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Ostkreis Patienten fehlt der nötige Schutz
Landkreis Ostkreis Patienten fehlt der nötige Schutz
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20:11 08.03.2020
Einfache Schutzmasken wie auf diesem Symbolfoto sind für Menschen mit einer Immunschwäche häufig nicht ausreichend. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Ihre Tochter habe einfach nur Angst, berichtet Mutter Verena Zacharias (Name von der Redaktion geändert), eine Stadtallendorferin. Sie kümmert sich um ihre sehr geschwächte 30 Jahre alte Tochter, die ebenfalls im Ostkreis lebt. In Abständen von mehreren Wochen braucht die 30-Jährige seit Längerem Infusionen. Danach ist ihr Immunsystem zunächst geschwächt. Bisher trug sie deshalb auf Anraten ihrer Ärzte eine Atemschutzmaske, zumindest unmittelbar vor der Infusion und in der Zeit danach, wenn sie in die Öffentlichkeit musste.

Bis vor einigen Wochen – bis zum Aufkommen von Covid-19, also Corona – war der Kauf der Masken (Typ FFP2) kein Problem. Es reichte der Gang in die Apotheke. „Doch da brauchte ich es zuletzt nicht zu versuchen, ausverkauft“, sagt Zacharias. Sie sei von Apotheke zu Apotheke gezogen, doch ohne Erfolg.

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Ein bundesweites Thema, es fehlt die Schutzausrüstung, weil Bürger die Bestände in den zurückliegenden Wochen teilweise im großen Stil aufgekauft haben, um sich selbst zu schützen oder sie zu Horrorpreisen weiterzuverkaufen. Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen beklagen jetzt den Mangel an geeigneten Atemmasken. Und dieser Mangel trifft auch Patienten wie die Tochter der Stadtallendorferin.

Wucherpreise für Masken bei Ebay

Besonders ärgerlich reagiert Verena Zacharias auf Internetangebote wie kürzlich bei Ebay, wo drei Masken des benötigten Typs für 1 000 Euro angeboten worden seien. „Wer kann sich das leisten?“, fragt sie sich und regt sich über diese Art der Geschäftemacherei auf.

Die Infusionen gegen ihre Erkrankung bekommt die Tochter im Uni-Klinikum Marburg. Jetzt sorge sie sich vor allem vor der Zeit im Wartezimmer, bei der sie vielen Menschen ausgesetzt sei. Generelle Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes in Berlin gibt es für Patienten in so einer Situation bisher nicht. Was rät das Uni-Klinikum Gießen-Marburg (UKGM)? „Wir empfehlen Menschen mit starker Immunschwäche, einen einfachen Mund-Nasen-Schutz zu verwenden, möglichst Menschenansammlungen zu vermeiden und vor allen Dingen die Hände häufig zu waschen und zu desinfizieren“, sagt Dr. Manuela Rutsatz, Pressereferentin am Standort Marburg. Das UKGM habe viele Patienten mit starker Immunschwäche und könne feststellen, dass einfacher Mund-Nasen-Schutz auch hilft.

Verena Zacharias hofft für ihre Tochter, dass sich bis zum nächsten Infusionstermin Ende dieses Monats eine Lösung findet, also geeignete und gewohnte Schutzmasken, um wie in der Vergangenheit das Risiko zu minimieren.

Hintergrund

Bei Atemschutzmasken wird zwischen mehreren Typen, gestaffelt nach Schutzklassen, unterschieden. Die einfache chirurgische Maske diene dazu, Patienten etwa bei Eingriffen vor den Keimen, Bakterien oder Viren des behandelnden Arztes zu schützen, erläutert Dr. Ortwin Schuchardt, Sprecher der Ärzte-Genossenschaft Prima. Die Masken der Schutzklassen FFP2 oder FFP3 schützen ihren Träger hingegen besonders effektiv vor Keimen oder Viren aus der allgemeinen Umgebungsluft. Sie liegen häufig eng an. Die Abkürzung FFP steht für die englischen Worte „filtering face piece“. Das Gesundheitsamt in der Kreisverwaltung Marburg rät Patienten, die keine geeignete Maske erhalten können, die Situation zuerst und vor allem mit ihrem behandelnden Arzt genau zu erörtern. Das erklärte die Pressestelle des Kreises auf OP-Anfrage. Es gehe letztlich darum, das Lebensrisiko nicht zusätzlich zu steigern. Sprich: Patienten sollten verstärkt zu Hause bleiben, um sich vor Krankheitserregern zu schützen, Menschenansammlungen meiden und noch stärker auf die Handhygiene achten.

Von Michael Rinde

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