schnell ändern kann er daran aber auch nichts. „Wir sind von dieser Entwicklung schon etwas überrollt worden“, sagt Emmerich.

Schlechte Prognose erfüllt sich nicht

Er sieht aber vor allem auch das Positive für Rauschenberg. Denn damit seien die theoretischen Prognosen der Demografen der Hessen Agentur widerlegt. Statt eines Bevölkerungsrückganges werde Rauschenberg in den nächsten Jahren das genaue Gegenteil erleben, einen leichten Bevölkerungszuwachs mit allen positiven Nebeneffekten. Die Hessen Agentur sagt derzeit einen Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2035 für das Grundzentrum Rauschenberg voraus. Statt 4 400 Einwohner, so die Vorhersage im Grunddatenblatt der Hessen Agentur, hätte Rauschenberg dann nur noch 4 200 Einwohner.

Wie Bürgermeister Emmerich beim Blick auf die schon abgeschlossenen Bauplatzkaufverträge erläutert, wird es aber wohl definitiv einen Zuzug von Familien in die Stadt und ihre Stadtteile geben. Einsetzen werden die positiven Effekte natürlich erst, wenn auch alle Bauplätze nicht nur verkauft, sondern auch bebaut sein werden. Emmerich erwartet aber in den nächsten drei bis vier Jahren einen Anstieg der Grundsteuer und in nicht allzu ferner Zukunft auch höhere Einnahmen aus der Einkommensteuer. Geld, das die Stadt natürlich gut gebrauchen kann, um ihre Infrastruktur zu erhalten und zu erweitern.

Für Emmerich gibt es mehrere gute Gründe für das rasante Interesse an Bauplätzen, nicht nur die anhaltende Niedrigzinsphase. Er sieht auch Corona-Effekte bis hin zu einem verstärkten Trend zur Heimarbeit. Es bewährt sich für die Stadt jetzt, dass sie auf konsequenten Breitbandausbau setzt und bei jedem Neubaugebiet auf dem Verlegen von Glasfaseranschlüssen besteht.

Mit ins Gewicht bei der positiven Entwicklung fällt auch der Umstand, dass sich die Leerstandsproblematik in der Kernstadt in den vergangenen Jahren so positiv entwickelt hat. Aktuell bleibt nur das Sorgenkind Marktstraße 15, wo die Stadt kurzzeitig Interesse angemeldet hatte.

Von Michael Rinde