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Ostkreis Nein zum Projekt Marktstraße 15
Landkreis Ostkreis Nein zum Projekt Marktstraße 15
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17:03 02.07.2020
Die Stadtverordneten sagten Nein zum Kauf des Hauses Marktstraße 15 (in der Bildmitte zwischen den Fachwerkhäusern). Quelle: Florian Lerchbacher
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Rauschenberg

Das Abstimmungsergebnis im Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Bauwesen war bereits ein Vorbote gewesen, am Montag lehnte dann auch die Mehrheit der Rauschenberger Stadtverordnetenversammlung den Kauf und die Sanierung des Hauses Marktstraße 15 ab.

Einzig die SPD sprach sich geschlossen für das Projekt aus – allerdings ebenfalls mit Bauchschmerzen, wie Fraktionsvorsitzender Thorsten Thamke bekundete. „Abgesehen von den Kosten spricht nichts gegen das Projekt“, sagte er mit Verweis auf die rund 400.000 Euro, die die Stadt hätte investieren müssen.

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Im Gegenteil: Eigentlich gebe es fast nur Argumente für die Umsetzung, beispielsweise das Vorhaben, den historischen Stadtkern attraktiv zu gestalten und den Plan, in dem Haus eine Mietwohnung und noch dazu ein Familienzentrum einzurichten, um als Kommune ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen zu können: „Klar ist die Unterbringung der Schatzkiste dort keine Verpflichtung, aber auch die ist wichtig für die Gesellschaft“, erklärte er noch.

Kostspielige Bausteine

Manfred Hampach (FBL) unterstrich zwar das Ziel, den Stadtkern zu erhalten – angesichts der zahlreichen anstehenden kostspieligen „Bausteine“ wie die Sanierung des Freibades oder den derzeitigen Neubau des Feuerwehrgerätehauses Albshausen sei seine Fraktion aber nicht gewillt, dem Vorhaben zuzustimmen.

Heinrich Müller (CDU) betonte, nach ausgiebigen Diskussionen in seiner Fraktion seien die Mitglieder nicht zu einer einheitlichen Meinung gekommen: „Jeder stimmt nach seinem Gewissen ab.“ Und so stimmte dann auch Andreas Pigulla für das Projekt: Abzulehnen wäre eine verpasste Chance, meinte er und erinnerte an die in Aussicht stehende Förderung in Höhe von 60 Prozent und die derzeitige Nullzinsphase: „Ich sehe auch keine Alternative.“

Förderbescheid liegt seit 2017 vor

Stefan Seibert (Grüne) fand zwar den Ansatz, dass Fördermittel nach Rauschenberg fließen sollen, gut: „Wir brauchen Geld, aber nicht für so ein Projekt. Gebt den Kommunen die Gelder, die sie brauchen – aber nicht für Geschichten, die sie gerade nicht dringend brauchen.“ Entsprechend appellierte er an Bund und Länder, sie sollten ihre Fördergepflogenheiten überarbeiten.

Schon seit dem Jahr 2017 lag der Stadt ein Förderbescheid für Kauf und Umbau des Gebäudes sowie Abriss und Neubau eines Anbaues vor – veranschlagt waren einst 520.000 Euro. Das Geld stammt aus einem Förderprogramm des Landes, zugesagt ist eine Fördersumme von 381.000 Euro.

Marodes Gebäude

Jetzt, zwei Jahre nach der Förderzusage, sind allerdings die Baukosten erheblich angestiegen. Inzwischen liegt die Bausumme laut Machbarkeitsstudie sogar bei 989.000 Euro. Bürgermeister Michael Emmerich hatte das marode Gebäude als Beratungs- und Sozialzentrum und als neuen Standort für das Familienzentrum ins Spiel gebracht und einen zweigeschossigen Anbau vorgeschlagen.

Noch dazu dachte er darüber nach, das Haus zur Heimat eines Bürgervereins zu machen, über dessen Gründung in der Stadt nachgedacht wird – ganz nach dem Prinzip des Mardorfer Schwesternhauses, das den Amöneburger Bürgerverein beheimat, und dessen große, identitätsstiftende Bedeutung für das Projekt sogar schon durch wissenschaftliche Studien belegt wurde. Emmerich hatte verschiedene Fördermittel-Szenarien entwickelt und errechnet, dass die Stadt für das fast eine Million Euro teure Projekt nur 365.000 Euro berappen müsste.

Fünf Plätze auf Festplatz für Wohnmobile

Sechs Stadtverordnete waren dafür, das Projekt umzusetzen, 15 lehnten den Antrag ab, zwei enthielten sich der Meinung. Positiver Nebeneffekt für Emmerich: Angesichts von 200.000 mit Sperrvermerk im Haushalt eingestellten Euro konnte der Bürgermeister die potenzielle Finanzierung eines anderen Projektes sichern:

Die Stadt möchte fünf Plätze für Wohnmobile auf dem Festplatz einrichten – mit Stromanschlüssen, Frischwasserversorgung, Abwasserentsorgung, LED-Beleuchtung, Infotafel und WLAN-Angebot. Dazu will die Stadt rund 480 Quadratmeter des Festplatzes pflastern, um Stellflächen für Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu zwölf Tonnen schaffen. Die Kosten belaufen sich auf rund 76.000 Euro. 53.000 Euro an Fördermitteln rechnet Emmerich ein, sodass die Stadt 23.000 Euro berappen müsste.

Wohin mit den Stellplätzen?

Die Stellplätze seien wichtig, um den Tourismus zu fördern, betonte der Rathauschef. Rauschenbergs Ortsvorsteher Michael Vaupel hatte die Thematik auch schon im Ortsbeirat besprochen und berichtete, das Gremium halte Stellplätze am Freibad für sinnvoller. Emmerich entgegnete, dann würden sie in einer Talsohle liegen – und der Schall würde nahezu jedes gesprochene Wort zu den umliegenden Häusern tragen.

Außerdem finde dort der – auch von vielen Wohnmobilnutzern besuchte – Burgwald-Märchenmarathon statt. Es sei also kontraproduktiv, wenn dort die Stellplätze wären, aber während der Veranstaltung nicht genutzt werden können. Die Stadtverordneten verwiesen das Thema zur Beratung in den Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales.

Von Florian Lerchbacher