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Ostkreis „Rassismus hat im Festzelt keinen Platz“
Landkreis Ostkreis „Rassismus hat im Festzelt keinen Platz“
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14:23 23.08.2019
Die Polizeimeldung ist auf der OP-Facebookseite rege diskutiert worden. Quelle: Florian Lerchbacher
Halsdorf

Der Hessische Städte- und Gemeindebund installiert einen direkten Ansprechpartner für Kommunalpolitiker, die bedroht wurden. Dies teilte Bürgermeister Heiko Dawedeit am Mittwoch den Gemeindevertretern Wohratals mit. Hintergrund ist, dass der ehemalige Bürgermeister Peter Hartmann und der einstige SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Engel einst mit Schmierereien in der Gemeinde oder anonymen Zuschriften beleidigt und bedroht wurden. Daran erinnerte auch Karl-Ludwig Bubenheim, der Vorsitzende der Gemeindevertreterversammlung, der sich auch noch zum Hitler-Gruß äußerte, den Unbekannte auf der Kirmes in Halsdorf gezeigt haben sollen: „Wir haben das Problem konkret hier in Wohratal.“

Die Berichterstattung über die von der Polizei übermittelte Information aus Halsdorf beschäftigt auch die User der Facebook-Seite der OP. Die Meinungen gehen einmal mehr weit auseinander. Ein bei Facebook als „Jörg Stegmann“ registrierter User meint zum Beispiel: „Die Polizei soll sich um wichtigere Sachen kümmern.“ Das sehen viele anders. „Sina Schulz“ entgegnet unter anderem: „Die Polizei sollte sich genau um so was kümmern. Es kann nicht sein, dass es hier in Deutschland möglich ist, einen Hitler-Gruß zu zeigen und damit durchzukommen!"

„Uwe Geisel“ hält die Tat für das Werk Besoffener. Durch die Ermittlungen würden „unnötige Kosten“ entstehen und „wirklich wichtige Sachen wie Diebstahl oder Körperverletzung werden durch solche Ermittlungen eventuell behindert“. „Simone Lemmer“ schreibt: „Lieber einer der brüllt als einer der vergewaltigt, schlägt (...):“ „Ben Koch“ stellt fest: „Idioten findet man leider überall!“

Außerdem moniert Userin „Karina Michels“, dass Mädchen bei der Veranstaltung ­K.-o.-Tropfen in Getränke gemacht worden seien. Rückfragen, ob die jungen Frauen dies bei der Polizei angezeigt hätten, beantwortet sie ausweichend und resümiert: „Ich bin nicht die Mutter der Kids, denen das passiert ist, und habe keinen Einfluss darauf.“

Polizei hat keine Infos zu K.-o.-Tropfen-Vorwürfen

Polizeisprecher Martin Ahlich erklärt dazu, dass der Polizei keine Anzeigen vorliegen. Er vermutet, dass das Unwohlsein eher mit übermäßigem Alkoholkonsum zu tun haben könnte: „Ich will aber niemandem etwas unterstellen.“ Wer vermutet, K.-o.-Tropfen untergejubelt bekommen zu haben, sollte dies sofort der Polizei melden – das Mittel sei auch nur kurz im Körper nachweisbar. In 90 Prozent der Fälle würde sich eine solche Vermutung nicht bestätigen. Außerdem warnt er davor, Dinge bei Facebook zu behaupten, die „Hörensagen“ seien und nicht direkt von der Informationsquelle stammten.

So sehen das auch die Burschenschaft Halsdorf und die Halsdorfer Mädels, die Organisatoren der Kirmes. Sie schreiben: „Hier ist in keinster Weise ein Vorfall bekannt (...). Wir bitten hier die Verfasser des Kommentars, entweder den Vorfall mit Fakten zu belegen, oder solche Kommentare zu unterlassen. Gerüchte und Mutmaßungen werden wir so nicht stehen lassen.“ In einer Mitteilung an diese Zeitung äußern sie die Befürchtung, „dass diese haltlosen Anschuldigungen einen großen Einfluss auf unsere Veranstaltung nehmen“. Es stecke viel Arbeit dahinter und sie befürchten, dass ihre Veranstaltung in Misskredit gebracht wird.

Und zum Hitler-Gruß äußern sich die Halsdorfer auch. Sie distanzieren sich vom mutmaßlichen Verhalten der Gäste und betonen: „Da das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen weder uns als Veranstalter noch dem Sicherheitsdienst gemeldet wurde, konnte hier nicht zeitnah eingegriffen werden. Zudem sind wir bereit, die Ermittlungen in vollem Umfang zu unterstützen. Rassismus und Gewalt hat im Halsdorfer Festzelt keinen Platz und wird mit aller Härte bekämpft. Auffällige Personen werden der Veranstaltung verwiesen.“

von Florian Lerchbacher