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Ostkreis Die DSK bekommt den größten Teil
Landkreis Ostkreis Die DSK bekommt den größten Teil
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07:58 11.09.2019
Das ehemalige Gebäude einer Kompanie des Panzerbataillons 143 ist zugewachsen. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Einheiten des Heeres und des Sanitätsdienstes finden künftig in der Hessen-Kaserne Platz, ab wann genau ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Denn zunächst muss genau geplant werden, in welchen Schritten die seit Anfang der 2000er-Jahre kaum mehr genutzte Kaserne wieder reaktiviert werden wird.

Klar ist: Die Division Schnelle Kräfte (DSK) wird wohl der Hauptnutzer. Das erläuterte Divisionskommandeur Generalmajor Andreas Hannemann am Dienstag, 10. September, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Mindestens 200 Soldaten kommen

Dr. Peter Tauber (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, hatte beim Fahnenappell verkündet, dass die Hessen-Kaserne weiter gebraucht wird und dort Heeres- und Sanitätseinheiten stationiert werden. Rund 100 Millionen Euro stellt der Bund in den nächsten Jahren bereit, um die zum überwiegenden Teil im Dornröschenschlaf liegende Kaserne wiederzubeleben.

Fest steht laut Hannemann bereits, dass eine künftige Ausbildungskompanie für Fernmelder dort stationiert wird, das wären bereits rund 200 Soldaten. Weitere werden folgen, an den Details wird derzeit gearbeitet. „Aber es macht natürlich nur Sinn, weitere Soldaten hierher zu verlegen, wenn wir sie auch adäquat unterbringen können“, sagt Hannemann auch.

Kaserne wird komplett durch Bundeswehr genutzt

Bei der Reaktivierung der Kaserne ist jetzt vor allem Bauplanung nötig. Gebäude für Gebäude, egal ob Unterkunft oder Halle, wird dabei noch einmal zu betrachten sein. Hannemann rechnet im Laufe des ersten Halbjahres im kommenden Jahr mit ersten Ergebnissen, auch dazu, welche Investitionen wann erfolgen müssen.

Fest steht, dass die Bundeswehr die Kaserne wieder komplett nutzen will, nicht nur in Teilen, wie in der Vergangenheit schon einmal überlegt worden war. „Der Planungsprozess ist für uns zeitgerecht angeschoben worden“, freut sich Hannemann. Ursprünglich hätte die Entscheidung erst Ende des Jahres fallen sollen.

Fenster fehlen, Baum wächst aus Schornstein

Wer durch die Kaserne durchfährt merkt, wie viel Aufwand nötig sein wird, sie betriebsbereit zu machen. Drei Gebäude sind derzeit noch von Soldaten der DSK bewohnt. An anderen hängen Fenster aus den Öffnungen heraus, Häusern aus den 1960er- und 1970er-Jahren ist anzusehen, dass sie eigentlich baufällig sind.

Aus einem Schornstein wächst ein Baum heraus, um Beispiele zu nennen. Inzwischen ist der Zaun, der die früheren Flüchtlingsunterkünfte vom militärischen Teil trennte, allerdings abgebaut. Mehrere frühere Unterkunftsgebäude wurden zeitweise als Flüchtlingsunterkünfte genutzt.

Allerdings wurden sie nicht komplett saniert, müssten in jedem Fall umgebaut und neu an das Kanalnetz angeschlossen werden. Das wäre zuerst zu sanieren. Für die Flüchtlinge waren Sanitärcontainer aufgestellt worden.

Unterkünfte werden modernisiert

Doch auch in die Herrenwaldkaserne muss weiteres Geld fließen. Für den Standort Stadtallendorf sind – ohne Hessen-Kaserne – bereits jetzt rund 36 Millionen Euro für die nächsten Jahre vorgesehen. Diese Zahl nannte ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn auf OP-Anfrage.

In der Herrenwaldkaserne fehlen noch Gebäude, die Unterkünfte sollen Zug um Zug auf einen neuen, zeitgemäßen Standard gebracht werden. Für die Hessen-Kaserne könnten sich Unterkunftsgebäude empfehlen, die in Modulbauweise entstehen. Diesen neuen Gebäudetyp plant die Bundeswehr ab nächstem Jahr auch am Standort Schwarzenborn. Sie könnten vergleichsweise schnell errichtet werden.

Somogyi: wunderschöne Nachricht

Divisionskommandeur Andreas Hannemann ist jedenfalls optimistisch, was die Zukunft der Division am Standort Stadtallendorf angeht. „Wir freuen uns auf diese Zukunft, wir werden mit Blick auf die Hessen-Kaserne aber auch Unterstützung brauchen, zum Beispiel von der Kreisverwaltung, von Landesbehörden und Landesregierung“, sagt er.

Dem Divisionskommandeur ist natürlich bewusst, dass vor dem Abreißen, Sanieren oder Neubauen vor allem Planungskapazitäten nötig sein werden. Im nächsten Jahr werden die wohl ersten größeren Beträge für die Hessen-Kaserne bereitstehen.

Ein Zivilist ist besonders zufrieden, Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi. „Dass die Hessen-Kaserne bleibt, ist eine wunderschöne Nachricht für viele Bürger und auch eine wirtschaftliche Chance für die Region“, sagt er.

von Michael Rinde