Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Der Märchenwald braucht Neubürger
Landkreis Ostkreis Der Märchenwald braucht Neubürger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 20.04.2022
Ein Zwerg sitzt auf der neuen Burgruine des Märchenwaldes. Die Figur sucht neue Freunde – aber keine aus Fleisch und Blut wie (von links) Andreas Pigulla, Michael Emmerich, Johannes und Valentin Pigulla oder Stefan Schleiter.
Ein Zwerg sitzt auf der neuen Burgruine des Märchenwaldes. Die Figur sucht neue Freunde – aber keine aus Fleisch und Blut wie (von links) Andreas Pigulla, Michael Emmerich, Johannes und Valentin Pigulla oder Stefan Schleiter. Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Rauschenberg

Der idyllische Waldspielplatz und der in unmittelbarer Nähe dazu liegende Märchenwald gehören zu den beliebtesten Attraktionen, die Rauschenberg zu bieten hat. Nichtsdestotrotz haben es sich die Mitglieder des Kultur- und Verschönerungsvereins (KVR) auf die Fahnen geschrieben, die beiden Anlagen Jahr für Jahr noch etwas zu verschönern. Im Jahr 2020 schafften sie beispielsweise mit finanzieller Unterstützung der Region Burgwald Ederbergland ein 20 000 Euro teures Spielgerät an, davor beispielsweise Bänke und einen Wackelsteg. Nach dieser Großinvestition stand im vergangenen Jahr dann erstmal „nur“ Pflege auf dem Programm, doch in diesem Jahr gibt’s schon wieder Neuerungen: Auf dem Waldspielplatz sind bereits die Vorrichtungen in den Boden eingelassen, um ein Sonnensegel über dem Sandkasten anzubringen – ein Projekt, das rund 5 000 Euro kostet. Und für den Märchenwald hat bereits ein „fleißiges Heinzelmännchen“, das namentlich nicht genannt werden möchte, die Gebäude erweitert. Jahr für Jahr baue der bescheidene Ehrenamtler etwas Neues, freut sich Andreas Pigulla aus dem Vorstandsteam. Dieses Mal sei es die Burgruine, die nun neben Hexenhäuschen, Mühlen und insbesondere den Miniaturnachbildungen des Rauschenberger Rathauses oder der Stadtkirche stehen. Diese Modelle seien toll, lobt auch Stefan Schleiter, ebenfalls Mitglied des Vorstandsteams: „Sie sind sehr detailliert und einfach toll.“

Sehenswürdigkeiten in Miniatur

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt gibt es also auch in Klein zu bewundern. Allerdings sind die „Bewohnerinnen und Bewohner“ des Märchenwaldes, in dem Kinder nach Herzenslust spielen oder die Figuren und Gebäude umstellen dürfen, durch die Witterung etwas in die Jahre gekommen. Aus diesem Grund hat der KVR zum einen ein paar neue angeschafft, gleichzeitig aber auch unter dem Motto „Neubürgerinnen und -bürger gesucht“ einen Aufruf gestartet: Wer möchte, kann und soll ebenfalls Figuren beisteuern. Das können Gartenzwerge aber auch alles andere sein. So wird Rapunzel in ihrem Türmchen im Märchenwald beispielsweise von einer alten Barbie-Puppe dargestellt.

Um den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern einen würdigen Einzug zu bereiten – und den Menschen auch mal wieder eine Freude zu machen und eine Veranstaltung anzubieten – plant der KVR in Zusammenarbeit mit der Stadt für Sonntag (24. April) das Märchenfest wieder aufleben zu lassen. Zwei Jahre lang hatte das beliebte Fest Corona-bedingt ruhen müssen, nun soll es wieder stattfinden. Natürlich hätten sich die Mitglieder in diesem Zusammenhang auch gefragt, ob in Krisenzeiten eine solche Veranstaltung überhaupt ausgerichtet werden könne und solle, betont Schleiter. Daher habe der Verein in der Stadt eine Umfrage gestartet und viel Zuspruch erhalten: Nach der langen Pause, in der vieles ruhen musste und die sozialen Kontakte sehr gelitten hätten, würden sich die Menschen wieder ein Fest wünschen. Sehr oft sei die Aussage gekommen, dass wieder etwas Freude in den Alltag zurückkehren solle.

Märchenfest startet um 10 Uhr mit Wanderung

Und so ist am Sonntag (24. April) Treffpunkt um 10 Uhr hinterm Rathaus. Dort startet eine etwa anderthalb Kilometer lange und für alle Generationen geeignete Wanderung über den Märchenweg. Barrierefrei sei die Strecke allerdings nicht, stellt Bürgermeister Michael Emmerich heraus. Mit Kinderwägen und Rollstühlen sei sie zu bewältigen. Auf dem Weg werden an fünf Stellen kostümierte Märchenerzähler warten und fünf der zahlreichen Rauschenberger Sagen vorgetragen.

Am Märchenwald beziehungsweise auf dem Waldspielplatz findet dann ab zirka 12 Uhr das eigentliche Märchenfest statt: mit einem Frühschoppen, Musik sowie Speisen und Getränken – insbesondere dem beliebten Gulasch von Udo Wittekindt, wie Pigulla betont. Die Stadtjugendpflege um Stefan Ullrich hält für Kinder Spielstationen vor. Zudem werden T-Shirts präsentiert, die Grundschülerinnen und Grundschüler gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins „Lauf Deinen Traum“ gestaltet haben. Die Motive stammen aus der Märchenwelt. Den Erlös des Märchenfestes wird der KVR in den Spielplatz und Märchenwald stecken.

Die Sagen

Fünf Rauschenberger Sagen werden die kostümierten Märchenerzähler während der Wanderung zum Märchenfest erzählen. Eine davon dreht sich darum, wie Rauschenberg zu seinem Namen kam. Und die geht so:

In uralter Zeit lebten auf dem Burgholzer Berg wie auf der über der Wohra liegenden Höhe des Schlossberges zwei Riesen. Der auf der Burgholzer Seite lebende hieß Siddel, der auf dem Schlossberg Rausch. Sie waren Brüder und hatten sich auf ihren Bergen sehr feste Häuser gebaut, von denen noch große Steine übrig sind. Von ihren Höhen konnten sie sehr weit in das Tal der Wohra schauen. Rausch war ein recht geschickter Bursche. Er hatte aus einem schweren und scharfen Stein eine gewaltige Axt gebastelt.

Manchmal durfte sie auch sein Bruder Siddel auf der Burgholzer Wand benutzen. Dann brüllte unser Schlossbergriese jedes Mal über das Wohratal hinüber: „Achtung, Siddel, die Axt kommt!“ Und gleich darauf rauschte das riesige Steinbeil durch die Luft. Die Menschen unten in Schmaleichen hielten sich dann immer die Ohren zu. Wenn das unheimliche Rauschen vorbei war, kamen sie wieder aus ihren Hütten hervor und schauten, noch ein bisschen ängstlich, zum Berg hinauf. Und manchmal sagte dann einer: „Der Rausch hat wieder einmal seine Steinaxt verliehen.“ Den Berg aber nannten sie bald alle den Rauschenberg, und ihre Urururenkel gaben viel, viel später auch ihrem Städtchen den gleichen Namen.

Weitere Informationen zum Verein gibt es unter www.kvr-rauschenberg.de

Von Florian Lerchbacher

19.04.2022
Ostkreis Wanderwege - Lauft!
19.04.2022