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Ostkreis Haarscharf am Knast vorbei
Landkreis Ostkreis Haarscharf am Knast vorbei
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09:58 21.01.2020
Ein 31-jähriger Angeklagter hatte tausende kinderpornografische Bilder auf seinem Computer. Archivfoto: Peter Kneffel/dpa
Ein 31-jähriger Angeklagter hatte tausende kinderpornografische Bilder auf seinem Computer. Quelle: Peter Kneffel/dpa/Archiv
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Marburg

Das Schöffengericht um Richter Thomas Rohner verurteilte einen 31 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und ermöglichte ihm somit die Strafaussetzung. Einen Monat mehr und er wäre ins Gefängnis gewandert. Dieses Urteil sei nur möglich geworden, weil das Geständnis des Angeklagten der einzigen Zeugin eine Stresssituation ersparte, wie der Richter hervorhob.

Die Vernehmung von Jugendlichen vor Gericht ist insbesondere bei Sexualdelikten eine heikle Angelegenheit. Da der Beschuldigte reinen Tisch gemacht hatte, musste das Gericht die 17-jährige Zeugin nicht zu den Tatvorwürfen befragen. „Ich habe zwar therapeutische Hilfe bekommen, aber auch nicht besonders lange. Langfristige Auswirkungen hatte die Sache nicht“, schilderte das in Thüringen wohnhafte Mädchen.

Nur aufgrund der Verhandlung habe sie wieder an die Vorfälle aus den Jahren 2015 und 2016 gedacht. Die Frage des vorsitzenden Richters, ob sie langfristige Schäden davongetragen habe, verneinte sie.

Zu einem Treffen kam es nicht

Vor viereinhalb Jahren hatte sie getan, was der 31-Jährige von ihr verlangte. Über Videoanrufe unterhielt er sich mit der Minderjährigen und forderte sie Dutzende Male auf, sich auszuziehen, aufreizende Posen einzunehmen und sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Dem kam das Mädchen nach. Reaktionen des Angeklagten: „Ja, geil!“ oder auch „Ich wäre gerne persönlich dabei“.

Zu einem Treffen kam es jedoch nicht. „Das war auch nie geplant“, kommentierte der Mann, dem das Alter der Jugendlichen im Tatzeitraum bekannt war. Während das Mädchen tat wie verlangt, befriedigte sich der Beschuldigte nach eigenem Bekunden auch mehrmals selbst. Auch Nacktbilder übersandte die 13-Jährige – auf denen sie die mitunter abartigen Wünsche des Mannes aus Rauschenberg befriedigte.

3.056 Fotos und 578 Videos auf Rechner

Doch die pädophilen Neigungen des Beklagten machten auch vor viel jüngeren Menschen nicht Halt. Ein im Mai 2017 von der Polizei sichergestellter Computer war voller kinderpornographischer Dateien der extremen Sorte. 3.056 Fotos und 578 Videos aus dem Internet, auf denen Kleinkinder an den Armen aufgehängt waren, Säcke über dem Kopf trugen oder Sexualhandlungen mit Tieren vollführten.

„Einige Dateien zeigen Sex von Erwachsenen mit Kindern, wobei bei der Durchführung der entsprechenden Praktiken zum Teil von den erwachsenen Personen ersichtlich Gewalt angewendet wird“, sagte Staatsanwalt Jonathan Poppe. Auch sexuelle Handlungen unter Kindern seien zu sehen.

Mehrere Gründe für positive Sozialprognose

„Ich habe bei mehreren Psychologen angefragt, aber es hat lange gedauert, bis ich einen Termin bekommen habe“, sagte der Beschuldigte, der versucht, seine pädophilen Neigungen seit Anfang 2019 in der Griff zu bekommen. Er fügte an: „Ich hatte auch Angst, weil ich nicht wusste, was genau mit mir los ist.“ Er berichtete dem Gericht von Depressionen im Jahr 2015 und viel Stress am Arbeitsplatz. Das sei laut Therapeut ein wichtiger Faktor für sein Fehlverhalten gewesen.

Dass der Angeklagte nicht vorbestraft war, sah Staatsanwalt Poppe als einen von mehreren Faktoren für eine positive Sozialprognose, das notwendige Kriterium für eine Bewährungsstrafe. Er plädierte für eine Therapie, Arbeitsstunden und die Arbeit mit einem Bewährungshelfer sowie eine zweijährige Haftstrafe mit Strafaussetzung. Diesem Antrag folgte das Schöffengericht.

von Benjamin Kaiser