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Ostkreis Angst um Wasser und Wald
Landkreis Ostkreis Angst um Wasser und Wald
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11:58 20.06.2020
Demonstranten fuhren am Freitag über die Bundesstraße 62. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Niederklein

Die Kundgebungen auf der Bundesstraße 62 haben schon fast Tradition. Wenige Tage vor der mündlichen Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig mobilisierte das Aktionsbündnis „Keine A 49“ noch einmal zwischen 150 und 200 Teilnehmer, so eine Schätzung. Sie verteilten sich am Freitagnachmittag auf Fahrräder und 12 Traktoren, die von Lehrbach bis zur Kirschbrücke und zurück fuhren. Die eigentliche Kundgebung fand wieder in Höhe der geplanten A-49-Brücke nahe einem Pumpenhäuschen und mitten auf der gesperrten Bundesstraße statt.

Am Freitag haben in Marburg und in Niederklein insgesamt rund 300 Menschen gegen den Weiterbau der A49 demonstriert.

Die Stoßrichtung war vorher klar: Das Aktionsbündnis will, unterstützt von Klimaschützern, mit aller Macht versuchen, den Weiterbau der A 49 zu stoppen. Der soll, so die Planung, noch dieses Jahr beginnen. Vorher muss allerdings das Bundesverwaltungsgericht am 23. Juni über zwei neuerliche Klagen gegen das bestehende Baurecht verhandeln und dann entscheiden (siehe weiteren Text auf dieser Seite). Die Sorge der A-49-Gegner galt am Freitag dem Grundwasserschutz und den beim Weiterbau nötigen Baumfällungen im Dannenröder Wald.

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Ein Vertreter des BUND erläuterte, warum sich die A-49-Gegner um das Grundwasser vor allem an der Stelle sorgen, wo die höchste Brücke der gesamten Trasse entstehen soll. Dort drohe eine das Grundwasser schützende Lehmschicht durchbrochen zu werden. Barbara Schlemmer, eine Sprecherin des Aktionsbündnisses, kündigte Proteste vor dem Gebäude des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig am nächsten Dienstag an. Sowohl heimische Autobahngegner als auch ostdeutsche „Fridays-for-Future“-Gruppen haben offenbar ihre Unterstützung angekündigt. Die heimische „Fridays-for-Future“-Gruppe aus Marburg zeigte Solidarität mit dem Aktionsbündnis. „Ihr habt seit 40 Jahren verhindert, dass hier Bäume fallen“, so ein Aktivist und kündigte weitere Hilfe an. „Wir sind da, wenn ihr uns ruft“.

Schlemmer und weitere Redner attackierten erneut Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), unterstellten ihm „ein tiefschwarzes Herz“ oder forderten wie Schlemmer auch seinen Rücktritt, da er die A 49 nicht stoppe. Christoph Schulze-Gockel von der Schutzgemeinschaft Gleental widersprach zum Auftakt in Lehrbach dem Gedanken, dass bestehende Bundesstraßen durch den Autobahnbau entlastet werden. Dies sei ein Irrglaube. Ein neues „Lärmband“ entstehe, auf der A 49 führen 25 000 Fahrzeuge täglich, es gebe neue Industriegebiete in den Kommunen und mehr Verkehr hin zur Autobahn.

Wer sich mit Demo-Teilnehmern unterhielt, hörte aber auch nachdenkliche Stimmen. Demnach fürchtet Manfred Schmitt aus Kirtorf, dass „der Druck der Politik zu stark sein wird und die Autobahn dann doch kommt“. Wobei ihn eine andere Demonstrantin darauf hinwies, dass Gerichte in Deutschland nach wie vor unabhängig seien.

Einer der Besetzer des Dannenröder Waldes kündigte an, dass dort in den nächsten Monaten weitere Baumhäuser entstünden und im Herbst „weit mehr Besetzer dort sein werden als im vergangenen Oktober“. Der „Danni“ sei jetzt der neue „Hambi“, die Bezeichnung für die Besetzung des Hambacher Forstes.

 Gegner des Autobahn-Weiterbaus der A 49 machten am Freitag auch in Marburg mobil: Vor der Stadthalle (Erwin-Piscator-Haus) fand eine Kundgebung mit mehr als 100 Teilnehmern statt. Organisiert wurde sie von Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung, aber auch die Marburger Klimagruppe, Greenpeace Marburg sowie die Ortsgruppe „Extinction Rebellion“ standen dahinter. Alle diese Gruppierungen eint der Kampf gegen den Klimawandel. Und in der entscheidenden Botschaft auf der Kundgebung wird eine Verkehrs- und Mobilitätswende sowie der Erhalt der Wälder gefordert. Konkret sprechen sich die A-49-Gegner neben einem Stopp des Ausbaus dafür aus, dass der Dannenroder Wald nicht gerodet wird. Auf Transparenten las man beispielsweise „Gemeinsam für Mensch und Natur jetzt“ oder „Save the trees“. Vier „Demo-Clowns“ verteilten mitgebrachte Baumzweige und legten Wiesenstücke auf den Pflastersteinen vor der Stadthalle ab. „Wir solidarisieren uns mit den Besetzern des Dannenroder Forstes“, sagte eine Sprecherin von „Fridays for Future“.

Eine der Rednerinnen war Elke Müller vom lokalen Aktionsbündnis, das sich gegen den Lückenschluss der A 49 gebildet hat. Sie machte deutlich, dass der geplante Autobahn-Weiterbau sich negativ auf Klima- und Wasserschutz sowie die Artenvielfalt in der Region um Stadtallendorf auswirken würde. Sie wandte sich vor allem gegen die geplante Rodung von 85 Hektar Waldfläche in dem 200 Jahre alten Mischwald des Dannenroder Forstes.

Von Michael Rinde und Manfred Hitzeroth

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