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Ostkreis Rocksensation vor 20 Jahren: 15 000 sehen ihren Star im Herrenwaldstadion
Landkreis Ostkreis Rocksensation vor 20 Jahren: 15 000 sehen ihren Star im Herrenwaldstadion
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20:58 12.12.2020
Peter Maffay spielt im August kommenden Jahres zum zweiten Mal im Stadtallendorfer Herrenwaldstadion.
Peter Maffay spielt im August kommenden Jahres zum zweiten Mal im Stadtallendorfer Herrenwaldstadion. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt
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Stadtallendorf

Genaugenommen begann alles schon im Herbst 2000. Als klar war, dass die Oberhessische Presse das für den 24. Juni 2001 terminierte Maffay-Konzert im Herrenwaldstadion als Medienpartner präsentieren würde, bot sich Mitte November die Möglichkeit, mit Lars Kegel vom örtlichen Veranstalter Depro Concerts zum Auftakt der Hallentour nach Berlin zu fliegen. Das Wort Flugscham kannte damals noch niemand, also: Frankfurt - Berlin im Linienjet statt per blablacar oder Flixbus. Im Taxi zum Hotel, vom Hotel zur Schmeling-Halle am Prenzlauer Berg, der sich zur Jahrtausendwende noch nicht zu dem Szene-Quartier gemausert hatte, für das es viele heute halten.

Pantoffelheld in der Schmeling-Halle

Der legendäre Fritz Rau, der neben Jimi Hendrix, Bob Dylan und Frank Zappa eben auch Peter Maffay unter seinen Promoter-Fittichen hatte, war schon gegen Mittag in der Halle. Und er hatte ein Problem: Als er am Morgen sein Hotel verlassen hatte, merkte er zu spät, dass er zwar vom Pyjama in seine Straßenkleidung geschlüpft war, aber noch seine Pantoffeln trug. Anstatt zurückzufahren und damit wertvolle Zeit zu verlieren, hatte er seine Assistentin zum Schuhkauf losgejagt und wartete nun ungeduldig auf ihre Rückkehr. Das kleine Malheur hielt Rau nicht davon ab, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern – geistreich und eloquent, dabei hatte er sich gerade erst von einem Schlaganfall erholt.

Irgendwann wurde es laut in der Halle. Rau hatte in der Zwischenzeit ein Paar neue Schuhe an den Füßen, Zeit für den Soundcheck. Wo andere Bands nur gerade so lange auf ihren Instrumenten herumfriemeln, bis der Saalmischer alle Kanäle eingepegelt hat, spielt ein Peter Maffay sein komplettes Programm durch – inklusive Zugaben. An einem Tag das gleiche Konzert zweimal zu hören, ist eines der seltenen Ereignisse, das ich seitdem nur noch einmal erleben durfte – als Jazzrockpianist Chick Corea mit seiner Band in Montreux sein Konzert noch einmal vom ersten bis zum letzten Takt wiederholte, um alternative Einstellungen für eine DVD-Produktion im Kasten zu haben – wer wollte, konnte bleiben. Auch beim Stadtallendorfer Open Air im Juni 2001 ließen sich Maffay und seine Band alle Zeit der Welt für die Vorbereitungen, sodass nicht wie geplant ab 16.00, sondern erst ab 17.30 Uhr die Fans das Stadion betreten konnten. Während es sich die 15 000 auf dem Rasen und der Tribüne gemütlich machten, vertrieben sich die Musiker die Zeit zwischen dem Soundcheck und dem Konzertbeginn im Backstagebereich. Nicht wie Klischee-Rock’n’Roller mit Groupies und Drogen, sondern sportlich: Maffay zeigte uns begeistert seine mobile Muckibude (“das Ding mit den Pedalen da ist für meinen Bizeps“), Gitarrist Carl Carlton und Drummer Bertram Engel ließen ihre Frisbeescheibe gefährlich dicht über unsere Köpfe fliegen. Entspannte Profis beim Päuschen vor der dreistündigen Show im Herrenwaldstadion. Und danach? „Kaum waren die letzten Takte verhallt, sprang die Band in die hinter der Bühne bereitgestellten Nobelkarossen einer Stuttgarter Luxusmarke. Und weil der Peter ja ein Macher ist, saß er gleich selbst am Steuer. Müde durften derweil die anderen sein“, schrieben Herbert Lenz und Clemens Niedenthal in der OP.

Was vom Tage übrig blieb: die Erkenntnis, dass dieser Peter Maffay einer der populärsten, am härtesten arbeitenden und dabei einer der unverstelltesten Typen im deutschen Rockgeschäft ist. Und einer, der höchstens von jenen missverstanden wird, die in ihm immer noch den kleinen Schnulzen-Nuschler aus Dieter-Thomas-Heck-Tagen sehen. Schon zu Beginn des Jahrtausends war jedoch die Wandlung zum seriösen Rockmusiker längst vollzogen – und das bemerkenswerterweise zu einem erheblichen Teil mit dem Repertoire aus eben jenen 50 Jahre zurückliegenden Schlagertagen. Nehmen wir „Josie“, jene Ballade, die ursprünglich der Song eines gewissen Dion DiMucci aus der New Yorker Bronx war.

Man kann sich seine Emotionen nicht aussuchen

Dion feierte mit den Belmonts Erfolge in den 60ern und 70ern und ist mit seinen mittlerweile 81 Jahren immer noch im Geschäft. Das sind ebenso Fun Facts wie der Umstand, dass Maffay es mit einer englischen Version von „Josie“ sogar in die Hitparade schaffte. Na ja, jedenfalls in die Top 20 der südafrikanischen Schlager-Charts. So eine Nummer muss man also nicht mehr unbedingt spielen, dachte ich schon vor 20 Jahren. Doch nachdem ich „Josie“ sowohl in der Schmeling-Halle als auch im Herrenwald-Stadion jeweils doppelt gehört hatte, bekam ich als Vater einer zu jenem Zeitpunkt sechs Jahre alten Tochter feuchte Augen. Man kann sich seine Emotionen nicht aussuchen.

OP verlost Tickets für das Maffay-Open-Air

Am 13. August nächsten Jahres kommt – so es die Pandemiesituation dann zulässt – die Deutschrock-Legende Peter Maffay zum zweiten Mal ins Stadtallendorfer Herrenwald-Stadion, 20 Jahre nach seinem ersten umjubelten Open-Air-Konzert in der Ostkreis-Stadt.

In Zusammenarbeit mit Depro Concerts verlost die OP heute 2 mal 2 Tickets für das Maffay-Gastspiel, für das der Vorverkauf bereits läuft. Wer Tickets gewinnen will, schickt einfach an die Adresse gewinnspiel@ op-marburg.de eine E-Mail.

Halt: Ganz so einfach ist es nicht, Gratis-Karten zu gewinnen. Nennen Sie uns in Ihrer Zuschrift Ihren persönlichen Maffay-Hit und schreiben Sie uns, welche Erinnerungen oder Erlebnisse Sie mit „Über sieben Brücken“, „Eiszeit“ oder „Und es war Sommer“ verbinden. Einsendeschluss ist Freitag, 18. Dezember, 12 Uhr.

Von Carsten Beckmann