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Ostkreis Rund 800 mal Nein zu autofreiem Marktplatz
Landkreis Ostkreis Rund 800 mal Nein zu autofreiem Marktplatz
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12:00 18.02.2022
Einzelhändler und die Medizinerin Dr. Beate Lichtenberg (Zweite von links) beziehen klar Stellung gegen Pläne für einen autofreien Marktplatz.
Einzelhändler und die Medizinerin Dr. Beate Lichtenberg (Zweite von links) beziehen klar Stellung gegen Pläne für einen autofreien Marktplatz. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

„Wir wollen, dass das Thema autofreier Marktplatz schnell beerdigt wird“, sagt unter anderem Harald Pausch. Er ist einer von neun Teilnehmern eines Gesprächs mit der OP. Seit etwa zehn Tagen laufen in verschiedenen Einzelhandelsgeschäften in der Innenstadt Unterschriftensammlungen gegen Gedanken, den Marktplatz komplett zu sperren und ihn neu zu gestalten. Rund 800 Kirchhainer Bürger haben auf den Listen bereits unterschrieben und sich damit positioniert.

Auch in der Facharztpraxis von Dr. Beate Lichtenberg, die direkt am Marktplatz angesiedelt ist, liegen Unterschriftenlisten aus und füllen sich zusehends, wie sie berichtet. Die Aufregung unter ihren Patienten sei groß bei diesem Thema, sagt die Medizinerin im Gespräch mit der OP. Viele ihrer Patienten sind auf Parkplätze in der Umgebung zur Praxis angewiesen, viele nehmen auch sehr weite Wege von außerhalb nach Kirchhain dafür in Kauf.

Das Thema Marktplatz betreffe dabei nicht nur die Händler, sondern auch deren Kunden, betonen Harald Pausch und Cristina Glaeser unisono. „Denen wollen wir eine Stimme geben, indem wir unsere Bedenken und Sorgen äußern“, sagen die beiden Einzelhändler, die in der Fußgängerzone ihre Geschäfte betreiben. Kirchhains Händler hätten nun einmal viele ältere Kunden, die eben nicht in der Lage seien, mit dem Fahrrad direkt vor ein Geschäft zu fahren oder dorthin zu laufen, sie brauchten nahegelegene Parkflächen, so Cristina Glaeser erläuternd.

Das Thema „autofreier Marktplatz“ ist bei der noch laufenden Entwicklung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (kurz „Isek“) geboren worden. „Isek“ braucht die Stadt, um künftig von Förderungen aus dem Programm „Lebendige Zentren“ zu profitieren. Bis zu zwei Drittel der Baukosten ließen sich über Förderungen finanzieren. Hierzu gab es zwei Bürgerbefragungen und Foren. Beim jüngsten Bürgerforum hatte das Thema Marktplatz bereits deutlich polarisiert.

Große Sorge gilt zudem der Postagentur im Zentrum Kirchhains, wo neben Händlern eben auch Gastronomie und Stadtverwaltung zu finden sind. Reinhard Heinze, Betreiber der Postagentur, legt sich eindeutig fest, er hat sich schon schriftlich an das Rathaus gewandt. „Wird der Marktplatz gesperrt, hören wir auf“, sagt er. Ein Ausweichen in ein anderes Ladenlokal kann sich Heinze nicht vorstellen.

Der Standort sei ideal. Er sieht keine Möglichkeiten, die Anlieferung und Abholung von Paketen zu organisieren, wenn der Platz nicht mehr befahrbar ist. Ziel war es bisher, das „Isek“ bis zum Sommer dieses Jahres fertigzustellen und die möglichen Projekte zu definieren.

Am Ende wird auch dabei das Stadtparlament gefragt sein, wie bei jedem einzelnen Vorhaben, das Eingang in das Konzept findet. Denn es geht letztlich auch um Geld. Selbst bei einer Förderung von rund 66 Prozent im besten Falle bleiben Eigenanteile. Und bei Umgestaltungen von Straßen und Plätzen sind auch Anliegerbeiträge einzukalkulieren.

„Wir sind offen für Neues, aber es muss praktikabel und auch bezahlbar sein“, merkt Cristina Glaeser an der Stelle an. Durch die Pandemie, die Lockdowns und die Folgen sei der Kirchhainer Handel schon genug gebeutelt.

Sollte es tatsächlich zu Sperrung und Neugestaltung kommen, dann wäre es die zweite nach dem Jahr 2006. Schon damals hatte sich die Zahl der Parkplätze etwa halbiert, von einst 44 auf etwa 22. Die Umgestaltung hatte die Stadt Kirchhain mit Geldern aus der Stadtsanierung finanziert.

Was sagen die drei Bürgermeisterkandidaten, Amtsinhaber Olaf Hausmann (SPD) und seine beiden Herausforderer Holger Lesch (CDU) und Maximilian Schwetz (B 90/Die Grünen) dazu? Ihre Antworten lesen Sie morgen in der OP.

Von Michael Rinde

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