Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Eine Fischtreppe an der Wohra
Landkreis Ostkreis Eine Fischtreppe an der Wohra
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 11.11.2021
An der Schmaleicher Mühle entsteht eine Fischtreppe. Die aufwendige Anlage wird vom Land finanziert.
An der Schmaleicher Mühle entsteht eine Fischtreppe. Die aufwendige Anlage wird vom Land finanziert. Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Rauschenberg

Das große Betonbauwerk am Rande von Rauschenberg mutet für den Laien schon etwas eigentümlich an. Doch spätestens auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich um eine besondere Art der „Gewässerumleitung“ handeln muss. Es entsteht eine Fischtreppe.

Ist sie einmal fertiggestellt, dann ist der Graben an der Mühle und damit vor allem auch die Wohra an dieser Stelle für Fische wirklich durchgängig geworden. Der Abstieg ist schon seit einigen Jahren gewährleistet, der Aufstieg wird dann in naher Zukunft auch für die zahlreichen Fischarten von Forelle bis Neunauge kein Problem mehr darstellen. Doch noch stoppt eine Wehranlage den Aufstieg für die Tiere.

Diesen Standort der Fischtreppe haben Stadt und Fachbehörden aufgrund der Strömungsverhältnisse in den Gewässern ausgewählt. Denn die Tiere wählten aufgrund der Strömung aus dem Graben der Schmaleicher Mühle eben den Mühlgraben, sie bögen dorthin ab.

Erhebliche Arbeit in das Projekt gesteckt

So erklärt es Bürgermeister Michael Emmerich. Rauschenbergs Verwaltung einschließlich des Bürgermeisters haben in den vergangenen Jahren erhebliche Arbeit in das Projekt Fischtreppe gesteckt. Emmerich geht von mehreren hundert Stunden aus, die allein für die Abstimmungsgespräche und Planungen notwendig waren. Zahlreiche Fachbehörden mussten beteiligt werden – von der Fischereibehörde über die Naturschutzbehörde bis zur oberen und unteren Wasserbehörde. Aber: Rauschenberg erfüllt mit der Fischtreppe künftige eine verbindliche Auflage der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Die legt nämlich vereinfacht ausgedrückt fest, dass alle EU-Gewässer für Fische durchgängig zu sein haben. Auch solche wie die vergleichsweise kleine Wohra eben.

Positiv ist dabei für die Stadt Rauschenberg, dass die neue Anlage komplett vom Land finanziert wird. „Wir wollten damit auch nicht warten, bis wir irgendwann einen Eigenanteil zu leisten hätten“, macht Emmerich klar. Bauwerk und Planung haben inzwischen ihren Preis. Der Bau kostet rund 500 000 Euro, für die Planung sind noch einmal 150 000 Euro fällig.

Besitzer hat dem Bauwerk zugestimmt

Dankbar ist Emmerich, dass der Besitzer der Schmaleicher Mühle dem Bauwerk zugestimmt hat. Das sei für die Umsetzung der Ideen und Planungen entscheidend gewesen.

Erste Überlegungen für den Bau der Fischtreppe gab es erstmals im Jahr 2013. Damals standen noch 150 000 Euro für das Projekt im Rauschenberger Haushalt. Es folgte der Planungsprozess einschließlich der verschiedenen Gutachten bis hin zum Bau. Acht Jahre liegen nun zwischen Idee und Umsetzung. Bis die ersten Fische durch die Anlage schwimmen, dauert es nun aber noch einige Monate. Die eigentlichen Betonarbeiten werden, so der derzeitige Stand, bis Ende November abgeschlossen. Dann folgt der „Innenausbau“ der eigentlichen Anlage einschließlich einiger Ruhemöglichkeiten für die Tiere, die im Gewässer dann aufwärts ziehen werden. Michael Emmerich erwartet, dass die Anlage im Frühjahr nächsten Jahres dann in Betrieb gehen kann.

Von Michael Rinde