Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis A49-Unterstützer gegen Baumbesetzer
Landkreis Ostkreis A49-Unterstützer gegen Baumbesetzer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:59 04.10.2019
Ein Lkw durchfährt Schönstadt auf der Bundesstraße 3. Die A49 soll unter anderem diesen Ort entlasten. Quelle: Nadine Weigel
Dannenrod

Manuel Fritz lebt seit seiner Geburt in Schweinsberg. Er gehört zu denjenigen, die die Autobahn 49 herbeisehnen.

„Ich bin mit Lastwagen vor meinem ­Kinderzimmerfenster groß geworden, ich hoffe, bei meinen Kindern ist das mal anders“, sagt er, von der OP auf dem Stadtallendorfer Marktplatz nach seiner Meinung zu den Ereignissen im Dannenröder Forst gefragt.

Seit Montag, 30. September, halten dort Aktivisten drei Bäume besetzt (die OP berichtete). Nein, für deren Aktion habe er eigentlich kein Verständnis. „Und wenn, dann kommt sie viel zu spät, die ­Entscheidungen sind gefallen“, sagt er. Entlastung brächte die Autobahn unter anderem auch den Anwohnern an der Bundesstraße 3. Ein Ort, der massiv unter dem Lkw-Verkehr aus und in Richtung Kassel leidet, ist ­etwa Schönstadt.

Nabu-Mitglied droht Klage an

Kein Verständnis für die Besetzung zeigt auch die Junge ­Union Marburg-Biedenkopf in einer Pressemitteilung. Sie kritisiert die Vermummung der Aktivisten, verweist auf die Vorteile der A49 und wird deutlich: „Die Junge Union hofft auf die Vernunft des hessischen Umweltministeriums, den Planfestellungsbeschluss nicht zurückzunehmen und sieht den Ausbau der Autobahn als Chance und Notwendigkeit für unsere Region an“, heißt es in der Pressemitteilung auszugsweise.

Wie diese Zeitung berichtete, hat die Umweltschutzorganisation BUND gemeinsam mit einigen Privatpersonen die Rücknahme des Baurechtes für die A49 beim Verkehrsministerium beantragt. Wann in Wiesbaden eine Entscheidung darüber gefällt wird, ist unklar. Karl-Heinz Zobich, langjähriges Nabu-Mitglied und Unterstützer der Baumbesetzer, kündigt an: „Wenn Herr Al-Wazir den Beschluss für das Baurecht nicht zurücknimmt, werden wir klagen.“ Dies hatte auch die Schutzgemeinschaft Gleental angekündigt, die mit dem BUND kooperiert.

Besetzer kündigen Online-Petition an

Das hessische Verkehrsministerium hatte zuletzt von einer rein rechtlichen Entscheidung gesprochen. Das sehen die Aktivisten im Dannenröder Forst komplett anders. Beim Besuch der OP am Freitagnachmittag wärmten sich drei von ihnen gerade in einem Bauwagen am Sportplatz Dannenrod auf.

Mehr zu diesem Thema

Polizei beobachtet Baumbesetzer

Sie schützen die Bäume mit ihrem Leben

Sie kündigten eine Online-Petition an, mit der sie Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (B90/Die Grünen) zwingen wollen, das Baurecht zurückzunehmen.

Das Polizeipräsidium Osthessen hat keine Informationen darüber, ob die Zahl der Aktivisten im Forst gestiegen ist. Von den Besetzern heißt es dazu weiterhin nur „Wir bleiben viele“.

Hombergs Bürgermeisterin im Urlaub

Ansonsten hat sich für das ein oder andere Alltagsproblem eine erste Lösung gefunden. Seit Freitag, 4. Oktober, gibt es am Bauwagen, der der Schutzgemeinschaft Gleental gehört, ein Dixi-Klo. Die Aktivisten sind nach eigenen Angaben mit der Stadt Homberg (Ohm) in Gesprächen über einen Toilettenwagen.

Von der Stadt Homberg war dazu am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum befindet sich im Urlaub. In der Vergangenheit stand die Stadt Homberg politisch zum A49-Weiterbau.

Junger Kettcar-Fahrer weiß wo's langgeht

Nabu-Mann Zobich berichtet, dass die ersten Kontakte der Aktionsgemeinschaft „Keine A49“ zu den Baumbesetzern wohl auf dem Klimafest in Marburg Ende September geknüpft worden sind. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei groß, sagt er.

Wie aufs Kommando kommt ein Neunjähriger auf seinem Kettcar aus dem Dorf vorbei, nicht das erste Mal an diesem Tag. „Wald statt Asphalt – das Motto der Baumbesetzer hat er mit Filzstift auf ein Blatt Papier geschrieben, das er vorne auf sein Kettcar geheftet hat, darunter mit rotem Filzstift das Wort „A49“ dick durchgestrichen.

Der Knirps weiß ganz genau, wo die Trasse der Autobahn einmal langlaufen soll, Ortsfremden zeigt er auf Wunsch auch den Weg zu den Besetzern.

von Till Conrad 
und Michael Rinde