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Ostkreis Fünf Bürger sichern altes Pfarrhaus
Landkreis Ostkreis Fünf Bürger sichern altes Pfarrhaus
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15:00 06.08.2022
Das alte Pfarrhaus aus 1898 könnte in der Zukunft bei einem sozialen Wohnprojekt eine zentrale Rolle spielen.
Das alte Pfarrhaus aus 1898 könnte in der Zukunft bei einem sozialen Wohnprojekt eine zentrale Rolle spielen. Quelle: Michael Rinde
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Erfurtshausen

Es liegt beinahe ein wenig versteckt nahe der Kirche, das alte Pfarrhaus in Erfurtshausen. Der Blick Richtung Wald ist idyllisch, trotzdem ist die Lage zentral im Ort. Fünf Erfurtshäuser haben das historische Gebäude inzwischen privat gekauft. „Damit haben wir es erst einmal gesichert“, sagt Dr. Annette Schick, eine der neuen Besitzerinnen und Besitzer.

Gesichert ist das Pfarrhaus jetzt für ein soziales Wohnprojekt mit Zukunft, über das Erfurtshausen während der Dorferneuerung intensiv diskutierte. Das Pfarrhaus mit rund 2 000 Quadratmetern Grundstück könnte die alles entscheidende Keimzelle dafür sein.

Neben Annette Schick gehört das Gebäude nun Hans-Jürgen Riehl, Wolfgang Rhiel, Gabriele Linne und Mechthild Schick. Sie haben den Kauf über ein Darlehen bei der VR-Bank Hessenland ermöglicht, die ihnen auch beim Zukunftsprojekt zur Seite steht.

Bei den ab 2016 geführten Diskussionen bei der Dorferneuerung ging um es um altersgerechtes Wohnen. „Damals waren wir im Ort vielleicht noch nicht reif für so ein Projekt, anderes war zunächst vorrangig“, erinnert sich Annette Schick.

Die Kernidee, die die fünf Besitzer weiterentwickeln und verfolgen: Das Pfarrhaus bekäme einen zeitgemäßen, natürlich optisch passenden Anbau mit vier bis fünf Wohnungen, im Pfarrhaus selbst könnten Gemeinschaftsräume entstehen. Ein wenig denken die jetzigen Besitzer dabei auch an das Mardorfer Vorbild Schwesternhaus. Platz ist genug vorhanden dank des Grundstücks, auf dem früher einmal die Pfarrscheune stand.

Natürlich können die fünf Eigentümer ein solches Projekt weder allein stemmen noch finanzieren. Deshalb steht zum Beispiel die mögliche Gründung einer Genossenschaft im Raum. „Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, in dem Erfurtshäuser auch im Alter vor Ort bleiben können“, formuliert es Schick. Zwar müssten die Älteren ihre Wohnung oder ihr Haus verlassen (was sie zum Beispiel vermieten könnten), sie blieben aber trotzdem in ihrem Dorf. Der Neubau wäre barrierefrei zu gestalten, ein weiteres Plus.

Frage der Finanzierung

Erster Schritt wäre jetzt eine Machbarkeitsstudie, die ein speziell qualifizierter Architekt erstellen soll. Dabei wäre dann auch zu prüfen, ob eine Genossenschaft das ideale Trägermodell für so ein Projekt wäre. Dazu sei es coronabedingt leider in den vergangenen Jahren nicht mehr gekommen, sagt Gabriele Linne. Über allem steht die Frage der Finanzierung. „Und wie lässt sich das Projekt umsetzen, damit es sich jeder Bürger leisten kann, dort zu leben“, formuliert Annette Schick. In den nächsten fünf Jahren soll die Entscheidung fallen, so die Vorstellung der Privatleute.

Die Kirchengemeinde wollte das Gebäude seinerzeit veräußern und nicht jahrelang auf eine Entscheidung warten. So kam es, dass sich die fünf jetzigen Eigentümer zum Kauf entschieden, zumal es weitere Interessenten gegeben hatte, die auch beim Bieterverfahren dabei waren.

Nach dem Kauf haben die fünf zunächst investiert, um die beiden Wohnungen vermietbar zu machen. Mitte August ziehen dort zwei ukrainische Familien ein. Das bringt auch Einnahmen, um Unterhaltung und Tilgungen zu finanzieren. Da erweist sich die Weitsicht der Vergangenheit in Erfurtshausen als weiteres Plus für Eigentümer und künftige Bewohner. Das Pfarrhaus ist an das Nahwärmenetz angeschlossen und verfügt auch über einen Breitbandanschluss. „Router anschließen, schon geht es los“, sagt Hans-Jürgen Riehl.

Es gab schon großes Interesse im Ort an der Zukunft des Gebäudes und den Plänen der fünf Eigentümer, die es dafür gesichert haben.

Darum  haben sie sich kurzfristig zu einem Tag der offenen Tür entschieden. Er findet am Sonntag, 7. August, von 15 bis 18 Uhr statt. Es gibt Kaffee und Kuchen. Dabei wollen die Eigentümer auch mehr über die Erinnerungen der Mitbürger an dieses Gebäude hören.

Von Michael Rinde

04.08.2022