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Ostkreis Polizei beobachtet Baumbesetzer
Landkreis Ostkreis Polizei beobachtet Baumbesetzer
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10:56 04.10.2019
Ein Aktivist seilt sich aus einem der drei Baumhäuser im Dannenröder Forst ab.  Quelle: Nadine Weigel
Dannenrod

„Wald statt Asphalt“ lautet das Motto der Baumbesetzer im Dannenröder Forst. Sie wollen die Baumfällungen auf der geplanten A-49-Trasse verhindern, die theoretisch im Moment jederzeit beginnen könnten.

Defacto ist es derzeit so, dass es keinerlei bekannte Starttermine für die Baumfällarbeiten entlang der 30 Kilometer langen Trasse gibt. Klar ist nur, dass die Fällungen insgesamt bis Ende Februar abgeschlossen sein müssen.

Aus Sicht der Polizei hat sich die Lage im Dannenröder Forst in den zurückliegenden Stunden – Stand Donnerstagnachmittag – nicht verändert. Das erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen auf Nachfrage dieser Zeitung. „Wir beobachten die Situation, mehr nicht“, sagt Dominik Müller bereits am Mittwoch. Es gebe bisher auch keinerlei Ermittlungsverfahren gegen einen oder gar mehrere der Aktivisten, sagt Müller auf entsprechende Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings sind die Personalien mehrerer Aktivisten festgestellt worden, wie einer der Unterstützer berichtet.

Die Aktivisten selbst berichten im Telefongespräch mit der OP lediglich von weiteren Hubschrauberflügen. „Teilweise in nur 20 Metern Höhe über den Baumhäusern, was für die Besetzer schon anstrengend ist“, sagt „Harry“, wie er sich nennt. Unterdessen gibt es eine erste offizielle Solidaritätserklärung. Die Schutzgemeinschaft Gleental, seit vier Jahrzehnten im Widerstand gegen die Autobahn, ruft in einer Presseerklärung zur Unterstützung auf.

Am Sportplatz Dannenrod hat die Schutzgemeinschaft Gleental einen Bauwagen aufgestellt und zeigt selbst Präsenz. Einer der Organisatoren ist Karl-Heinz Zobich (72). Der Rentner kommt aus Schadenbach gerade einmal zehn Kilometer entfernt, und nimmt Sachspenden von Menschen entgegen, die an diesem kalten und zugigen Feriertags-Nachmittag vorbeikommen. Unter ihnen ist eine Frau aus Marburg, die berichtet, sie habe in der kommenden Woche Urlaub, besitze eine Feldküche und biete an, für die Baumbesetzer zu kochen. Karl-Heinz-Zobich, seit vier Jahrzehnten Nabu-Mitglied und ebenso lange im Widerstand gegen die A 49, treibt das Angebot fast Wasser in die Augen. Der Widerstand sei fast schon eingeschlafen, sagt er, aber angesichts der bevorstehenden Rodung neu erwacht. Er spricht von einem Rodungsaufschub von 14 Tagen – mehr nicht.

Es zeigten sich immer mehr langjährige A-49-Gegner vor Ort. Die Schutzgemeinschaft „Keine A 49“ will ab sofort jeden Sonntag einen Waldspaziergang organisieren, um über die Baupläne aus ihrer Sicht zu informieren. Er soll jeweils ab 14 Uhr ab dem Sportplatz Dannenrod stattfinden.

Flyer, die zur Unterstützung der Baumbesetzer aufrufen, sollen auch in Zügen in Richtung Frankfurt aufgetaucht sein. Der Ansprechpartner der Aktivisten wollte das gegenüber dieser Zeitung nicht bestätigen, verweist aber darauf, dass es sich bei den Flyern durchaus um „eine autonome Aktion eines Einzelnen“ handeln könne.

Während die A-49-Gegner sich solidarisieren, reagieren Face­booknutzer auf der OP-Seite ganz anders auf die Aktion im Dannenröder Forst. Unter den Kommentatoren waren die Autobahn-Befürworter bis Mittwochabend ganz deutlich in der Mehrheit.

von Michael Rinde und Till Conrad