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17:56 20.07.2021
Tschüss Mäuseburg – fröhlich ging in Rauschenberg eine Ära zu Ende.
Tschüss Mäuseburg – fröhlich ging in Rauschenberg eine Ära zu Ende. Quelle: Florian Lerchbacher
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Rauschenberg

Eine Ära geht zu Ende: Fast ein Vierteljahrhundert lang bot die Stadt Rauschenberg in der Mäuseburg eine Betreuung für Grundschulkinder an. Doch jetzt ist nun Schluss, denn der Platz wird für kleinere Kinder benötigt. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass im Stadtgebiet seit einigen Jahren viele Babys geboren werden. Daher brauchen wir in unseren Kindertagesstätten mehr Plätze“, erläutert Bürgermeister Michael Emmerich.

Vor rund zweieinhalb Jahren habe sich dies bereits angebahnt, erinnert sich Alexander Bartsch, Vorsitzender des Zweckverbands evangelischer Tageseinrichtungen für Kitas im Kirchenkreis Kirchhain. Damals sei vorerst übergangsweise eine sechste Gruppe in der Mäuseburg eingerichtet worden – die nun dauerhaft angeboten werden muss. „Wir befinden uns in einer Lage, die man sich eigentlich wünscht, denn so bleibt die Stadt lebendig“, freut sich Emmerich – gleichzeitig bedeute dies aber auch, dass ein beliebtes Angebot verlegt werden muss.

Betreuung wird verlegt

Denn die von der Stadt angebotenen, zusätzlichen Betreuungszeiten für Grundschulkinder (die bisher sowohl vor als auch nach dem Unterricht in die Mäuseburg kommen konnten) werden nicht etwa gestrichen, sondern verlegt: Bis 15 Uhr gibt es eine vom Landkreis angebotene Betreuung in der Schule an sich (beziehungsweise zunächst in einem mobilen Modul, später in einem Anbau, der aber noch erstellt werden muss).

Danach gibt es ein Zusatzangebot in der Kratz’schen Scheune, das die Jugendpflege macht. Allerdings nicht, wie gewohnt, bis 17 Uhr, sondern nur bis 16.30 Uhr. Das liege daran, dass dann die Gruppenangebote dort beginnen, erläutert der Bürgermeister und betont, dass die Grundschulkinder dann natürlich nicht sofort das Gebäude verlassen, wohl aber in eine der Gruppen wechseln müssen.

Die Hausaufgabenbetreuung lasse sich zukünftig allerdings nicht mehr in der gewohnten Qualität anbieten. Das sei ein Nachteil, gab Emmerich zu. Elternbeiratsvorsitzender Sebastian Oeste – drei seiner Kinder waren in den vergangenen Jahren in den Genuss der Nachmittagsbetreuung gekommen – hatte eben von dieser Hausaufgabenbetreuung geschwärmt.

Die Jungen und Mädchen seien „fürsorglich und qualitativ hochwertig“ unterstützt worden: „Was will man mehr? Die Hausaufgaben wurden gemacht und von den Erzieherinnen kontrolliert. Das war der pure Luxus.“

Insgesamt sei die Mäuseburg wie ein zweites Zuhause gewesen, da viele Kinder durch das Zusatzangebot in neun ihrer zehn ersten Lebensjahre in die Kita gegangen seien. „Sie haben hier Laufen, Sprechen und Schreiben gelernt, viel gelacht und auch mal geweint“, sagte er und lobte die vielfältigen Erlebnisse – vor allem auch, weil in den Ferien eine Betreuung angeboten wurde. Das habe viele Eltern die Organisation ihres Lebens massiv erleichtert, da sie nicht immer sämtliche Ferien durch eigenen Urlaub abdecken mussten. Ein Wort nutzte der Vater gleich mehrfach: „super“.

„Keine Beziehungsbrüche“

„Wir sind auch alle total traurig, dass die Grundschulbetreuung den Standort wechselt“, sagte Mäuseburgleiterin Ilona Gerbitz-Mess und schwärmte von „vielen tollen Erlebnissen“. Besonders freue es sie, wenn Kinder später wieder zurückkehrten – so wie Luc Mannheims, der einst als Kita-Kind in die Einrichtung kam, danach auch die Grundschulbetreuung in Anspruch nahm und nun, als junger Mann, ihr Team unterstütze. Ein großer Vorteil des Angebots (das zwischenzeitlich sogar auch für Fünft- und Sechstklässler gemacht wurde) sei, dass es keine „Beziehungsbrüche“ gebe.

Will heißen, die Kinder hätten sich auch nach dem Wechsel aus Kita in die Grundschule zumindest in Sachen Betreuung nicht an neue Bezugsperson gewöhnen müssen, sondern eine Konstanz bekommen, die ihnen guttue. „Wir waren Ende der 90er mit unserem Angebot einer der Vorreiter in Sachen Ganztagsbetreuung“, erinnerte Emmerich. Es sei zwar schade, dass die Schulkinderbetreuung den Standort wechseln müsse – aber der Grund dafür sei wenigstens ein schöner. Die Mäuseburg bietet künftig 136 Plätze an. Die Stadtverordnetenversammlung segnete in ihrer jüngsten Sitzung die dauerhafte Einrichtung der sechsten Gruppe ab.

Von Florian Lerchbacher

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