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Ostkreis Nach kleinem Schock herrscht Einstimmigkeit
Landkreis Ostkreis Nach kleinem Schock herrscht Einstimmigkeit
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17:58 08.09.2021
Wahrscheinlich an dieser Stelle ist der Wasserschaden in der Mehrzweckhalle entstanden. 
Wahrscheinlich an dieser Stelle ist der Wasserschaden in der Mehrzweckhalle entstanden.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Schwabendorf

Weil die Mehrzweckhalle Bracht gesperrt ist, fand die Stadtverordnetenversammlung Rauschenberg dieses Mal im Dorfgemeinschaftshaus Schwabendorf statt. Bürgermeister Michael Emmerich berichtete, dass es einen Wasserschaden gegeben habe, wegen dessen wohl der gesamte Fußboden samt Dämmung entfernt werden müsse. Wann die Halle wieder nutzbar sei, stehe noch nicht fest.

Auf Nachfrage von Manfred Hampach (FBL) erklärte er, dass über mehrere Tage zwischen 300 und 400 Litern täglich aus dem defekten Rohr unbemerkt ausgetreten seien – es sich aber um einen Schaden handele, den glücklicherweise die Versicherung trage. Aufgefallen sei das Problem, als eine Wölbung des Bodens auftrat – und eine feuchte Stelle am Anbau (der ein Materiallager wird) entdeckt wurde, den die Brachter derzeit unter Federführung des Ortsbeirats in Eigenleistung bauen.

Dämmung ist durchfeuchtet

Problem sei, dass die rund 25 Zentimeter dicke Dämmung komplett durchfeuchtet sei und sich nur trocknen lassen würde, wenn alle anderthalb Meter Löcher gebohrt werden, durch die dann Luft gepumpt wird. Dadurch würde der Schwingboden aber komplett zerstört. „Es bleibt also nur die Möglichkeit, ihn komplett zu entfernen und dann neu zu machen“, sagte der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung.

Leider seien die Auftragsbücher der Firmen gut gefüllt, sodass er davon ausgeht, dass die große Halle dieses Jahr nicht mehr genutzt werden kann. Die Stadt habe alle privaten Vermietungen abgesagt, Vereine müssten auf Bühne und kleinen Saal ausweichen. „Wir hoffen, dass die Feuchtigkeit nicht auch noch in andere Bereiche eingedrungen ist. Endlich können wir die Bürgerhäuser wieder öffnen und dann so etwas – das ist schon ärgerlich.“

Neuer Pachtvertrag

Apropos Bracht: Der Rathauschef hatte gute Nachrichten für den Sportverein, dem sie den Sportplatz zur Verfügung stellt. Eigentlich ist dieser kirchliches Eigentum, doch die Stadt pachtet ihn seit den 1960er-Jahren – und setzt dies auch fort. „Wir haben einen neuen Pachtvertrag abgeschlossen, der bis zum Jahr 2051 gilt“, berichtete Emmerich.

Und nochmal Bracht: Im Lauf der Versammlung segneten die Stadtverordneten einstimmig den Beitritt der Stadt zur Solardorf Bracht eG ab. Die städtischen Liegenschaften in Bracht – also Mehrzweckhalle, Kindergarten und Feuerwehrhaus – sowie in Bracht-Siedlung (Dorfgemeinschafts- beziehungsweise Schützenhaus) sollen somit ans Nahwärmenetz angeschlossen werden.

Umstellung der Heizquelle

Pro Liegenschaft wird ein Beitrag von 6.000 Euro fällig. CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Schmidt stellte heraus, dass diese Entscheidung nur konsequent sei, da die Stadt auch in der Kernstadt, in Josbach und in Schwabendorf der Bioenergiegenossenschaft beigetreten war und ihre Liegenschaften anschloss.

Emmerich stellte heraus, dass es sich lediglich um eine Umstellung der Heizquelle handele und sich somit am Energieverbrauch nichts ändern werde, da keine energetischen Sanierungen geplant seien – der über Interkommunale Zusammenarbeit engagierte Klimamanager sich der Frage aber noch einmal annehmen könne, ob in diesem Zusammenhang eine Veränderung möglich und sinnvoll sei.

Angebote des Familienzentrums

Für eine Umsetzung des Nahwärme-Projektes sei es nötig, dass 130 Liegenschaften angeschlossen werden. Bisher lägen der im Juli gegründeten Genossenschaft rund 90 Anmeldungen vor. Die Stadtverordneten sprachen außerdem noch über einen ursprünglich von der SPD stammenden Prüfantrag zum Familienzentrum, den die CDU etwas abänderte und ergänzte, sodass am Ende ein gemeinsamer Antrag stand. Die Fraktionen fordern den Magistrat auf, sich mit den Angeboten des Familienzentrums – dessen Arbeit sie in höchsten Tönen loben – auseinanderzusetzen und Vorschläge zu machen, wie diese noch erweitert werden können.

Außerdem soll der Magistrat prüfen, ob ein separates Altenhilfekonzept zusätzliche Fördermittel aus Landkreistöpfen einbringen könne. Gerade in Corona-Zeiten habe sich der Hilfebedarf der Menschen deutlich erhöht, stellte SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Günther heraus und verwies auf Fragen des Kinderschutzes, der Bildungsgerechtigkeit, der Existenzsicherung und vieles mehr. Die Anforderungen ans Familienzentrum und damit auch das Arbeitsaufkommen würden also steigen: „Soziale Arbeit wird gefragter sein als je zuvor, da diese Krise soziale Probleme nicht nur vergrößern, sondern auch neue schaffen wird.“ Auch diesen Prüfantrag segneten die Stadtverordneten einstimmig ab.

In Sachen Finanzen liegt Stadt im Soll

Des Weiteren wollen sie sich auf Anregung der FBL damit auseinandersetzen, ob sich das Gebiet bei Albshausen an der B3 rund um die Kaffeerösterei zu einem Gewerbegebiet umgestalten lasse. Stefan Schleiter und Manfred Hampach stellten die zentrale Lage und gute Anbindung heraus und betonten, dass sich das Gebiet für Logistikunternehmen, Tankstellen, Supermärkte oder andere Gewerbetreibende anbieten würde.

Emmerich entgegnete, dass dies nicht so einfach sei und zunächst der „Rechtsstatus“ erörtert werden müsse. Aus diesem Grund wurde der Prüfantrag zunächst in den Bauausschuss verwiesen. Emmerich berichtete auch noch über den Haushalts-Vollzug. Er erklärte, dass die Kommune auf gutem Weg sei, den angestrebten ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Bei den größten Posten – der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer – liege sie derzeit im Soll.

Vermietung der Bürgerhäuser

Nur bei den Einnahmen aus der Spielapparatesteuer und der Vermietung der Bürgerhäuser hinke sie etwas hinter den Ansätzen her. Emotionaler Höhepunkt war die Ehrung langjähriger, aber nun ausgeschiedener Kommunalpolitiker wie Werner Linker und Karl Heinrich Koch, die zum Ehrenstadtrat beziehungsweise Ehrenortsvorsteher ernannt wurden. Ein ausführlicher Bericht zu diesem Tagesordnungspunkt folgt.

Von Florian Lerchbacher