Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Raddemo gegen A49 stößt auf Kritik
Landkreis Ostkreis Raddemo gegen A49 stößt auf Kritik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:46 01.11.2020
Insgesamt waren es laut Polizei 350 Menschen, die von Gießen über Marburg nach Dannerod radelten, um gegen die A49 zu demonstrieren. Dafür wurden die B3 wie hier auf der Stadtautobahn sowie die B62 gesperrt. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Anzeige
Ostkreis

Es glich eher einem herbstlichen Ausflug mit dem Rad als einer Demo. Laut Schätzungen der Polizei waren es am Samstag rund 350 Radfahrer, die an einer 60 Kilometer langen Fahrt von Gießen bis nach Dannenrod teilnahmen. Dafür wurden im Landkreis zeitweise die B3 und die B62 gesperrt, damit die Radfahrer getreu dem Motto der Demo „Fahhrad fahr’n statt Autobahn“ sicher über die Bundesstraßen fahren konnten, auf denen sonst nur Autos erlaubt sind. Mit Fahnen und Plakaten, auf denen in bunten Lettern „Danni bleibt“ und „Wald statt Asphalt“ zu lesen war, strampelten die Autobahngegner für ein Umdenken in Sachen Verkehrspolitik und gegen die Rodungen unbehelligt durch den Landkreis.

Nur im Internet machten sich die Kritiker dieser Aktion Luft. Unter einem Live-Video der OP, das mehr als 25 000 Mal angeschaut wurde, äußerten die A49-Befürworter ihren Unmut. „Der autofreie Sonntag im Ebsdorfergrund wird abgesagt, aber die dürfen lustig durch die Gegen radeln“, monierte ein User. Viele andere zeigten Unverständnis dafür, dass das Regierungspräsidium Gießen als oberste Versammlungsbehörde in Zeiten explodierender Corona-Zahlen überhaupt eine Demo erlaubt.

Anzeige

„Wir brauchen diese Autobahn nicht, wir brauchen eine Verkehrswende weg vom Auto“, sagte Lena, eine der Teilnehmerinnen aus Gießen, bevor sie sich mit ihren Freunden wieder aufs Rad schwang und weiter bis nach Dannenrod radelte. Ab und zu kam mal ein wütendes Hupen von seiten der wartenden Autos – zum Beispiel am Amöneburger Kreisel, ansonsten war im Landkreis Marburg-Biedenkopf kein Gegenprotest erkennbar.

Anders sah die Lage im Schwalm-Eder-Kreis aus. Bei ihrer ersten Demonstration gegen den Ausbau der A 49 mobilisierten die Autobahn-Gegner bis zu 200 Menschen. Am Wochenende haben sich hingegen nur knapp 40 Radfahrer auf den Weg über den gesperrten Autobahnabschnitt zwischen Wabern und Borken in Richtung Dannenröder Forst gemacht, um ihre Meinung kundzutun – mittlerweile zum vierten Mal.

Viel lauter war indes der Protest auf der Gegenseite. Bis zu 250 A 49-Befürworter nahmen die Radfahrer an der Stockelache buhend in Empfang.

„Ich freue mich, dass so viele gekommen sind“, sagte Norbert Heller von der Bürgerinitiative Pro A 49. Schon immer sei eine große Mehrheit der Menschen für den Autobahnausbau gewesen. Das bestätigten die Ausbau-Befürworter Hubert Schauberick aus Zimmersrode und Ottmar Kramer aus Waltersbrück. „Es wäre ein Hohn, würde der Ausbau gestoppt. Den Bewohnern an der Bundesstraße ist der Lärm nicht mehr zuzumuten“, sagte Schauberick.

Laut Polizei verlief die Demonstration an beiden Orten friedlich. Lediglich beim Aufeinandertreffen von Ausbau-Gegnern und Befürwortern sei es zu Wortgefechten gekommen, sagte Jürgen Auth, Medienberater der A 49-Pressestelle der Polizei. Sowohl an der Stockelache als auch bei der Abschlusskundgebung in Schlierbach gab es Pfeifkonzerte und laute Rufe. Dass die Polizei in Schlierbach die gegnerischen Seiten auseinanderhalten musste, bestätigt Auth nicht. „Es ist immer so, dass die Polizei zwischen beiden Seiten steht. Wir mussten aber nicht eingreifen.“

Von Nadine Weigel, Daria Neu und Chantal Müller

01.11.2020
30.10.2020