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Ostkreis Polizei gibt Bürgerhaus wieder zurück
Landkreis Ostkreis Polizei gibt Bürgerhaus wieder zurück
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10:00 01.06.2021
Erster Stadtrat Otmar Bonacker (von links) Ortsvorsteherin Maria März, Marc Göbel von der Einsatzleitung, Bürgermeister Christian Somogyi und Hausmeister Andreas Schulz bei der Gebäudeübergabe.
Erster Stadtrat Otmar Bonacker (von links) Ortsvorsteherin Maria März, Marc Göbel von der Einsatzleitung, Bürgermeister Christian Somogyi und Hausmeister Andreas Schulz bei der Gebäudeübergabe. Quelle: Michael Rinde
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Niederklein

Nur noch stacheldrahtbewehrte Zäune erinnern daran, dass das Bürgerhaus Niederklein monatelang einen anderen Zweck erfüllte. Ab heute steht es wieder unter der Regie der Stadt beziehungsweise ihres Eigenbetriebs „Dienstleistungen und Immobilien“. Der Mieter, die hessische Landespolizei, ist nach insgesamt acht Monaten Dauer ausgezogen. Nach einem entsprechenden Amtshilfeersuchen der Polizei im Zeichen des seinerzeit heraufziehenden A49-Einsatzes hatte die Stadt das Bürgerhaus bereitgestellt (die OP berichtete).

Während des A49-Einsatzes, der Räumung von Baumhaus-Camps und dem Schutz der Baumfällarbeiten, hatte die Polizei in Niederklein eine ihrer Einsatzzentralen und zugleich eine Verpflegungsstelle.

Bis zu 500 Beamte konnten sich dort unter Corona-Bedingungen mit Essen versorgen. Marc Göbel, der stellvertretende Leiter des A49-Einsatzes vom Polizeipräsidium Mittelhessen, lobte das Gebäude. „Sie haben hier ein tolles Bürgerhaus“, sagte er gestern beim Ortstermin in Richtung Bürgermeister Christian Somogyi und Ortsvorsteherin Maria März.

Das Gebäude hat den zeitweisen Dauerbetrieb 24 Stunden lang und 7 Tage in der Woche unbeschadet überstanden, bis auf kleinere Schönheitsreparaturen. Im großen Saal, der Turnhalle, war ein Schutzboden ausgelegt worden. Ortsvorsteherin März freut sich sichtlich, dass das Bürgerhaus nun wieder zur Verfügung steht, jetzt, wo die Corona-Fallzahlen sinken und Lockerungen möglich werden.

Die Bürgerhaus-Anmietung fällt in den großen Abschnitt Logistik bei diesem Einsatz, den Innenminister Peter Beuth noch vor Kurzem wieder als eine der größten Einsatzlagen der vergangenen Jahre bezeichnet hatte. Allein Versorgung, Unterbringung und Material hatten rund zwölf Millionen Euro gekostet. In der Region hatte die Polizei auch Teile der Stadtallendorfer Hessen-Kaserne als Logistikpunkt genutzt.

Während des Einsatzes standen die Mannschaftsfahrzeuge der Polizei am Bürgerhaus dicht gedrängt. Auch in Niederklein war die Präsenz der Beamten über Wochen und Monate durchweg hoch. „Das hat Bürgern ein Gefühl von Sicherheit gegeben und natürlich auch ein Gefühl von Unsicherheit“, sagt Maria März.

Klagen habe es kaum gegeben, wenn, dann über Umstände wie die ständige Ausleuchtung des Geländes. Ein Sonderlob bekam gestern Hausmeister Andreas Schulz für sein Engagement in den zurückliegenden Monaten.

Marc Göbel erinnerte gestern daran, dass der gesamte Einsatz für die Polizei eine große Herausforderung gewesen sei, es habe kaum Erfahrungen mit einer solchen Situation gegeben. Jetzt fragen Sicherheitsbehörden in anderen Bundesländern nach den gemachten Erfahrungen in Mittelhessen. Denn dort gibt es neue Waldbesetzungen, etwa beim Weiterbau der A14 oder der A20. „Das alles war ein riesiger Kraftakt für uns“, so Göbel.

Bürgermeister Somogyi betont die professionelle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei in der heißen Einsatzphase. „Einschränkungen für die Bürger gab es nicht durch die Polizei, sondern durch die Aktionen von Aktivisten, auf die reagiert werden musste“, betont er dabei. Eine dieser Aktionen war das über die B 62 gespannte Seil, was zu Vollsperrungen führte.

Inzwischen hält die mittelhessische Polizei die Lage für sehr ruhig, wie Marc Göbel im Gespräch mit der OP erläutert. Das Klimacamp im April sei sehr friedlich verlaufen, sagt Marc Göbel und unterstreicht den hohen Stellenwert von Versammlungsfreiheit und friedlichen Kundgebungen, deren Abhaltung die Polizei natürlich weiterhin ermöglicht habe. Bei Bedarf sei die Polizei aber vorbereitet, um zu reagieren, falls sich neue Besetzungsaktionen etwa entwickeln.

Der Stacheldrahtzaun am Bürgerhaus wird in dieser Woche noch komplett entfernt. Auch das Festplatzgelände, auf dem während des Einsatzes Fahrzeuge standen, wird wieder hergerichtet.

Von Michael Rinde