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Ostkreis Geschmack ist Gefühlssache
Landkreis Ostkreis Geschmack ist Gefühlssache
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09:58 10.06.2020
Im Keller des Wohnhauses in Ernsthausen hat sich Patrick Hoffmann sein kleines Kaffee-Paradies eingerichtet. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Ernsthausen

Patrick Hoffmann bezeichnet sich selbst als Genuss-Mensch – und das kann man ihm auch ansehen. Doch wer jetzt glaubt, der 27-Jährige trage die Auswirkungen des Genusses zur Genüge auf den Hüften, der hat den Satz falsch interpretiert. Nein, der Rauschenberger hat sich seine Einstellung beziehungsweise sein Lebensmotto auf den Arm tätowiert.

Sein privates Glück hat der gebürtige Berliner in Ernsthausens Wehrführer Michael Kuhn bereits gefunden – und sich inzwischen auch mit seinem Wohnort arrangiert: „Hätte ich meiner Mutter vor drei Jahren gesagt, dass ich eines Tages aufs Land ziehe, hätte sie mich einweisen lassen“, sagt er grinsend und ergänzt: „Als ich von Berlin herkam, war es erstmal ein Kulturschock. Aber ich finde es toll in Ernsthausen. Es ist nicht so hektisch, weniger stressig und einfach schön idyllisch.“

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Er fühlt sich wohl – und setzt auf der Suche nach dem kulinarischen Glück derzeit seinen Traum um. Der gelernte Koch, der schon für einige Sternerestaurants am Herd stand und das Unternehmen „Cook to live“ gründete, mit dem er rund 170 „Mietköche“ in Deutschland, Österreich, der Schweiz und an die Côte d’Azur vermittelt, verkauft seit neuestem seinen eigenen Kaffee: Der Keller des Wohnhauses ist sozusagen das Epizentrum von „Coffea Molina“. Ein Röstapparat steht dort zwar nicht, aber aus dem kleinen Raum vertreibt er seine Kaffeekreationen, die er natürlich selbst gestaltet.

Seine Kaffees schmecken nach Erdnuss-Vanille, Karamell-Vanille oder Vollmilchschokolade-Mandel – zumindest für diejenigen, die einen feinen Geschmackssinn haben. Es handelt sich dabei aber nicht um aromatisierten Kaffee: Nein, es ist wie beim Wein, erklärt Hoffmann. Gemeint sind damit die Noten, die das schwarze Gold trägt: Die Pflanzen ziehen eben bestimmte Noten aus dem Boden, auf dem sie angebaut sind. Und so schwinge eben beispielsweise ein Hauch Erdnuss-Vanille mit, erklärt er.

Auf die Feinheit kommt es an

Der geübte Kaffeetrinker mag zwar regelmäßig das eine oder andere Tässchen konsumieren, diesen Hauch jedoch vielleicht nicht wahrnehmen, sondern nur feststellen, dass das Fair-Trade-Produkt aus Biobohnen lecker ist. „Aber ich schmecke das raus“, betont Hoffmann, der sich als gelernter Koch aber natürlich viel besser mit den Feinheiten von Produkten auskennt.

Und auf Feinheiten kommt es bei der Herstellung eben auch an. Während für Industrie-Produkte die Bohnen bei 600 Grad nur 30 bis 60 Sekunden geröstet werden, setzt er auf ganz andere Zeiten und Temperaturen. „Jede Bohne reagiert anders auf den Röster“, erklärt er und gerät ins Philosophieren über den zwischen 170 und 185 eintretenden „First Crack“ der Bohne und den zwischen 207 und 210 Grad folgenden „Second Crack“. „Mit dem Röstvorgang lässt sich vieles an Geschmack rauskitzeln“, erläutert Hoffmann. Vieles hänge von der Oberfläche der Bohne ab: Die der Bohnen aus Peru sei beispielsweise viel rauer als die der Bohnen aus Burundi. Es gelte entsprechend, den Röstvorgang genauestens zu beobachten und den idealen Zeitpunkt zu finden, sie aus der Maschine zu nehmen.

„Früher fragte ich mich, warum der Kaffee auf der Arbeit ganz anders schmeckt als der zuhause“, erinnert sich der 27-Jährige zurück. Dann habe er sich näher mit der Thematik auseinandergesetzt, viel über Bohnen, ihre Herkunft und das Rösten gelesen und eines Tages ein Barista-Seminar besucht. „Und dann fragte ich mich, warum ich nicht meinen eigenen Kaffee nach meinem Geschmack kreieren sollte. Je nach Röstung erhalte ich eine gänzlich andere Geschmacksrichtung. Das fasziniert mich.“ Diesen Traum lebt er nun.

Wenn er mal etwas Abstand und Ruhe sucht, findet er sie auf dem Golfplatz: „Da kann ich richtig abschalten.“ Und auch den Genuss, also das Glück, hat er gefunden. Die Guatemala-Bohne ist seine Favoritin – am liebsten gemischt mit ein paar Bohnen aus Burundi. „Was Süßes nach dem Essen macht doch einfach glücklich“, erläutert er und verweist auf den Hauch von Schokolade und Haselnuss, der „hinten drauf kommt“. Doch diese Mischung sei nur für ihn: „Meine Kunden bekommen nur Reinkaffee.“ Die sind ziemlich lecker – auch wenn die Suche nach dem Hauch von Schokolade, Vanille oder Mandel beim Kaffeetrinken für manch anderen noch weitergeht.

Patrick Hoffmann vertreibt seine Produkte im Internet unter www.coffea-molina.de, bietet sie aber auch im Rauschenberger Rewe an. OP-Lesern, die bis zum 21. Juni bestellen, gibt er mit dem Code „gopcm0620“ zehn Prozent Rabatt.

Von Florian Lerchbacher

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