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Ostkreis Prognose: So entwickeln sich die Einwohnerzahlen
Landkreis Ostkreis Prognose: So entwickeln sich die Einwohnerzahlen
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09:53 09.03.2022
Die Hessen-Agentur erwartet bis zum Jahr 2035 ein starkes Bevölkerungswachstum in der Universitätsstadt Marburg – auf 84 500 Einwohnerinnen und Einwohner.
Die Hessen-Agentur erwartet bis zum Jahr 2035 ein starkes Bevölkerungswachstum in der Universitätsstadt Marburg – auf 84 500 Einwohnerinnen und Einwohner.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Es geht um die Zukunft der ganzen Region: Der neue Regionalplan Mittelhessen soll festlegen, wo in Zukunft Gewerbe- und Siedlungsgebiete entstehen können. Damit diese Planung auf einigermaßen stabilen Füßen steht, benötigt man eine Prognose, wie sich die Einwohnerzahlen in den Städten und Gemeinden entwickeln werden. Denn je mehr Menschen, desto mehr Wohnungen sind nötig.

Während zurzeit vor allem die im Regionalplan-Entwurf enthaltenen Vorranggebiete für Gewerbe und Siedlungen für Debatten sorgen, enthält der Entwurf auch interessante Aussagen darüber, wie die Bevölkerungszahl sich entwickeln dürfte. Im Vergleich zum Jahr 2017 wird demnach die Bevölkerung im gesamten Regierungsbezirk Gießen bis zum Jahr 2035 um 17 000 Personen schrumpfen. Das liegt vor allem daran, dass hierzulande jährlich mehr Menschen sterben, als Kinder geboren werden. Trotzdem erwartet die Hessen-Agentur, die die Einwohnerprognose aufgestellt hat, für den Landkreis Marburg-Biedenkopf in diesem Zeitraum ein leichtes Bevölkerungsplus von 0,6 Prozent. Zum Vergleich: Im Kreis Gießen wird ein Plus von 3 Prozent prognostiziert, für den Vogelsbergkreis dagegen ein Minus von 10,4 Prozent.

Universitätsstädte Marburg und Gießen wachsen

Einen Einwohnerzuwachs erwarten die Fachleute vor allem für die Universitätsstädte Marburg und Gießen sowie ihr direktes Umland. Marburg könnte demnach deutlich über die 80 000-Einwohner-Marke springen. Demgegenüber werden auch in unserem Landkreis viele Städte und Gemeinden bis 2035 im Vergleich zum Jahr 2020 Einwohner verlieren (siehe Grafik).

Besonders drastisch könnte der Einwohnerrückgang der Prognose zufolge in Neustadt ausfallen: Von fast 10 000 Einwohnern würden bis 2035 nur noch 7 300 übrig bleiben – ein Minus von 22,3 Prozent. Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (CDU) ist mit dieser Einschätzung nicht einverstanden. Es seien lokale Gegebenheiten nicht berücksichtigt worden, meint er – etwa steigende Geburtenzahlen, ein großes Baugebiet, der Weiterbetrieb der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und die steigende Attraktivität der Stadt durch den Weiterbau der A 49 (die OP berichtete).

Das Regierungspräsidium verweist auf OP-Anfrage darauf, dass die Bevölkerungsprognosen landesweit einheitlich durch die Hessen-Agentur ermittelt werden. Dies basiere auf der Fortschreibung von Geburten und Sterbefällen sowie Wanderungsbewegungen. „Die Prognose bildet hessenweit die Grundlage für die Vorausschätzung der künftigen Wohnungsbedarfe – und ist daher auch im Regionalplan zu verwenden“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Thorsten Haas.

Die steigende Zahl der Sterbefälle würde auch durch ansteigende Geburtenzahlen nicht mehr ausgeglichen, sagt Haas – und erläutert das am Beispiel Neustadt: 2018 standen 81 Lebendgeborenen 101 Verstorbene gegenüber, 2019 waren es 112 Lebendgeborene und 105 Verstorbene, 2020 wurden 79 Kinder geboren und 114 Menschen starben, im ersten Halbjahr 2021 kamen 42 Kinder lebend zur Welt, 56 Menschen starben.

Komplizierter ist es nach seiner Auskunft bei den Wanderungsbewegungen: Diese unterlägen großen Schwankungen und seien teils schwer vorauszusagen: „Insofern sind mittel- bis langfristige Bevölkerungsvorausschätzungen immer auch mit Unsicherheiten behaftet.“ Und was wäre, wenn die Bevölkerungszahl sich in Neustadt doch besser entwickelt als prognostiziert? Zunächst einmal sei die Bevölkerungsprognose im Regionalplan nur für die künftigen Wohnungsbedarfe und die darauf basierenden maximalen Siedlungsflächenbedarfe relevant, erklärt Haas. Es geht also darum, wie viel Platz eine Kommune maximal für Baugebiete vorsehen darf. Und wenn dieser Platz in Neustadt nicht reichen sollte, kann der Plan auch geändert werden, erläutert Haas: „Wird der im Regionalplan für die Kommune ausgewiesene maximale Wohnsiedlungsflächenbedarf aufgrund einer gegenüber der Prognose nachweislich deutlich positiveren Bevölkerungsentwicklung vor Ende des Planungszeitraums vollständig ausgeschöpft, können im Rahmen eines Zielabweichungsverfahrens unter bestimmten Voraussetzungen weitere Flächenausweisungen vorgenommen werden.“

Regionalplan in der Offenlage

Der Entwurf des neuen Regionalplans befindet sich derzeit in der Offenlage. Bis zum Freitag, 11. März, sollen die Städte und Gemeinden im Regierungsbezirk Stellungnahmen dazu abgeben. Darüber hinaus können Verbände, Institutionen, Gremien und Privatpersonen Stellungnahmen beim Regierungspräsidium einreichen. Mit diesen beschäftigt sich die Regionalversammlung, eventuell kommt es zu einer zweiten Offenlage. Anschließend beschließt die Regionalversammlung den Plan. Der Entwurf des neuen Regionalplans Mittelhessen liegt im Kreishaus aus und ist online zu finden unter https://rp-giessen.hessen.de/planung/regionalplanung/regionalplan-mittelhessen

Von Stefan Dietrich